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Die Legitimationskrise der Schriftsteller

  • Thomas Anz
  • Michael Stark
Chapter

Zusammenfassung

Im Versuch, »die ›neue Wirklichkeit‹ (die Wirklichkeit des Imperialismus, die Epoche der Weltkriege und der Weltrevolution) […] gedanklich wie künstlerisch zu bewältigen« [1], stieß die expressionistische Autorengeneration fraglos an eine Grenze der künstlerischen Profession überhaupt. Eine gravierende Legitimationskrise der schöpferischen Intelligenz spricht aus den einschlägigen Dokumenten, die den Obergang von der »ästhetischen« zur »politisch-revolutionären Avantgarde« markiert. [2]Diese Irritation war auch eine Konsequenz des historischen Entfremdungsprozesses zwischen Künstlerschaft und literarisch gebildeter Intelligenz (s. den Abschnitt »Kunst und Öffentlichkeit«), der sich neben der Spaltung zwischen »Elite-« und »Massenkultur« seit dem frühen 1 9 . Jahrhundert abzeichnete. [3] Spielten literarische Autoren in der Emanzipation bürgerlicher Gesellschaften zuvor die Rolle geistiger Wegbereiter und ideologischer Exponenten, so sahen sie sich nun mit einem rasanten gesellschaftlichen Funktionsverlust und dem Geltungsverfall ästhetisch vermittelter Weltbilder konfrontiert. [4] Während die Doktrin des »L’art pour l’art« den Fortgang dieser sozialen Isolation der künstlerisch produktiven Intelligenz als beabsichtigte Selbstexilierung vortäuschte, vollzogen die Expressionisten eine bewußte »Wendung zur Öffentlichkeit«. [5] Der Weg zum »politischen Dichter« [6] und zum systemkritischen Schriftsteller war damit zweifach vorprogrammiert, denn nur der Raum der politischen Ideologie und das Engagement für gesellschaftlich nicht-emanzipierte Schichten versprachen die ersehnte öffentliche Wirkung und die Erfüllung einer historischen Mission, die das etablierte Bürgertum dem Dichter längst nicht mehr abverlangte. [7] So erkannte man im Kult des einsam Schaffenden, des Dichterfürsten und des gesellschaftsfernen Ästhetenturs das anachronistische Ritual.

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Notizen

  1. 1.
    Georg Lukács: »Größe und Verfall« des Expressionismus (1934). Zit. nach: Hans Gerd Rötzer (Hrsg.): Begriffsbestimmung desliterarischen Expressionismus. — Darmstadt 1976, S. 19–66, Zitat S. 19.Google Scholar
  2. 2.
    Helmut Kreuzer: Eine Epoche des Über gangs. In: H. K. u.a.: Jahrhundertende — Jahrhundertwende. Teil I. — Wiesbaden 1976 (Neues Handbuchder Literaturwissenschaft, Bd. 18), S. 1–32, Zitat S. 28.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. den Abriß von Dietrich Harth: Kritische und konservative Aufgaben der Philologie. Zur Sozialgeschichte der literarisch gebildeten Intelligenz. In: D.H. (Hrsg.): Propädeutik der Literaturwissenschaft. — München 1973, S. 23–51.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. den soziopolitischen Ansatz von Lothar Peter: Literarische Intelligenz und Klassenkampf. »Die Aktion« 1911–1933. — Köln 1972.Google Scholar
  5. 5.
    So ist der wirkungsästhetische Interpretationsabschnitt einer neueren Epochendarstellung überschrieben: Richard Hamann u. Jost Hermand: Expressionismus. München 1976 (Epochen deutscher Kulturvon 1870 bis zur Gegenwart, Bd. 5), S. 32 ff.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. das expressionistische Schlagwort als Buchtitel: Walter Hasenclever: Der politische Dichter. Berlin: Ernst Rowohlt 1919 (Umsturz und Aufbau, Bd. 2);Google Scholar
  7. dazu vgl. Carl Maria Weber: Der politische Dichter. In: Tätiger Geist! Zweites der Ziel-Jahrbücher. Hrsg. von Kurt Hiller. 1917/18. — München: Georg Müller Verlag 1918, S. 330–338; wiederabgedr. in: Wolfgang Rothe (Hrsg.): Der Aktivismus 1915–1920. — München 1969, S. 88–95.Google Scholar
  8. 7.
