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Reise und Kultur. Gustav René Hockes Das verschwundene Gesicht Ein Abenteuer in Unteritalien

  • Johannes Graf
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Zusammenfassung

Gustav René Hocke2, auf den im folgenden noch genauer eingegangen wird, gab 1937 einem Essay über die Bedeutung des Reiseberichts in der damaligen Zeit den programmatischen Namen Reise und Kultur3. Gleich im ersten Abschnitt des Artikels vertritt er die Ansicht, daß die Geschichte der großen Weltkulturen nicht von der Geschichte der Reisen zu trennen sei. Die Reisen von Marco Polo oder Kolumbus hätten das Weltbild mindestens ebenso nachhaltig verändert wie die Euklidischen Gesetze, die Erfindung des Mikroskops oder die Wellentheorie. Hinter dieser Einleitung stand die Hoffnung, daß auch in der als Krise erfahrenen Zeit der dreißiger Jahre die Berichte über Reisen eine neue Orientierung geben könnten. Den Grund für die von ihm beobachtete Konjunktur der Reisebeschreibungen4 sieht er nicht vordringlich in der Reisebeschränkungen begründet, durch die es vielen unmöglich geworden sei, fremde Länder selbst zu bereisen. Er führt das starke Interesse des zeitgenössischen Publikums auf dessen Hoffnung zurück, die regionalen politischen Probleme und weltweiten Verwicklungen durch die bessere Kenntnis anderer Länder bewältigen zu können.5 Deshalb sei die Reisebeschreibung nun wieder »in den Mittelpunkt der Buchproduktion«6 gerückt.

