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Medienpoesie pp 154-212 | Cite as

Metapher und Material: Konkrete Poesie

  • Klaus Schenk

Zusammenfassung

Die Trennung zwischen Lyrik und experimentellen Formen von Poesie gehört noch immer zu den Grundannahmen der meisten Arbeiten zur modernen Lyrik. Obwohl längst Strukturzusammenhänge zwischen lyrischen Schreibweisen und den Experimenten der Avantgarde aufgezeigt werden konnten, richten sich die Vorbehalte bei der Bestimmung der Gattungsgrenzen vor allem gegen die Konkrete Poesie. So glaubte schon Hugo Friedrich, die Experimente der Konkreten Poesie in seiner Arbeit Die Struktur der modernen Lyrik als „maschinell ausgeworfenen Wörter- und Silbenschutt“1 vernachlässigen zu können. Zwar wird stets auf die Traditionslinie Mallarmé, Apollinaire, Futurismus und Dadaismus als Phase I der poetischen Avantgarde hingewiesen. In das theoretische Verständnis von Lyrik gehen diese Innovationen aber nur bedingt ein. Auch dort, wo die durch experimentelle Gedichtformen hervorgerufenen Umbrüche im Spektrum von Lyrik wahrgenommen werden, verschiebt sich die Toleranzgrenze lediglich bei der theoretischen Abgrenzung der Gattung. In der Bewertung der Konkreten Poesie spiegelt sich, wie Demetz bemerkt, ein grundsätzliches Problem:

„Die Literaturgeschichte handelt lieber von der Historie jener Gedichte, in welchen sich graphische Kontur, Klang und Bedeutung in glücklichen Bündnissen zusammenfinden, als uns die Annalen der radikalen Störungs- und Emanzipationsprozesse innerhalb der Gedichtstruktur zu liefern.“2

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Literatur

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  • Klaus Schenk

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