    Vgl. die Einschränkungen bei Christoph Eykman: Zum Problem des politischen Dichters im Expressionismus. In: C E.: Denk- und Stilformendes Expressionismus. München 1974, S. 9–27.Google Scholar
  9. 8.
    Zur interpretatorischen Überhöhung der objektiven Isolation der künstlerischen Intelligenz um die Jahrhundertwende durch die Kategorie der »neuen Einsamkeit« vgl. schon Georg Lukács: Die neue Einsamkeit und ihre Lyrik: Stefan George. In: G. L.: Die Seele und die Formen. Essays. Berlin: Egon Fleischel & Co. 1911, S. 171–194.Google Scholar
  10. Sie wurde ohne sozialgeschichtliche Indizierung als künstlerischanthropologische Konstante später wieder aufgegriffen bes. von Walther Rehm: Der Dichter und die neue Einsamkeit. Aufsätze zur Literatur um 1900. Hrsg. von Reinhardt Habel. — Göttingen 1969.Google Scholar
  11. 9.
    Vgl. die damalige, stark polemische Studie von Edgar Zilsel: Die Geniereligion. Ein kritischer Versuch über das moderne Persönlichkeitsideal mit einer historischen Begründung. Bd. 1 — Wien: W. Braumüller 1918.Google Scholar
  12. 10.
    Walter H. Sokel: Der literarische Expressionismus. Der Expressionismus in der deutschen Literatur des Zwanzigsten Jahrhunderts. München 1970 (Amerik. Originalausgabe: The Writer in Extremis. — Stanford University Press 1959), S. 222.Google Scholar
  13. 11.
    Gerhard Reinboth: Die Betonung der schaffenden Persönlichkeit bei den »Jüngsten«. In: Das literarische Echo 23. Jg.(1920/21), H. 16, 15. Mai 1921, Sp. 966–968, Zitat Sp. 967.Google Scholar
  14. 12.
    Vgl. das so titulierte Gedichtbuch von Franz Werfel: Der Weltfreud. Gedichte. Berlin-Charlottenburg: Axel Juncker 1911.Google Scholar
  15. 13.
    Vgl. auch hier das Titelbuch von Walter Hasenclever: Der Jüngling. Leipzig: Kurt Wolff 1913.Google Scholar
  16. 14.
    Franz Werfel: Nachwort zur ersten Auflage. In: F. W.: Wir sind. Neue Gedichte. Leipzig: Kurt Wolff 1913, S. 123–125, Zitat S. 125. Zu Werfeis Dichterbegriff vgl. im übrigen F. W.: Die Versuchung. Ein Gespräch des Dichters mit dem Erzengel und Luzifer. Leipzig: Kurt Wolff 1913 (Der jüngste Tag, Bd. 1).Google Scholar
  17. 16.
    Gustav Landauer: Eine Ansprache an die Dichter. In: Die Erhebung. Jahrbuch für neue Dichtung und Wertung. Hrsg. von Alfred Wolfenstein. — Berlin: S. Fischer o. J. [1919], S. 296–304, Zitat S. 303.Google Scholar
  18. 17.
    Erich Mühsam: Appell anden Geist. In: Kain 1 (1911), Nr.2 (Mai), S. 18–21, Zitat S. 20f.Google Scholar
  19. 18.
    Vgl. die Betrachtung von Alfred Wolfenstein: Kämpfer Künstler. In : Zeit-Echo 2. Jg.(1915/16), H. 12, S. 177–179.Google Scholar
  20. 19.
    Wilhelm Hausenstein: Die Politisierung der Unpolitischen. In: Der neue Merkur 2. Jg. (1915), Bd. 1 (April/September), S. 174–188, Zitat S. 174.Google Scholar
  21. 20.
    Franz Blei: An die Armen, die Reichen und die Dichter. In: Die weißen Blätter 2. Jg. (1915), H. 4 (April), S. 518–520, Zitat S. 518.Google Scholar
  22. 21.
    Friedrich Burschell: Der Schriftsteller. In: Neue Erde 1. Jg. (1919), H. 1, S. 24.Google Scholar
  23. 22.