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Notizen

  1. Arnold Hauser: Der Manierismus. Die Krise der Renaissance und der Ursprung der modernen Kunst. München 1964]. Die Bekanntheit und vielleicht auch die Bedeutung des zweibändigen Werkes drückt sich bereits darin aus, daß es in »Kindlers Neues Literaturlexikon« aufgenommen worden ist [Curt Grützmacher: Gustav René Hocke: Die Welt als Labyrinth. In: Kindlers Neues Literaturlexikon. Hg. v. Walter Jens. Bd. 7: Gs-Ho. München 1990, S. 915f. Dort auch weitere Literaturangaben zur Rezeptionsgeschichte der »Manierismus«-Bücher]. Während Gustav René Hockes Bücher zur Kunst- und Literaturgeschichte als grundlegende Forschungsarbeiten anerkannt sind, wurden erst in neuerer Zeit einige wenige Studien über sein umfangreiches publizistisches Werk und über sein erzählerisches Schaffen veröffentlicht. Klaus Dieter Oelze hat sich im Rahmen seiner Arbeit über »Das Feuilleton der Kölnischen Zeitung im Dritten Reich« [a. a. O., bes. S. 163–170] vor allem mit der Tätigkeit Gustav René Hockes als Feuilletonredakteur für die Kölnische Zeitung beschäftigt. In einem Sammelband anläßlich einer Ausstellung über Gustav René Hocke in dessen Heimatstadt Viersen [Hommage à Gustav René Hocke. Die Welt als Labyrinth. Viersen 1989 (Viersen. Beiträge zu einer Stadt, Bd. 16)] finden sich neben zahlreichen kurzen Erinnerungen an Gustav René Hocke u. a. von Adolf Frisé, Luise Rinser, Dorothée und Stefan Andres, Curt Vinz, Heinrich Maria Ledig-Rowohlt und Michael Ende auch zwei Studien zu Hockes erzählerischem Werk. Während Volker Wehdeking, der sich bereits im Rahmen seiner Arbeiten zur Entstehung der deutschen Nachkriegsliteratur mit Gustav René Hocke auseinandergesetzt hat [Volker Wehdeking: Der Nullpunkt, a. a. 0. Vgl. auch: Ders.: Nachkriegsmünchen als Tor zum freieren Süden. Alfred Andersch und Gustav René Hocke als Kulturkritiker und Erzähler. In: Trümmerzeit in München. Kultur und Gesellschaft einer deutschen Großstadt im Aufbruch 1945–49. Hg. v. Friedrich Prinz. München 1984, S. 220ff.] den Schwerpunkt seiner Darstellung auf Gustav René Hockes Roman »Der tanzende Gott« von 1948 gelegt hat [Ders.: Leviathan und apollinische Aufklärung. Hocke als Journalist und Erzähler. In: Hommage à Gustav René Hocke, a. a. O., S. 39–47. Erweiterte Fassung in: Ders.: Die Welt als Labyrinth: Gustav René Hockes Erzählwerk. In: NLZ (1988), Sonderheft 1. 2. Überarb. Aufl. o. J. [1992], S. 79–84], entwickelt Rein A. Zondergeld [Ders.: Die Zeit der Mythen. Gustav René Hocke als Erzähler. In: Hommage à Gustav René Hocke, a. a. O., S. 53–62] einen Überblick über Gustav René Hockes erzählerisches Werk anhand eines Vergleichs der beiden Fassungen des Italienreiseromans »Das verschwundene Gesicht« von 1939 und 1960.Google Scholar
  2. 7.
    Vgl. dazu: Hans-Joachim Lieber: Kulturkritik und Lebensphilosophie. Studien zur Deutschen Philosophie der Jahrhundertwende. Darmstadt 1974.Google Scholar
  3. 8.
    Kurt Sontheimer: Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik. Die politischen Ideen des deutschen Nationalismus zwischen 1918 und 1933. München 1962.Google Scholar
  4. 9.
    Armin Mohler: Die konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. Grundriß ihrer Weltanschauungen. Stuttgart 1950. — Stefan Breuer: Anatomie der Konservativen Revolution. Darmstadt 1993.Google Scholar
  5. 12.
    Gustav René Hocke: Werden des Gesetzes II: 1933–1937. Deutsches Literaturarchiv Marbach, A: Hocke, 87.3.240. Titel und Datumsangabe stammen von Gustav René Hocke. In Wahrheit enthält das Tagebuch jedoch den Zeitraum von 1933 bis 1939.Google Scholar
  6. 13.
    Gustav René Hocke: Lukrez in Frankreich. Univ. Diss. Köln 1934.Google Scholar
  7. 16.
    Zur Stellung der Reichszeitungen innerhalb der Presselandschaft vgl.: Kurt Koszyk: Deutsche Presse. Bd. 3. Berlin 1972, S. 372. Ab 1940 kam zu diesem Kreis noch die von Joseph Goebbels gegründete Wochenzeitung »Das Reich« hinzu.Google Scholar
  8. 21.
    Gustav René Hocke: Was ist der Mensch? Ein Abenteuer des Protoplasmas. In: Der Bücherwurm 24 (1938/39), S. 222–230.Google Scholar
  9. 22.
    Gustav René Hocke: Stirbt die Philosophie aus? In: Der Bücherwurm 23 (1937/38), S. 204–210, hier S. 206.Google Scholar
  10. 25.
    Gustav René Hocke: Geistfeindschaft als Dekadenz. Zur Kritik der Lebensphilosophie. In: Kölnische Zeitung 83 (28. Febr. 1937).Google Scholar
  11. 26.
    Max Bense: Anti-Klages oder Von der Würde des Menschen. Berlin 1937.Google Scholar
  12. 37.
    Gustav René Hocke: Römisches Tagebuch. In: Kölnische Zeitung 199 (20. Apr. 1941).Google Scholar
  13. 44.
