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Erzählen im Journalismus

  • Matías Martínez
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Zusammenfassung

Gibt es bestimmte soziale Funktionen des Journalismus, aus denen man Merkmale journalistischer Wirklichkeitserzählungen ableiten kann? Niklas Luhmann hat vorgeschlagen, den Journalismus als Teil der Massenmedien zu verstehen, die ein eigenständiges soziales System innerhalb unserer funktional differenzierten Gesellschaft bildeten. Der spezifische Code, der das System der Massenmedien von seiner Umwelt abgrenze, sei die Unterscheidung zwischen Information und Nichtinformation. Die Massenmedien, so Luhmann, stünden unter einem dauernden Erneuerungsdruck wegen der »ständigen Deaktualisierung von Information«:1 »Informationen lassen sich nicht wiederholen; sie werden, sobald sie Ereignis werden, zur Nichtinformation. Eine Nachricht, die ein zweites Mal gebracht wird, behält zwar ihren Sinn, verliert aber ihren Informationswert«.2 Im Einzelnen ordnet Luhmann den Massenmedien (nicht im Sinne einer »geschlossenen Typologie«, sondern »rein induktiv«) drei »Programmbereiche« zu: »Werbung«, »Unterhaltung« und »Nachrichten und Berichte«.3 Bernd Blöbaum beschreibt den für »Nachrichten und Berichte« zuständigen Journalismus nicht als Teil des sozialen Systems der Massenmedien, sondern als ein eigenständiges soziales System, dem, so wie den Massenmedien insgesamt bei Luhmann, als primäre Funktion die »aktuelle Selektion und Vermittlung von Informationen« zukomme.4 In beiden Fällen wird der Journalismus jedenfalls systemtheoretisch durch die Leitdifferenz zwischen Information und Nichtinformation bestimmt.

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Kommentierte Auswahlbibliographie

  1. Bleicher, Joan Kristin/Pörksen, Bernhard (Hg.): Grenzgänger. Formen des New Journalism, Wiesbaden 2004. — Die Aufsätze untersuchen literarische und fiktio-nalisierende Formen des erzählenden Journalismus seit dem New Journalism bis hin zu Texten Tom Kummers, der Popliteratur und der Zeitschrift Tempo, sowie entsprechende Phänomene im Fernsehen; einige Beiträge diskutieren genereller den Objektivitätsanspruch journalistischer Texte.Google Scholar
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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2009

Authors and Affiliations

  • Matías Martínez

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