    Vgl. Michael Stark: Für und wider den Expressionismus. Die Entstehung der Intellektuellendebatte in der deutschen Literaturgeschichte. Stuttgart 1982. Die aus der Dreyfus-Äffäre stammende Reizvokabel besitzt neben normativen Bedeutungskomponenten ein negatives Konnotationsfeld, das für die denunziative Expressionismusrezeption konstitutiv war. Dietz Berings Studie: Die Intellektuellen. Geschichte eines Schimpfwortes. — Stuttgart 1978 hat die geschichtsträchtigen Negativbegriffe präzise herausgearbeitet: »kalt«, »blutleer«, »verbildet«, »jüdisch«, »zersetzend«, »krank«, »wurzellos«, »großstädtisch«, »negativ«, »antinational«, »dekadent« usw. In dem expressionistischen Alternativbegriff »Geistige« wird zweierlei wirksam. Erstens die Absicht literarischer Intellektueller, der bereits eingeschliffenen Schelte zu entgehen, und zweitens der Versuch, eine spezifische Form der Intellektuellenkritik mit einem progressiv-kritischen Ideal intellektueller Verantwortlichkeit zu verbinden.Google Scholar
  24. 23.
    René Schickele: Politik der Geistigen II. In März (1913), Nr., 22 März, S. 440–441, Zitat S. 440.Google Scholar
  25. 24.
    Vgl. z.B. Kurt Hiller: Der politische Literat. In: Der Osten 1. Jg. (1918), Nr. 6/8, S. 81–83; wiederabgedr. in: Paul Pörtner (Hrsg.): Literatur-Revolution 1910–1925, Bd. 2, S. 429–432. H.8.Google Scholar
  26. 25.
    Carl Sternheim: An die Dichter. In: Die Aktion 8. Jg. (1918), Nr. 7/8, 23. Februar, Sp. 90–91, Zitat Sp. 90.Google Scholar
  27. 26.
    Vgl. etwa Wilhelm Herzog: Der geistige Typus des Revolutionärs. In: Das Forum 3. Jg. (1918/19), H. 3, Dezemberheft v. 30. 1. 1919, S. 181–185, Zitat S. 183.Google Scholar
  28. 27.
    Ludwig Meidner. Analle Künstler, Dichter, Musiker. In: Das Kunstblatt 3. Jg. (1919), H. 1, S. 29–30, Zitat S. 29.Google Scholar
  29. 29.
    Vgl. Kurt Kreiler: Die Schriftstellerrepublik. Zum Verhältnis von Literatur und Politik in der Münchner Räterepublik. Ein systematisches Kapitel politischer Literaturgeschichte. Berlin 1978.Google Scholar
  30. 30.
    Heinrich Mann: Gedenkrede auf Kurt Eisner am 16. März 1919. In: H. M.: Macht und Mensch. — München:Kurt Wolff 1919, S. 173.Google Scholar
  31. 31.
    Ludwig Ullmann: Die »Anti-Dichter«. In: Saturn 5 (1919), H. 3 (Juli), S. 136 – 140, Zitat S. 138f.Google Scholar
  32. aus einem Brief des Verlegers an Georg Trakl vom 23.4. 1913 hervor: »Herr Werfel hat Ihnen wohl geschrieben, daß wir einen Teil Ihrer Gedichte zunächst in unserem ›Jüngsten Tag‹ erscheinen lassen wollen. Zur Orientierung sende ich Ihnen einen ungelesenen Korrekturabzug des Prospektes mit« (Zit. nach: Kurt Wolff, Briefwechsel eines Verlegers, S. 79). Über die Namenwahl für die berühmte Verlagsserie berichtet Kurt Pinthus: Leipzig und der frühe Expressionismus. In: Paul Raabe (Hrsg.): Expressionismus. Auf Zeichnungen und Erinnerungen der Zeit genossen, S. 74–83, hier S. 82. Danach fiel sie zufällig auf die Gedicht-zeile»O,jüngsterTag!O, Wiedersehn!« (Franz Werfel: Das Opfer. Dramatisches Gedicht. In: Wir sind. Neue Gedichte. Leipzig: Kurt Wolff 1913, S. 116).Google Scholar
  33. 2.
    Verweis auf die im frühen Expressionismus intensiv diskutierte Frage des Indifferentismus. Vgl. Max Brod: Schloß Nornepygge. Der Roman des Indifferenten. Stuttgart u. Berlin-Charlottenburg: Axel Juncker 1908.Google Scholar
  34. 4.
    Detlev von Liliencron (1844 – 1909), impressionistischer Lyriker der Jahrhundertwende. Vgl. Franz Pfemfert: Detlev von Liliencron (Zu seinem Todestage). In: Die Aktion 1. Jg. (1911), Nr. 23, 24. Juli, Sp. 724–727. Walter Hasenclever gab die Brief Sammlung Dichter und Verleger. Briefe von Wilhelm Friedrich an Detlev von Liliencron (München: Georg Müller 1914) mit einer Einleitung heraus.Google Scholar
  35. 5.
