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Nora und Dora: Sich freisprechen

  • Lena Lindhoff
Part of the Sammlung Metzler book series (SAME)

Zusammenfassung

Die soziohistorischen Ansätze der feministischen Literaturwissenschaft leiteten aus der Erkenntnis des Ausschlusses der Frau aus der kulturellen Ordnung die Forderung nach einer Gleichberechtigung der Frauen innerhalb dieser Ordnung ab. Die poststrukturalistischen Ansätze dagegen fragen, inwiefern der Ausschluß des Weiblichen konstitutiv ist für die Hervorbringung dieser Ordnung selbst. Ihre Forderungen sind daher einerseits tiefgreifender — sie zielen auf eine Dekonstruktion des kulturellen Systems überhaupt —, andererseits folgenloser: Sie richten sich in erster Linie auf eine neue sprachliche Praxis, lassen die gesellschaftliche aber unangetastet. Die Konsequenzen diskursiver Praktiken für das Leben von Individuen geraten aus dem Blickfeld. So kann der hysterische Diskurs als Vorbild eines dekonstruktiven Verfahrens gefeiert werden; das Weibliche‹ wird zur »Metapher des Metonymischen« (Weigel 1986):

Die Tatsache, daß die erwähnten mimetischen Verfahren [in den poststrukturalistischen Theorien, L. L.] sämtlich als Bewegungen zu verstehen sind, die der Logik der Symbolisierung, einem phallo-logozentrischen Denken entgegenwirken, (hat) dazu verführt, sie als weibliche Verfahren oder als Bewegungen des Weiblichen zu bezeichnen, Ist damit einerseits das Geschlecht nun nicht mehr an Subjekt und Gegenstand der literarischen Produktion gebunden (die Frau als Autorin und Figur), sondern auf die Ebene des Verfahrens verlagert (weibliche Schreibweise), so ist andererseits damit die Frage nach dem Ort und dem Schicksal des Weiblichen in der Subjektkonstitution und in der Schrift allzu schnell ad acta gelegt: im Entwurf einer subversiven, weiblichen Textpraxis (wobei in diesem Nebeneinander subversiv und weiblich austauschbar werden). (Weigel 1986, 112)

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2003

Authors and Affiliations

  • Lena Lindhoff

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