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Stellungnahmen der Älteren und Außenstehenden

  • Thomas Anz
  • Michael Stark
Chapter

Zusammenfassung

Die Zeitungsfeuilletons und Kulturzeitschriften reagierten anfangs auf die jüngste Kunst und Literatur um 1910 vielfach verständnislos, spöttisch oder sogar mit aggressivem Hohn. Über die zweite Ausstellung der 1909 von Kandinsky gegründeten »Neuen Künstlervereinigung München« vom September 1910, aus deren Mitgliedern sich Ende 1911 »Der Blaue Reiter« rekrutierte, konnte man in den Münchener Neuesten Nachrichten folgende von M. K. Roth gezeichnete Bemerkungen lesen:

Diese absurde Ausstellung zu erklären, gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder man nimmt an, daß die Mehrzahl der Mitglieder und Gäste der Vereinigung unheilbar irrsinnig ist, oder aber, daß man es mit schamlosen Bluffern zu tun hat, denen das Sensationsbedürfnis unserer Zeit nicht unbekannt ist und die die Konjunktur zu nutzen versuchen. [1]

Und über dieselbe Ausstellung hieß es in der eine bodenständig-traditionelle Malerei favorisierenden Zeitschrift Kunst für Alle:

Man greift sich wie von Sinnen an den Kopf, wenn man vor diesen merkwürdigen Gebilden steht. Man will es lange nicht glauben, daß man es hier nicht mit spaßhaftem Bluff zu tun hat. Und wenn man sich endlich wohl oder übel entschließt, die Sache ernst zu nehmen, so steigen einem wohlberechtigte Zweifel pathologischer Natur auf. Hier muß eine ganz verrückte Massensuggestion am Werk gewesen sein. Diese etwa dreißig Leute (die gangbaren Plastiker ausgenommen) sind plötzlich von einem Genie-Furor gepackt worden. Alles, was einem Menschen von gesundem Verstand und gebildeter Sinnlichkeit einleuchtet, haben sie von sich abgetan. [2]

Der Ton und die Argumente solcher Kritiken finden sich ganz ähnlich auch in den damaligen Urteilen zur jüngsten Literaturszene.

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Notizen

  1. 1.
    Zitiert nach Lothar Günther Buchheim: Der Blaue Reiter. Feldafing 1959. S. 27.Google Scholar
  2. 3.
    Ernst Goth: Die Aller jüngsten und die Furcht vor der Blamage. In : Der Merker 5(1914), H. 14(1. Dezember), S. 638–642; Zitate S. 641 f.Google Scholar
  3. 5.
    Siehe dazu besonders Eduard Haueis: Karl Kraus und der Expressionismus. Diss. Nürnberg 1968.Google Scholar
  4. 6.
    Kurt Wolff: Briefwechsel eines Verlegers 1911–1963. Frankfurt 1966. S. 124.Google Scholar
  5. 7.
    Karl Kraus: Notizen. In: Die Fackel 19(1917), Nr. 457–461 (10. Mai), S. 59.Google Scholar
  6. 8.
    Karl Kraus: Notizen. In: Die Fackel 16(1914), Nr. 400–403 (10. Juli), S. 56.Google Scholar
  7. 9.
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  8. 10.
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  9. 12.
    Über die Beziehung zwischen dem Expressionismus und Stefan George siehe Manfred Durzak: Zwischen Symbolismus und Expressionismus: Stefan George. Stuttgart u. a 1974.Google Scholar
  10. 13.
    Zitiert nach Berthold Vallentin: Gespräche mit Stefan George. Amsterdam 1967. S. 92.Google Scholar
  11. 14.
    Stefan George: Werke. Hg. v. R. Boehringer. Bd. 1. München, Düsseldorf 21968. S. 531 f.Google Scholar
  12. 17.
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  14. 21.
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  15. 22.
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  16. 23.
    Siehe das Register in R. M.: Tagebücher. Anmerkungen, Anhang, Register. Hg. v. A. Frisé. Reinbek bei Hamburg 1976.Google Scholar
  17. 3.
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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1982

Authors and Affiliations

  • Thomas Anz
  • Michael Stark

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