    Im Januar 1918 fuhr Toller nach München und nahm an Versammlungen Kurt Eisners teil. Nach dessen Aufruf zum Massenstreik am 28.1.1918 auf einer Gewerkschaftsversammlung, kam es am Morgen des 31.1.1918 zu teilweisen Arbeitsniederlegungen in einigen Münchner Großbetrieben, dem sog. »Januar-Streik«. Auf den politischen Versammlungen trug Toller aus seinen Texten vor und sprach noch nach der Verhaftung Eisners auf der Theresienwiese vor ca. 6 000 Streikenden am 2.2.1918 (Vgl. Gerhard Schmolze (Hrsg.): Revolution und Räterepublik in München 1918/19 in Augenzeugenberichten. — Düsseldorf 1969, S. 43–65.).Google Scholar
  36. 1.
    Vgl. zu diesem überfälligen Thema Hans Tramer: Der Expressionismus. Bemerkungen zum Anteil der Juden an einer Kunstepoche. In: Bulletin für die Mitglieder der »Gesellschaft der Freunde des Leo BaeckInstituts« 5 (1958), S. 33–56.Google Scholar
  37. 3.
    Alfred Lemm (d. i. Alfred Lehmann): Von der Aufgabe der Juden in Europa. In: Tätiger Geist! Zweites der Ziel-Jahrbücher, von Kurt Hiller. 1917/18. — München u. Berlin 1918, S. 183–201, Zitat S. 190.Google Scholar
  38. 4.
    Zur historischen Genese und zum Terminus »Antisemitismus« vgl. Reinhard Rürup: Emanzipation und Antisemitismus. Studien zur »Judenfrage« der bürgerlichen Gesellschaft. — Göttingen 1975CrossRefGoogle Scholar
  39. sowie den Sammelband von H. Huss und A. Schröder (Hrsg.): Antisemitismus. Zur Pathologie der bürgerlichen Gesellschaft. — Frankfurt a. M. 1965.Google Scholar
  40. 6.
    Vgl. Julius Moses: Die Lösung der Judenfrage. Eine Rundfrage. — Berlin, Leipzig: Modernes Verlagsbureau Curt Wigand 1907.Google Scholar
  41. 7.
    Albert Ehrenstein: Ansichten eines Exterritorialen. In: Die Fackel 13. Jg. (1911), Nr. 323, S. 1–8, Zitat S. 4.Google Scholar
  42. 8.
    Vgl. Börries von Münchhausen: Die neue Dichtung. In: Deutscher Almanach auf das Jahr 1934. Leipzig: Reclam-Verlag 1933, S. 28–34; wiederabgedr. in: Paul Raabe (Hrsg.): Expressionismus. Der Kampf um eine literarische Bewegung, S. 229–234.Google Scholar
  43. 9.
    Vgl. Gottfried Benn: Bekenntnis zum Expressionismus. In: Deutsche Zukunft, 5.11.1933; u.d. T.: Expressionismus. In: G. B.: Gesammelte Werke in acht Bänden. Hrsg. von Dieter Wellershoff. Bd. 3: Essays und Aufsätze. — Wiesbaden 1968, S. 802–81 8.Google Scholar
  44. 10.
    Das Schlagwort »entartete Kunst« diente zur Diffamierung der expressionistischen, dadaistischen und surrealistischen Kunst als »undeutsch«, »zersetzend«, »kulturbolschewistisch«. Ursprünglich sprach Max Nordau (d.i. M.Simon Südfeld) von der »Kunst der Entarteten« Nietzsche, Zola, Baudelaire, Wagner u.a. (Entartung. 2 Bde. — Berlin: C. Duncker 1892/93). Rassenideologisch aufgegriffen und propagiert wurde die kulturreaktionäre Kategorie von Alfred Rosenbergs »Kampfbund für die deutsche Kultur«. Am 31.5.1939 verbrannten Nationalsozialisten im Zeichen dieser Kampagne fast 5 000 Werke der bildenden Kunst. Vgl. Hildegard Brenner: Die Kunstpolitik des Nationalsozialismus. — Hamburg 1963.Google Scholar
  45. 11.
