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Arbeit am Mythos Wie entstand der Geist?

  • Anselm Haverkamp

Zusammenfassung

Die Welträtsel, die vor hundert Jahren aufzählbar waren, sind kleingearbeitet; es bleiben nichts als kleine Fragen. Darunter die Kleinigkeit der Paläoanthropologen, denen es bei der Evolution im Geschichte der Zeiten auf einige Millionen Jahre nicht mehr ankommen soll: Langt es uns, Hominide geblieben zu sein, durch nichts als ein schwarzes Loch von ein paar Millionen Jahren von verwandten Primaten getrennt? Der Anthropologe Edward Evans-Pritchard hat das fortschreitende Versagen der modernen Einbildungskraft auf die ebenso ironische wie hoffnungslose Formel ›If I were a horse‹ gebracht: dessen, was der postkoloniale Herrenreiter an vorgeschichtlichem Verständnis aufzubringen vermag. Als der Philosoph Thomas Nagel jüngst auf seine analytische Weise Bilanz machte, Why the Materialist Neo-Darwinian Conception of Nature is almost certainly false, kam das missing link, die Entstehung des Geistes, als blinder Fleck in den Blick. Das historische Bewusstsein reicht kaum weiter als sein mediengestütztes Gedächtnis, von dem über die Jahrtausende mit ihm auskommenden Haustier zu schweigen. Seit wir uns die mythischen Narrative von der Erschaffung des Menschen aus dem Kopf geschlagen haben, führt die DNA-Migration ein Stück weit in die frühe Kulturgeschichte zurück, kaum 170.000 Jahre, um jenseits der Töchter Evas eine Wüste anthropologischer Spekulationen zu eröffnen, die kein Pferdeverstand mehr beflügeln kann, sowenig dieser sich jemals die vorzeitlichen Rituale, ihre Kunst und ihren Terror, vorstellen konnte.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2015

Authors and Affiliations

  • Anselm Haverkamp

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