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Bibliothek Wozu Lesesäle?

  • Ulrich Johannes Schneider
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Zusammenfassung

Ein schöner und in allen europäischen Sprachen eingebürgerter Ausdruck, der gleichwohl täuscht. Im Lesesaal begegnen sich Texte und Köpfe in kaum vorhersehbarer Weise, und ein Lesen findet nur als Teil einer vielfach variierten und komplizierten Choreographie statt: Bücher umstellen die Menschen, und diese umschleichen die Regale. Wer hält hier wen in Schach? Die Frage wird nicht weniger dringend in der heutigen, digital angereicherten Kultur: Sind Texte vor ihrer Lektüre überhaupt existent? Jean-Paul Sartre glaubte an die Vollendung des Schreibprozesses bei den Lesern, was aber wohl eher eine republikanische Selbstüberschätzung darstellt. Die Idee vom gemeinsamen Werk, heute lebendig unter Wikipedianern, ist in der Literaturgeschichte selten, eigentlich untypisch. Wie Bücher ihre Individualität und Intransigenz durch je verschiedene Autorschaft belegen, so dünkt sich jeder Lesesaalbewohner ein Inselbewohner mit einem Recht aufs Überraschtwerden.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2015

Authors and Affiliations

  • Ulrich Johannes Schneider

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