    Vgl. etwa Adolf Bartels: Kritiker und Kritikaster. Pro domo et pro arte. Mit einem Anhange: Das Judentuminder deutschen Literatur. — Leipzig: Avenarius 1903.Google Scholar
  46. 12.
    Jakob Overmanns: Die deutsche Literatur und die Juden. In: Stimmen aus Maria-Laach. Katholische Blätternd. 81 (1911), S. 535–543.Google Scholar
  47. 14.
    Gerd Ueding (Hrsg.): Materialienzu Hans Mayer »Außenseiter«. Frankfurt a. M. 1978, S. 50.Google Scholar
  48. 15.
    Vgl. Jakob Wassermann: Mein Weg als Deutscher und Jude. — Berlin: S. Fischer 1921.Google Scholar
  49. 16.
    Jakob Wassermann: Der Jude als Orientale (Ein Brief aus dem Sammelbuch »Vom Judentum«). In: Das bunte Buch. Leipzig: Kurt Wolff 1914, S. 131 – 135, Zitat S. 131 f. Vgl. auch Der Uterat oder Mythos und Persönlichkeit. Leipzig: Insel Verlag 1910.Google Scholar
  50. 17.
    Vgl. dazu Edgar Roij Wiehn: Intellektuelle in Politik und Gesellschaft. Stuttgart 1971.Google Scholar
  51. 18.
    Vgl. Ludwig Geiger: Die deutschen Juden und der Krieg. Berlin o. J. 1915: C.A. Schwctschke & Sohn (Kriegspolitische Einzelschriften, Bd. 3).Google Scholar
  52. 20.
    Heinrich Berl: Der Jude als Revolutionär. In: Der Revolutionär 1. Jg. (1919), H. 5, 26. März, S. 10–16, Zitat S. 10.Google Scholar
  53. 24.
    Max Brod: Der jüdische Künstler. In: Die neue Rundschau 31. Jg. (1920), Bd. 2, S. 1216–1218, Zitat S. 1216. Vgl. außerdem M. B. Heidentum, Christentum, Judentum. Ein Bekenntnisbuch. 2 Bde. -München: Kurt Wolff 1921.Google Scholar
  54. als 29. Band der von Kasimir Edschmid herausgegebenen Reihe Tribüne der Kunst und Zeit. Der Essay trägt die Widmung »Dem Andenken Gustav Landauers München, im Frühjahr 1921«. Bis auf die breiter ausgeführten Interpretationen zur expressionistischen Lyrik jüdischer Autoren ist dieser Essay nahezu identisch mit der Fassung Das neue Dichtertum des Juden, der als Beitrag in einem im Sommer 1922 erschienenen Sammmelbuch abgedruckt wurde: Gustav Krojanker (Hrsg.): Juden in der deutschen Literatur. Essays über zeitgenössische Schriftsteller. Berlin: Welt-Verlag 1922, S. 333–359.Google Scholar
  55. 1.
    Gemeint ist die »Legende vom Großinquisitor« aus Fedor M. Dostojevskijs Werk Brat’ja Karamazovy. Petersburg 1879/80 (Dt.: Die Brüder Karamasow. Leipzig 1884, 4 Bde.).Google Scholar
  56. 2.
    Gustav Landauer wurde am 1. Mai 1919 durch die Freikorps-Soldateska brutal ermordet. Voneinander abweichende Augenzeugenberichte und offizielle Zeitungsdarstellungen sind nachzusehen bei Ulrich Linse: Gustav Landauer und die Revolutionszeit 1918/19. Politische Reden, Schriften, Erlasse und Briefe Landauers aus der November-Revolution 1918/19. — Berlin 1974, S. 253–260.Google Scholar
  57. 5.
    Zur Abkehr vom Expressionismus als einer betont großstädtischen Intellekt-Literatur vgl. A. Wolfenstein: Bildersturm. Ein Nachwort. In: Die Erhebung. Jahrbuch für neue Dichtung und Wertung. Zweites Buch. — Berlin: S. Fischer 1920, S. 379 – 385, S. 380ff.Google Scholar
  58. 1.
    Lewin Ludwig Schücking: Literaturgeschichte und Geschmacks geschickte. Ein Versuch einer neuen Problemstellung. In: Germanisch-Romanische Monatsschrift 5. Jg. (1913), S. 561 ff.Google Scholar
  59. Zit. nach: Gunter Reiss (Hrsg.): Materialien zur Ideologiekritik der deutschen Literaturwissenschaft. Bd. 1 : Von Scherer bis zum Ersten Weltkrieg. — Tübingen 1973, S. 99.Google Scholar
  60. 3.