    Hocke hat einen eigenes Privatarchiv über die Ausgrabungen in Sybaris angelegt. Er stand in regelmäßigem Kontakt mit einem Bauer aus der Umgebung, Ermanno Candido, [vgl. dazu: Gustav René Hocke: »Sybaris«. Notizen und Materialien zu den Ausgrabungen. Mit Photos. DLA. A: Hocke: 87.3.195]. Diese Beschäftigung schlägt sich auch in Zeitungsartikeln nieder. In der Aufstellung der von ihm abgesandten Artikel sind für den 30.08.1950, den 04. und 06.08.1963 und 24.10.1968 Zeitungsartikel über Sybaris vermerkt [vgl. dazu: Gustav René Hocke: Konvolut 5 Verzeichnisse der von ihm abgesandten und veröffentlichten Zeitungsartikel 1949–1976. Deutsches Literaturarchiv Marbach, A: Hocke: 87.3.209].Google Scholar
  14. 46.
    Gustav René Hocke: Großgriechische Skizzen. Eine Reise ins fernste Italien. In: Kölnische Zeitung 66 (5. Febr. 1939). — Ders.: Die Kunst der »Magna Graecia«. Großgriechische Skizzen/ Das neue und das alte Tarent. In: Kölnische Zeitung 79 (12. Febr. 1939). — Ders.: Metapont, Sybaris, Crotone. Großgriechische Skizzen/ An der südkalabri-schen Küste. In: Kölnische Zeitung 92 (19. Febr. 1939). — Ders.: In den Sumpf gebieten des Crati. Großgriechische Skizzen/ Die Ausgrabungen von Thurium. In: Kölnische Zeitung 104 (26. Febr. 1939). — Ders.: Die Perle im Absatz. Großgriechische Skizzen/ Gallipoli und Otranto. In: Kölnische Zeitung 117 (5. Mrz. 1939). — Ders.: Capriccio in Lecce. Großgriechische Skizzen. Zauber der Provinz. In: Kölnische Zeitung 130 (12. Mrz. 1939). Ders.: Die Königin Apuliens. Großgriechische Skizzen — Bari, die Pforte zum Orient. In: Kölnische Zeitung 143 (19. Mrz. 1939).Google Scholar
  15. 52.
    Gustav René Hocke: [Tagebucheintragung] Mai 1939. In: Ders.: Werden des Gesetzes II, a. a. O., o. S.Google Scholar
  16. 68.
    Ferdinand Gregorovius: Wanderjahre in Italien. Mit siebenundzwanzig zeitgenössischen Illustrationen. Einführung von Hanno-Walter Kraft, 2. Aufl. München 1968. Dort finden sich u. a. Kapitel über Lucera, Manfredonia, Andria, Cas tel del Monte, Lecce und Tarent.Google Scholar
  17. 70.
    Henry Benrath: Welt in Bläue. Tessin. Gefilde. Apulien. Stuttgart, Berlin 1938. Hocke schreibt zum Einfluß von Henry Benrath auf sein Schaffen: »Seine drei ›Kaiserinnen-Bücher‹ enthielten die damals wohl stärkste Infrage-Stellung der neuen ›nordischen‹ Liturgie Rosenbergs. Er wies immer wieder auf ein viel tieferes Schicksal aller Deutschen hin, auf das Mittelmeer.« [Ders.: Im Schatten des Leviathan, Kap. VI , a. a. O., S. 19]. Leider haben sich lt. schriftl. Auskunft des Henry-Benrath-Archivs in Friedberg/Ts. keine Briefe von Gustav René Hocke an Henry Benrath aus der Veröffentlichungszeit von »Das verschwundene Gesicht« erhalten [Vgl: Bibliothekszentrum Klosterbau Friedberg/Ts., Henry-Benrath-Archiv, 412 Hocke, G. R.].Google Scholar
  18. 71.
    Mechthild Babinger: Das staufische Palastkastell Lucera. In: Kölnische Zeitung 242 (15. Mai 1939).Google Scholar
  19. 80.
    Die Tendenz der Auslegung des Grafen C. wird besonders deutlich, wenn man sie mit neueren Gesamtdarstellungen oder Biographien zu Pythagoras vergleicht. Vgl. etwa Peter Habermehl: Pythagoras. In: Metzler-Philosophen-Lexikon, Hg. v. Bernd Lutz. Stuttgart 1989, S. 644–646.Google Scholar
  20. 94.
    Graf C. meint: Hermann Diels (Hg.): Die Fragmente der Vorsokratiker. Griechisch und deutsch. [Zuerst:] Berlin 1903.Google Scholar
  21. 176.
    Vgl. etwa die Rezension: Gustav René Hocke: Spenglers Vermächtnis. In: Kölnische Zeitung 526 (17.0kt. 1937).Google Scholar
  22. 218.
    Vgl. dazu: Gunter E. Grimm: Einführung: Die Italiensehnsucht der Deutschen. In: »Ein Gefühl von freierem Leben«, a. a. O., S. 1–16, hier bes. S. 8–11. Eine solche typologisierende Geschichtsbetrachtung, wie sie sich bereits im 18. und 19. Jahrhundert aufweisen läßt, war spätestens mit dem Erscheinen von Wilhelm Waetzoldts grundlegender Arbeit »Das klassische Land. Wandlungen der Italiensehnsucht« von 1927 [a. a. 0.] zum Allgemeingut geworden.Google Scholar
  23. 240.
    Volker Wehdeking: Der Nullpunkt. Über die Konstituierung der deutschen Nachkriegsliteratur (1945–1948) in den amerikanischen Kriegsgefangenenlagern. Stuttgart 1971.Google Scholar
  24. 241.
    Gustav René Hocke: Deutsche Kalligraphie oder: Glanz und Elend der modernen Literatur. In: Der Ruf. Unabhängige Blätter der jungen Generation. Nr. 17 (15. Nov. 1946). Hier zitiert nach: Der Ruf. Eine deutsche Nachkriegszeitschrift. Hg. v. Hans Schwab-Felisch. Mit einem Geleitwort von Hans Werner Richter. München 1962, S. 203–208.Google Scholar
  25. 252.
    Gustav René Hocke: Magna Graecia. Wanderungen in Unteritalien, a. a. 0. Gustav René Hocke hatte in einem Brief an den Karl Rauch Verlag vom 27. Mai 1957 Peutsches Literaturarchiv Marbach, A: Hocke 87.3.634] seine Rechte zurückgefordert und dann auch erhalten.Google Scholar

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  • Johannes Graf

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