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»Junge Klassizität« zwischen Fortschritt und Reaktion Ferruccio Busoni, Philipp Jarnach und die deutsche Weill-Rezeption

  • Tamara Levitz
Chapter

Zusammenfassung

Die Frage nach Kurt Weills Verhältnis zur musikalischen Moderne hat in den letzten fünfzehn Jahren eine zentrale Steilung innerhalb der Diskussion um sein Werk und seine Wirkung eingenommen. Heftig entzündete sich die Debatte anläßlich des Artikels über Kurt Weill von David Drew im New Grove Dictionary of Music and Musicians. Hier stellte Drew die These auf, durch die Emigration nach Amerika sei Kurt Weill zu einem kreativen Selbstmord gezwungen worden, bei dem er seine ironisch distanzierte Modernität ausgetilgt und sich in einen populären Broadway-Stil geflüchtet habe: »[In America,] Weil attempted to subordinate all aesthetic criteria to purely pragmatic and populist ones […] He is perhaps the only [artist] to have done away with his old creative self in order to make way for a new one.«1 Drew zufolge müssen wir deshalb von zwei Weills sprechen, einem deutschen — wahren — und einem amerikanischen, der sich kompromittiert und verkauft hat. Diese These ist seither Schritt für Schritt demontiert und zum Teil sogar von Drew selbst widerrufen worden. Vor allem Kim H. Kowalke versuchte dem in Drews These implizit enthaltenen abfälligen Werturteil über Weills Broadway-Werke dadurch zu begegnen, daß er die Kontinuität zwischen den beiden Schaffensperioden sowie die Konstanz seines ästhetischen Denkens aufzeigte.2

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Notizen

  1. 1.
    David Drew: Kurt Weill, in: The New Grove Dictionary of Music and Musicians, hg. von Stanley Sadie, London 1980, Bd. 20, S. 307.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. insbesondere Kim H. Kowalke: Kurt Weill, Modernism, and Popular Culture. Öffentlichkeit als Stil,in: Modernism/Modernitv 2 (1995). H. 1. S. 27–69.Google Scholar
  3. 3.
    Stephen Hinton: Fragwürdiges in der deutschen Weill-Rezeption,in: A Stranger Here Myself. Kurt Weill Studien,hg. von Kim H. Kowalke und Horst Edler. Hildesheim 1993. S. 23–33.Google Scholar
  4. 6.
    Richard Taruskin: Revising Revision,in: Journal of the American Musicological Society 46 (1993), S. 114–137.CrossRefGoogle Scholar
  5. 10.
    Vgl. Wladimir Vogel: Die Bekehrte, unveröffentlichtes Manuskript im Privatbesitz Idmarie Vogels. Siehe auch Tamara Levitz: Teaching New Classicality. Ferruccio Busoni’s Master Class in Composition, Bern 1996, S. 185–196.Google Scholar
  6. 35.
    Kurt Weill: Stunde der Lebenden (1925) in: Kurt Weill: Musik und Theater. Gesammelte Schriften,hg. von Stephen Hinton und Jürgen Schebera, Berlin 1990, S. 205.Google Scholar
  7. 42.
    Philipp Jarnach: La musica contemporanea in Germania e in Austria, in: L’Esame 1 (April 1924), S. 71.Google Scholar
  8. 45.
    Philipp Jarnach: Das Romanische in der Musik, in: Melos 4 (1924), S. 195.Google Scholar
  9. 46.
    Philipp Jarnach: Die Musik und die Oper, in: Berliner Börsen-Courier, 5. Januar 1926.Google Scholar
  10. 85.
    Kurt Weill: Verschiebungen in der musikalischen Produktion (1927), in: Gesammelte Schriften, S. 45–48.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1996

Authors and Affiliations

  • Tamara Levitz

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