    Hans Peter Thurn: Soziologie der Kultur. — Stuttgart u. a. 1976, S. 53.Google Scholar
  61. 5.
    Helmut Kreuzer: Die Boheme. Beiträge zur Beschreibung einer intellektuellen Subkultur. Stuttgart 1968, S. 34.Google Scholar
  62. 6.
    Vgl. Ludwig Rubiner: Der Dichter greift in die Politik I. In: Die Aktion 2 (1912), Nr. 21, 22. Mai, Sp. 645–652;Google Scholar
  63. Johannes R. Becher: Freiheitslied. In: Revolution 1. Jg. (1913), Nr. 1, S. 2;Google Scholar
  64. Ludwig Meidner: Im Nacken das Sternemeer. Leipzig: Kurt Wolff o. J. (1918), S. 64f.Google Scholar
  65. 7.
    Dokumentarische Quellen: John Höxter: So lebten wir. 25 Jahre Berliner Bohème. Erinnerungen. Berlin: Biko-Verlag 1929;Google Scholar
  66. Wolfgang Goetz: Im »Größenwahn«, bei Pschorr und anderswo… — Berlin: Collignon 1936;Google Scholar
  67. Willy Hellpach: Abende im »Caf’é Größenwahn«. In: W. H.: Wirken und Wirren. Hamburg 1948, Bd. 1, S. 370–381; außerdem das Berlin-Kapitel in: Paul Raabe (Hrsg.): Expressionismus. Aufzeichnungen und Erinnerungen der Zeitgenossen, S. 15–5 8.Google Scholar
  68. 10.
    Vgl. Walter Mehring: Berlin Avantgarde. In: Josef Halperin (Hrsg.): Als das Jahrhundert jung war. Zürich u. Stuttgart 1961, S. 31–40.Google Scholar
  69. 11.
    Frank Thiess: Expressionistische Bauern. In: Wieland 5. Jg. (1919/20), Nr. 9, S. 20–22; zit. nach Paul Pörtner (Hrsg.): Literatur-Revolution 1910–1925, Bd. 2,S. 299.Google Scholar
  70. 12.
    C. F. W. Behl: Begegnungen mit dem Expressionismus. In: Imprimatur N.F. Bd.3 (1961/62), S. 240–243; zit. nach: Paul Raabe (Hrsg.): Expressionismus. Aufzeichnungen und Erinnerungen der Zeitgenossen, S. 295.Google Scholar
  71. 13.
    Ernst Blass: Das alte Café des Westens. In: Die literarische Welt 4. Jg. (1928), Nr. 35, 31. August, S. 3–4; zit. nach: Paul Raabe (Hrsg.): Expressionismus. Aufzeichnungen und Erinnerungen der Zeitgenossen, S. 39.Google Scholar
  72. 14.
    Hans von Hülsen: Vom Ranggefühl des Dichters. In: Die Aktion 1. Jg. (1911), Nr. 43, 11. Dezember, Sp. 1354.Google Scholar
  73. 17.
    So urteilt auch Roy F. Allen: Literary life in German expressionism and the Berlin circles. Göppingen 1974 (Göppinger Arbeiten zur Germanistik, Bd. 129), S. 51ff.Google Scholar
  74. 18.
    René Schickele: Bohème und Berlin. In: Das neue Magazin 73. Jg. (1904), H. 9, 27. August, S. 262–264, Zitat S. 263.Google Scholar
  75. 19.
    Vgl. zu diesem wenig bearbeiteten Untersuchungsbereich Ulrich Linse: Organisierter Anarchismus im Deutschen Kaiserreich von 1871. — Berlin 1969, S. 105.Google Scholar
  76. 20.
    Vgl. z.B. Raoul Hausmann: Der individualistische Anarchist und die Diktatur. In: Die Erde 1. Jg. (1919), H. 9, 1. Mai, S. 276–278, Zitat S. 276.Google Scholar
  77. 21.
    Peter Bürger: Theorie der Avantgarde. — Frankfurt a. M. 1974, S. 44.Google Scholar
  78. 3.
    Eigentlich Fürst Pjotr Aleksejewitsch Kropotkin (1842–1921); die Ausgabe, auf die sich Mühsam bezieht: Fürst Petr Krapotkin: Memoiren eines Revolutionärs. Aut. Übers. von Max Pannwitz. 2 Bde. — Stuttgart: R. Lutz 1900/01 (Memoiren-Bibliothek).Google Scholar
  79. 4.
