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Amsterdam, 11. Oktober 1934: Einiges zur Uraufführung von Weills Sinfonie Nr.2

  • Jürgen Schebera
Chapter

Zusammenfassung

Wirkungsgeschichte eines Werkes ist immer zugleich Zeitgeschichte, ein spannender Exkurs also, zumal wenn er, wie in unserem Fall, in »finstere Zeiten« (Brecht) führt, in das zweite Jahr der Naziherrschaft, da eine große Zahl führender deutscher Künstler der Weimarer Republik ihr Vaterland bereits hatten verlassen müssen und nun in verschiedenen Ländern Europas lebten und arbeiteten. Kurt Weill war am 21. März 1933 von Berlin nach Paris geflohen, dem »Tag von Potsdam«, da der greise Hindenburg vor der dortigen Garnisonskirche unter großem Pomp Hitler nun auch offiziell die Insignien der Macht übergab. In Weills Koffer befanden sich erste Skizzen zu einer sinfonischen Arbeit, mit der ihn — nach dem überwältigenden Erfolg eines Pariser Weill-Abends am 11. Dezember 19321 — die französische Mäzenatin Princess Edmond de Polignac beauftragt hatte. Diese war als Winaretta Singer in den USA zur Welt gekommen und hatte als Erbin des Nähmaschinengiganten Singer einen französischen Prinzen geheiratet. Kunstsinn besaß sie nicht weniger viel wie Geld — sie hatte bereits Kompositionsaufträge an so bekannte Musiker wie Manuel de Falla, Maurice Ravel, Erik Satie und Igor Strawinsky erteilt.2 Für Weill bedeutete der Auftrag sowohl eine Ehre als auch dringend benötigte Mittel für die Gestaltung eines neuen Lebens in Paris, denn um seine finanzielle Situation stand es nicht zum besten.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1996

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  • Jürgen Schebera

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