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I. DER BEGRIFF DER DYNAMIS KATA KINESIN

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Zusammenfassung

Das Wort dynamis bedeutet im vorphilosophischen Sprachgebrauch etwa Kraft, Macht, Vermögen, Fähigkeit. Diese Begriffe entstammen der menschlichen Erfahrung, insofern Menschen auf ihre Überlegenheit über andere Menschen und über Dinge, auf ihre Fähigkeit, Wirkungen hervorzurufen, aufmerksam werden, Widerstandskräfte erfahren, deren Überwindung sie physische Kraft, Anstrengung kostet, die Macht von Menschen und Natureinflüssen verspüren, denen sie unterlegen sind. In der Frühzeit werden diese Begriffe, die dem Bereich menschlicher Erfahrung entstammen, auf leblose Dinge übertragen und auch diesen Kräfte und Vermögen zugeschrieben.1 Auch bei Aristoteles ist diese ursprüngliche Kraftvorstellung noch vorhanden, wenn er z. B. davon spricht, daß der Mensch Dinge zu bezwingen vermag (1392 a 26) oder daß physikalische Eigenschaften die Herrschaft in Dingen ausüben (379 a 1), oder dynamis mit ischys (Kraft) gleichsetzt (703 a 9), wenngleich das bei ihm nicht zu einer anthropomorphen Auffassung nicht‐menschlicher Vermögen führt.

Daneben findet Aristoteles eine von der Medizin geprägte Spezialbedeutung von dynamis vor, wonach diese charakteristische Eigenschaften von Körpern bezeichnet, in denen sich ihre Natur (physis) äußert. Unterm Einfluß dieser Bedeutung werden von den Sophisten auch schon Künste und Wissenschaften als dynameis bezeichnet.2

Aristoteles hält die vorwissenschaftliche Bedeutung von dynamis als die eigentliche und primäre fest, auf die hin die anderen zu bestimmen sind (1019 b 35 ff.).

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Authors and Affiliations

  1. 1.Universität MannheimMannheimDeutschland

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