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Einleitung

  • Klaus Schenk

Zusammenfassung

Zu keiner Zeit hat die Frage nach den Grenzen der Gattungen die theoretische Reflexion auf Literatur so beschäftigt wie in der Moderne. Anscheinend hat die literarische Praxis Grundannahmen der Gattungszuschreibung derart verunsichert, daß die Funktion von Gattungsbegriffen selbst zweifelhaft wurde. Besonders im Bereich moderner Lyrik erwies sich diese Fragestellung als äußerst prekär. Die vorne abgebildete Graphik von Man Ray veranschaulicht in Kürze eine Problematik, die mit der Verunsicherung über die Gattungsgrenzen von Lyrik einherging: die Frage nach dem Verhältnis von Lautgestalt und Schriftbild in poetischen Texten. Offensichtlich handelt es sich bei der Graphik nicht mehr um ein Gedicht oder gar, wie der Titel angibt, um ein Lautgedicht (chant bruyant, vgl. Massin, 1970, S. 231). Lediglich der unlesbare Schatten eines Textes wird präsentiert. Dennoch ruft die Graphik einen visuellen Eindruck hervor, der mit der Schreibweise poetischer Texte eng verbunden ist: die räumliche Anordnung in Verse und Strophen. Zur Geschichte der Gattung Lyrik gehört, daß sie mit einer bestimmten graphischen Erscheinungsweise identifiziert wird. In diesem Sinn visualisiert die Graphik von Man Ray die Silhouette eines Gedichts mit unregelmäßigen Zeilenlängen, sogenannte freie Verse. Was der Graphik auf provokante Art und Weise allerdings völlig fehlt, ist die Möglichkeit zu einer Konstitution von Bedeutung, das heißt jeglicher Zusammenhang von Schriftbild, Lautgestalt und Sinn.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 2000

Authors and Affiliations

  • Klaus Schenk

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