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»Führung im Fremdenverkehr.« Reisen und Reiseliteratur unter dem Nationalsozialismus

  • Johannes Graf
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Zusammenfassung

Mit diesen Worten begrüßt D. Stuart in der liberal-konservativen Kölnischen Zeitung die Gründung der obersten staatlichen Fremdenverkehrsbehörde, den Reichsausschuß für Fremdenverkehr als Dienststelle des Propagandaministeriums. Nun werde — so der Titel seines Kommentars -Führung im Fremdenverkehr praktiziert. Stuart hofft, daß durch die zentrale Leitung die »Mängel in Werbung und Organisation«3 im deutschen Fremdenverkehr beseitigt würden. Das Eingreifen des Staates könne sich auch positiv auf die allgemeine Wirtschaftsentwicklung auswirken, da ein solcher Schritt eine sinnvolle Maßnahme zur »Arbeitsbeschaffung und Hebung der Zahlungsbilanz«4 darstelle. Er verweist dabei auf die Erfolge der staatlichen Institutionen in Frankreich und Italien, die zu einer effektiveren Reklame im Ausland und zur sinnvollen Koordination von Maßnahmen zur Förderung des Tourismus im Inland geführt hätten. Stuart sieht die dirigistische Maßnahme des NS-Regimes als direkte Reaktion auf Mißstände im Tourismus, die sich im Hinblick auf die Konkurrenz auf dem internationalen Reisemarkt zu Ungunsten von Deutschlands Wirtschaftskraft ausgewirkt haben. Durch den Eingriff des Staates in den Fremdenverkehr erscheint die Tourismusindustrie, die bis zum ersten Weltkrieg eine untergeordnete Rolle gespielt hatte, zum ersten Mal auch im Bewußtsein der Zeitgenossen als ernstzunehmender Wirtschaftsfaktor.

