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Juden und die Welt der Bücher in den Jahren 1100–1700: »Schriften für Kinder« und »Kinderbücher« bei den Juden in Deutschland

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Zusammenfassung

Zwischen den Jahren 1100 und 1700 unserer Zeitrechnung war das Schreiben von Texten explizit für Kinder ein unbekanntes Phänomen in den jüdischen Gemeinden Deutschlands. Es existierte kein öffentliches oder privates Bewußtsein, welches darin eine Notwendigkeit gesehen hätte, insbesondere für Kinder zu schreiben, auch war es vor der technischen Entwicklung des Buchdruckes unmöglich, Bücher für eine größere Anzahl von Kindern zu publizieren. Trotzdem gab es in dieser Zeit Versuche, die heiligen Texte auch Jenen zugänglich zu machen, die noch nicht erwachsen sind. Diese Anstrengung wurde unternommen, weil die jüdische Gemeinschaft die drängende Notwendigkeit erkannte, den Kindern einen gruppenspezifischen Sozialisationsprozeß vermitteln zu müssen, der den Schriften und der Literatur der Gemeinschaft verbunden ist. Wir werden Zeugen einer beträchtlichen Anstrengung, den Kindern die heiligen Texte der Gemeinschaft nahe zu bringen und einen inneren und erlebenden Bezug der Kinder zu den Schriften herzustellen. Meiner Meinung nach kann man diese Bestrebung als »Schriften für Kinder« bezeichnen, ähnlich einer Vorstufe zur »Kinderliteratur«. Dies bedeutet noch kein besonderes und eigenständiges Schreiben für Kinder angesichts der Erkenntnis einer solchen Notwendigkeit, aber es läßt sich zumindest ein anfängliches Bewußtsein dessen ausmachen, daß es notwendig sei, etwas zu schreiben, was insbesondere den Bedürfnissen der Kinder entspricht. Die Texte, die zum Lesenlernen verwendet wurden, waren nicht so sehr für die Kinder aufgrund ihres jungen Alters, ihrer Begriffsstutzigkeit oder irgendeiner »Erziehungsauffassung« ungeeignet, sondern aufgrund der mit den Texten verbundenen theologischen Auffassung, welche die gesamte Gemeinde leitete und die Kinder dazu erzog, in der bevorzugten jüdischen Gemeinschaft zu verbleiben. Wesentlich ist hierbei, daß die Notwendigkeit zur Erziehung erkannt wurde, woraus wir schließen können, daß man grundsätzlich unterschiedliche Aspekte, Kinder oder Erwachsene betreffend, erkannte.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2002

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