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Dora oder das Weibliche als das Unbestimmbare

  • Lena Lindhoff
Part of the Sammlung Metzler book series (SAME)

Zusammenfassung

Mit dem Strukturalismus entstand im Frankreich der 50er und 60er Jahre eine intellektuelle Strömung, die alle geisteswissenschaftlichen Disziplinen erfaßte: Ethnologie, Psychoanalyse, Soziologie, Geschichtsforschung, Philosophie, Literaturwissenschaft. Der Strukturalismus entwikkelte aus der Sprachtheorie des Schweizer Linguisten Ferdinand de Saussure ein Modell zur Erforschung kultureller Phänomene, das die Kulturentstehung auf die Sprachfähigkeit des Menschen als einer Fähigkeit zum gemeinschaftstiftenden symbolischen Tausch zurückführt. Auf dieser Grundlage wurden die Gegenstandsbereiche der unterschiedlichen Disziplinen als ›Sprachen‹ bestimmbar, als Spielfelder symbolischer Systeme und Subsysteme, deren anthropologische Funktion darin bestand, der Welt eine Ordnung zu geben, durch die sie verstehbar und beherrschbar wurde. Im Strukturalismus war der Systemgedanke vorherrschend. Bereits Saussure ging es um eine Erforschung der Sprache als formales, kollektives, allen individuellen Sprechakten (parole) unbewußt zugrundeliegendes System (langue). Von entscheidender Bedeutung war vor allem sein Gedanke, daß die sprachlichen Zeichen durch ihre Beziehungen untereinander erst konstituiert werden: daß es in der Sprache keine Substanzen, sondern nur Differenzen gibt. Ging Saussure dabei noch von einer zweifachen, parallelen Konstitution in der Sphäre der materiellen Sprachzeichen (Signifikanten) und der geistigen Sinneinheiten (Signifikate) aus, die im sprachlichen Zeichen in willkürlicher Zuordnung zusammentreten, so wurde dieser Gedanke von den (Post-) Strukturalisten radikalisiert: Wenn die Welt erst durch die sprachliche Benennung eine Strukturierung erfährt, kann konsequenterweise eine Trennung zwischen Signifikant und Signifikat, zwischen Wort und Begriff, nicht aufrechterhalten werden.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2003

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  • Lena Lindhoff

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