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Notizen

  1. 1.
    D. Stuart: Führung im Fremdenverkehr. In: Kölnische Zeitung 234 (4. Juni 1933).Google Scholar
  2. 7.
    Timothy Mason: Sozialpolitik im Dritten Reich. Arbeiterklasse und Volksgemeinschaft. Opladen 1977.CrossRefGoogle Scholar
  3. 9.
    Vgl.: Völkischer Beobachter. Norddeutsche Ausgabe 355 (21. Nov. 1935).Google Scholar
  4. 11.
    zu Robert Ley vgl.: Ronald Smelser: Robert Ley: Hitlers Mann an der »Arbeitsfront«. Eine Biographie [d. i.: Hitler’s labourfront leader, dt. v. Karl u. Heidi Nicolai], Paderborn 1989. Leider wirkt diese Biographie durch die stark verknappte Darstellung von Zusammenhängen verfälschend, was gerade in der Darstellung von ›KdF‹ deutlich wird. Smelser erwähnt, daß ›KdF‹ 12 Schiffe »besaß« [Ebd., S. 211]. Dies ist nicht korrekt. Zwar bestand die ›KdF‹-Flotte aus 12 Schiffen, ihr gehörten davon jedoch lediglich zwei. Die anderen waren geliehen.Google Scholar
  5. 12.
    [Robert Ley in einem öffentlichen Brief vom Januar 1935]: Zitiert nach: Karl Schneider: Gesundheit und Kraft durch Sport. In: Volk nach der Arbeit. Hg. v. G. Müller-Gaisberg. Mit einleitenden Worten von Ministerialrat Dressler-Andress. Berlin 1936, S. 127–194, hier: 191f.Google Scholar
  6. 13.
    Zitiert nach: Anonym: Weltkongreß für Freizeit und Erholung. In: Kölnische Zeitung 370 (26. Juli 1936).Google Scholar
  7. 15.
    Otto Marrenbach (Hg.): Fundamente des Sieges. Die Gesamtarbeit der Deutschen Arbeitsfront von 1933 bis 1940. Berlin 1940, S. 355. — Eine Auflistung von 1934 bis 1939 bietet: Hasso Spode: »Der deutsche Arbeiter reist«. Massentourismus im Dritten Reich. In: Sozialgeschichte der Freizeit. Hg. v. Gerhard Huck. Untersuchungen zum Wandel der Alltagskultur in Deutschland. Wuppertal 1980, S. 281–306, hier: S. 294 f. Aus dem Gesamtbericht kann man entnehmen, daß von den rund 9,9 Mio. (1937) bzw. den 10,3 Mio. (1938) Teilnehmern an »KdF-Fahrten« insgesamt nur etwa rund 130 000 bzw. 132 000 an Hochseefahrten teilgenommen haben.Google Scholar
  8. 16.
    Wolfhard Buchholz: Die Nationalsozialistische Gemeinschaft ›Kraft durch Freude‹. Freizeitgestaltung und Arbeiterschaft im Dritten Reich. Diss. phil. München 1976, S. 277.Google Scholar
  9. 21.
    Hasso Spode: Der deutsche Arbeiter reist, a. a. O., S. 284. Spode nimmt dabei Bezug auf einen Aufsatz von H.-A. Winkler [Vom Mythos der Volksgemeinschaft. In: Archiv für Sozialgeschichte 17 (1977), S. 484–490, hier S. 485]. Dieses Mißtrauen leitet auch seine Warnung gegenüber einer kritiklosen Übernahme der Behauptung der NS-Propaganda, die ›KdF‹-Reisen seien von einem »starken, volksgemeinschaftlichen Wir-Gefühl« der Urlauber begleitet worden, wie sie in der Forschung z. T. anzutreffen sei [Vgl. Hasso Spode, Albert Steinecke: Die NS-Gemeinschaft »Kraft durch Freude«, a. a. O., S. 84 u. S. 92 Anm. 22]. Dies gelte jedoch nicht für die Hochseereisen: »Das erwähnte Wir-Gefühl der Urlauber und die Dankbarkeit über dieses ›Geschenk des Führers‹ hatte sich bei den Hochseefahrten zweifellos häufiger eingestellt als bei den Landreisen […]« [Ebd.].Google Scholar
  10. 33.
    Neben dem bereits erwähnten, ersten Band [Herbert Leisegang: Norwegen, a. a. O.] erschienen noch: Berlin. Hg. v. Karl Schulz. Berlin 1937 (Mit KdF in den Urlaub, Bd. 2). -Winterferien. Hg. v. Max Perschmann. Berlin 1937 (Mit KdF in den Urlaub, Bd. 4).Google Scholar
  11. 34.
    Anonym: Das Land der Griechen mit der Seele suchen. In: Die Literatur 41 (1938/39), S. 261.Google Scholar
  12. 35.
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  13. 36.
    Otto Paust (Hg.): KdF. Das große Urlauberschiff. Fahrtenerlebnisse zu Wasser und zu Lande. Berlin, Dresden 1936.Google Scholar
  14. 37.
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  15. 43.
    Vgl. dazu: F. R. Fuhrmann: Reisen der NSG »Kraft durch Freude«. Reichsamt für Reisen, Wandern und Urlaub. In: Das Reisebüro 7 (1934), Nr. 15/16.Google Scholar
  16. 49.
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  17. 50.
    Roman Fröhlich: Das Devisenrecht im Reiseverkehr nach dem Stand von 4. Febr. 1935. In: Kölnische Zeitung 192 (14. April 1935).Google Scholar
  18. 51.
    Zwar bestand ein solches Abkommen auch mit Österreich, doch war durch die Ausreisesteuer von 1000 RM eine Reise bis 1936 praktisch vereitelt worden, was den Fremdenverkehr in Österreich in eine schwere Strukturkrise gestürzt hat. Vgl.: Michael Forcher: Zu Gast im Herzen der Alpen. Eine Bildgeschichte des Tourismus in Tirol. Innsbruck 1989, S. 262.Google Scholar
  19. 52.
    Walther Reinhardt: Schwalb fliegt nach Italien. Die Geschichte einer Frühlingsreise zu zweien. Mit 22 Zeichnungen von Paul Schurich. Berlin 1937, S. 78.Google Scholar
  20. 53.
    August Scholtis: Ein Herr aus Bolatitz. Lebenserinnerungen. München 1959, S. 356 f.Google Scholar
  21. 55.
    G. M.: Billige Ferien. In: Reiseland Italien 2 (1934), Nr. 8, S. 1–3.Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1995

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  • Johannes Graf

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