    E. Mühsam: Ascona. — Locarno: Carlson 1905.Google Scholar
  80. 7.
    Arno Holz und Johannes Schlaf: Die Familie Selicke. Drama. — Berlin: Issleib (1890).Google Scholar
  81. 8.
    Vermutlich Alfred Mombert: Der himmlische Zecher. Ausgewählte Gedichte. — Berlin: Schuster & Loeffler 1909.Google Scholar
  82. 15.
    Lovis Corinth (1858 – 1925), Maler und Graphiker, führendes Mitglied der Berliner Sezession; vgl. dazu Ludwig Bäumer: Lovis Corinths »Aufruf an die Jugend, für die deutsche Kunst«. Eine Entgegnung. In: Die Aktion 4. Jg. (1914), Nr. 7, 21. Februar, Sp. 161 – 163.Google Scholar
  83. 16.
    Hugo von Tschudi (1851 – 1911), Kunsthistoriker, seit 1896 Direktor der Berliner Nationalgalerie. Ab 1909 Direktor der Münchener Alten Pinakothek. Das Sammelbuch Der Blaue Reiter (München: R. Piper & Co. Verlag 1912) von Franz Marc und Wassily Kandinsky war dem Andenken dieses bedeutenden Experten gewidmet.Google Scholar
  84. Vgl. auch Hugo von Tschudi: Gesammelte Schriften zur neueren Kunst. Hrsg. von E. Schwedeler-Meyer. — München: F. Bruckmann 1912.Google Scholar
  85. 2.
    Das Pamphlet L’empire knouto germanique (Dat.: Lyon 29. September 1870) erschien erst am Endedes expressionistischen Jahrzehnts in dt. Übers.: Michael Bakunin: Gesammelte Werke. Hrsg. von Erwin Rohlfs. Bd. 1. — Berlin: Verlag Der Syndikalist 1921, S. 5–72 u. d.]T.: Das knoutogermanische Kaiserreich und die soziale Revolution;Google Scholar
  86. bei der erwähnten Biographie handelt es sich wohl um das englischsprachige Werk von Max Nettlau: The Life of Michail Bakunin. 3 Bde. — London: 1896–1900.Google Scholar
  87. 3.
    Jean Jaurès: Armee française. Die neue Armee. — Jena: Eugen Diederichs 1913.Google Scholar
  88. 5.
    Der Zyklentitel Aus dem bürgerlichen Heldenleben verbindet die genannten Werke Carl Sternheims: Die Hose. Ein bürgerliches Lustspiel in vier Akten. — Berlin und Leipzig: Insel-Verlag 1911; Bürger Schippel. Komödie in fünf Aufzügen. — Leipzig: Insel-Verlag 1913 ; Der Snob. Komödie in drei Auf Zügen. Leipzig: Insel-Verlag 1914; 1913. Schauspiel in drei Aufzügen. — Leipzig und München: Kurt Wolff 1915. Der Zyklentitel steht in der 1. Fassung von Der Snob, La Hulpe, Sommer 1913; Carl Sternheim Nachlaß im Deutschen Literaturarchiv Marbach: Sig. 60.251a.Google Scholar
  89. 7.
    Einen Aufruf mit dem zitiertenTitel verfaßte Kurt Hiller 1914: An die Partei des deutschen Geistes! In: Derneue Merkur 1. Jg. (1914/15), Bd. 2 (Oktober–März), S. 645–653.Google Scholar
  90. 9.
    Hugo Ball und Richard Huelsenbeck waren die Initiatoren dieser Kampagne; unter dem Stichwort »Bühne und Konzertsaal« berichtete die Frankfurter Zeitung 59 (1915) im 2. Morgenblatt v. 2. März 1915, S. 2: »Für die Sache der Freien Volksbühnen in Berlin, die, wie man weiß, unlängst ein eigenes Theater errichtet haben, erläßt jetzt eine Reihe von bekannten Persönlichkeiten, darunter Franz Blei, Lovis Corinth, Prof. Max Dessoir, Maximilian Harden, Julius Hart, Wolfgang Heine, Arthur Kampf, Max Liebermann, Paul Schienther usw. einen Aufruf. Das Institut ist nämlich durch den Krieg in seinem Weiterbestande gefährdet. Eine Sympathiekundgebung für die bedrohte Volksbühne am Bü-lowplatz soll nun in die Wege geleitet und ein Komitee gebildet werden, das in Gemeinschaft mit der Verwaltung die Zukunft des Instituts beraten wird. Wer ein Interesse am ungestörten selbständigen Fortbestehen der Volksbühne hat, möge Namen und Adresse den Herren Hugo Ball und Richard Huelsenbeck, Berlin W 15 (Uhlandstraße 31) mitteilen. Die Leitung des Theaters ist, dem ›Berliner Tageblatt‹ zufolge, Max Reinhardt angeboten worden.« In einem Aufsatz hatte sich Ball für eine Restaurierung des ursprünglichen Konzepts von Bruno Wille (1860 – 1928) eingesetzt, der mit seinem am 29. Juli 1890 begründeten Verein »Freie Volksbühne« und dem vom 22. Oktober 1892 stammenden Aufruf für die »Neue Freie Volksbühne« die Schaffung eines dem Proletariat zugänglichen Theaters beabsichtigt hatte (Hugo Ball: Das neue Volkstheater am Bülowplatz. In: Zeit im Bild 13. Jg. (1915), Nr. 8, 21. Februar, S. 183–184). Balls Engagement hatte keinen Erfolg, wie sein Bericht drei Wochen später dokumentiert: »Ein in letzter Stunde von Hugo Ball und Richard Huelsenbeck für die Volksbühne und ihre bedrohte ideelle und geschäftliche Situation erwirkter Aufruf […] wurde von Seiten der Volksbühne abgelehnt und in der Presse verhindert« (Das Theater am Bülowplatz. In: Zeit im Bild 13. Jg. (1915), Nr. 11, 14. März, S. 263–264; Zitat S. 264).Google Scholar
  91. 3.
    Ernst Blass, Mitbegründer des »Neuen Club« und des »Gnu«, der 1912 mit seiner Lyriksammlung Die Straßen komme ich entlang geweht (vgl. Dok. 167) debütierte, siedelte im Frühjahr 1913 nach Heidelberg über; dabei verschärfte sich der Bruch mit den Berliner Frühexpressionisten, die Blass’ Wendung zur formenstrengen klassizistischen Lyrik verulkten (Alfred Wolfenstein: Ernst Frauenlob. In: Die Aktion 3. Jg. (1913), Nr. 24, 11. Juni, Sp. 598–600Google Scholar
  92. u. Alfred Lichtenstein: Etwa an einen blassen Neuklassiker. In: Die Aktion 4. Jg. (1914), Nr. 29, 18. Juli, Sp. 628). Blass’ Wendung zum George-Kreis war schon früh angelegt, bevor er in seiner Schrift Über den Stil Stefan Georges. Dialogische Abhandlung (Heidelberg: 1920) die Prämissen seiner ästhetischen und ideologischen Konversion durchblikkenließ.Google Scholar
  93. 4.
    Schon der »Zweite Autoren-Abend« der Aktion am 15. Dezember 1911 im Harmoniumsaal war den Pragern vorbehalten; Max Brod trug aus eigenen Texten und denen Franz Werfeis vor (vgl. Anselm Ruest d. i. Ernst Samuel: Der Max Brod-Abend. In: Die Aktion 1. Jg. (1911), Nr. 45, 25. Dezember, Sp. 1425–1426).Google Scholar
  94. Zur literarisch-kulturellen Achse Prag-Berlin vgl. bes. Max Brod: Der Prager Kreis. Stuttgart u.a. 1966.Google Scholar
  95. 5.
    Max Brod: Schloß Nornepygge. Der Roman des Indifferenten. Berlin, Stuttgart, Leipzig: Axel Jun-ker [1908].Google Scholar
  96. 9.
    Leo Matthias: Der jüngste Tag. Ein groteskes Spiel. Leipzig: Kurt Wolff 1914 (Der jüngste Tag, Bd. 15).Google Scholar
  97. 10.
    Wortlaut der drittletzten Zeile aus dem Gedicht »Lächeln Atmen Schreiten«. Vgl. Franz Werfel: Einander. Oden, Lieder, Gestalten. Leipzig: Kurt Wolff 1915, S. 7 – 8, Zitat S. 8.Google Scholar
  98. 12.
    Leonhard Frank: Der Mensch ist gut. Zürich: Rascher 1918 (Europäische Bibliothek).Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1982

Authors and Affiliations

  • Thomas Anz
  • Michael Stark

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