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Unterwegs in einer fremdgewordenen Welt. Zur Konjunktur des Reisemotivs im Umkreis der ›jungen Generation‹ am Ende der Weimarer Republik

  • Johannes Graf
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Zusammenfassung

Im Nachwort zu der erfolgreichen Anthologie jüngster Lyrik, in der viele junge Autoren 1927 ihre ersten Gedichte veröffentlicht haben, hat der Herausgeber Klaus Mann festzustellen versucht, was die Debutanten von älteren Kollegen unterscheidet. Das verbindende Merkmal erkennt er darin, daß die jungen Schriftsteller alle einer Generation angehören, die zwischen der Jahrhundertwende und dem Ersten Weltkrieg geboren ist. Damit meint er nicht die eher banale Tatsache, daß junge Autoren im allgemeinen in etwa gleich alt sind. Das Geburtsdatum ist für ihn nicht der kleinste gemeinsame Nenner, auf dem er seine Argumentation im Nachwort mangels anderer Übereinstimmungen aufbaut. Seiner Ansicht nach zeichnet die Gruppe junger Autoren als ›junge Generation‹ oder ›Jüngste Generation‹ aus, daß sie nicht wie ihre älteren Kollegen ein gemeinsames politisches oder ästhetisches Programm haben. Die Schriftsteller verbindet eine allgemeine Orientierungslosigkeit und Verwirrtheit:

Glauben wir uns nicht über die Richtung auch noch im unklaren zu sein — verbindend ist auch die Richtungslosigkeit, wir sind eine Generation, und sei es, daß uns nur unsere Verwirrtheit vereine. Ist uns sogar das Ziel noch nicht gemeinsam, das uns erst zur Gemeinschaft weihen könnte, so ist es doch das Suchen nach einem Ziel.1

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Notizen

  1. 1.
    Klaus Mann: Nachwort. In: Anthologie jüngster Lyrik. Hg. v. Klaus Mann u. Willi R. Fehse. Hamburg 1927, S. 159–162, hier S. 160.Google Scholar
  2. 2.
    Ein rein auf chronologischen, genealogischen oder biologischen Faktoren beruhender Generationsbegriff ist nicht nur unpraktikabel, da er sich auf Prämissen stützt, die nur in Ausnahmefällen mit den Entwicklungen in Literatur und Ästhetik parallel laufen, geschweige denn konform gehen, sondern er gerät zudem in Gefahr, sich auch dem Biologismus und damit in letzter Konsequenz der Rassenlehre zu nähern. Eine größere Plausibilität kommt hingegen einem geistesgeschichtlich orientierten Generationsbegriff zu, wie er von Wilhelm Dilthey in die Literaturwissenschaft eingeführt worden ist. Eine Abgrenzung von der älteren Generation wird dabei durch literaturimmanente Zeichen wie der Verwendung neuer Stil- und Ausdrucksmittel oder auch durch externe Faktoren — etwa einer geistesgeschichtlichen Umwälzung — möglich. In noch größerem Maße als bei anderen Periodisierungen stellt sich hierbei jedoch das Problem von Ungleichzeitigkeiten, wenn z. B. eine Epoche mehrere Generationen umfaßt oder einige Autoren einen Stilwechsel vollziehen [Vgl. zu dieser Problematik den Abschnitt: Periodisierung. In: Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte. Hg. v. Werner Kohlschmidt u. Wolfgang Mohr. 2. Aufl. Berlin 1977, S. 74–80, bes. S. 77]. Das Selbstverständnis der jungen Autoren Anfang der dreißiger Jahre hat in der Literaturwissenschaft eine Parallele in der Variation des Generationsbegriffes als »Generationsgruppe« bei Hans Elema gefunden [Hans Elema: Generationsgruppen. In: ZfdPh 97 (1978), S. 99–125, hier S. 99]: »Primär wichtig ist es nämlich, daß die genannten Generationsgruppen bei aller Verschiedenheit, auf dasselbe Zeitgeschehen, dieselbe Situation, reagieren und reagieren müssen, es handelt sich dabei nicht an erster Stelle um die Frage, ob sie gleichzeitig reagieren, sondern um die Tatsache, daß sie gezwungen sind, auf dasselbe Geschehen zu reagieren. Darin besteht ihre tieferliegende Gleichzeitigkeit.« Die Diskussion über den Generationsbegriff in Hans Dieter Schäfers Aufsatz »Die nichtfaschistische Literatur der ›jungen Generation‹ im nationalsozialistischen Deutschland« [a. a. O.], entspringt u. a. der nicht vollzogenen Unterscheidung zwischen dem Selbstverständnis der Autoren als ›junge Generation‹ und einem an Diltheys Generationsvorstellung gewonnenen geistesgeschichtlich orientierten Begriff von Literaturgeschichte, der sich etwa darin äußert, daß Hans Dieter Schäfer innerhalb der Autoren eine gemeinsame Stillage herausarbeiten will.Google Scholar
  3. 3.
    Das ist auch von der Geschichtswissenschaft bestätigt worden. Detlef J. K. Peukert [»Mit uns zieht die neue Zeit…« Jugend zwischen Disziplinierung und Revolte. In: Jahrhundertwende. Der Aufbrach in die Moderne. 1880–1930. Hg. v. August Nitschke u. a. 2 Bde. Reinbek bei Hamburg 1990, hier Bd. 2, S. 276–300] hält die skeptische Haltung der jungen Generation gegenüber der Entwicklungsmöglichkeiten der Weimarer Republik und gegen die von ihren Eltern bereitgestellten Konzepte um 1930 vor allem durch drei Gründe bedingt: 1. Der Richtungsstreit innerhalb der politischen Parteien um eine gemäße Jugendpolitik war mit für die politische Orientierungslosigkeit der Jugend verantwortlich [Ebd., S. 192]. 2. Während der Weimarer Republik wurden die Grenzen der zunächst euphorisch gefeierten Erziehungskonzepte deutlich [Ebd., S. 193]. 3. Durch den Geburtenüberschuß und die schlechte gesamtwirtschaftliche Lage konnten keine Stellen für die Jugendlichen zur Verfügung gestellt werden [Ebd.], so daß Peukert von einer »Generation ohne Arbeit« [Ebd., S. 201] sprechen kann. Vgl. zu diesem Themenkomplex auch die weiteren Forschungen von Detlef J. K. Peukert: Jugend zwischen Krieg und Krise. Lebensweiten von Arbeiterjugend in der Weimarer Republik. Köln 1987. — Ders.: Grenzen der Sozialdisziplinierung. Aufstieg und Krise der deutschen Jugendfürsorge. 1878 bis 1932. Köln 1986. — Ders.: Die Edelweißpiraten. 2. Aufl. Köln 1982.Google Scholar
  4. 5.
    Gustav [René] Hocke: Brief eines Studenten. In: Das Tage-Buch 11 (1930), Nr. 27, S. 1061–1063.Google Scholar
  5. Alfred Döblin nahm diesen Brief zum Anlaß einer Artikelserie, die ein Jahr später unter dem Titel »Wissen und Verändern« [Alfred Döblin: Wissen und verändern! Offene Briefe an einen jungen Menschen. Berlin 1931] auch in Buchform erschienen ist.Google Scholar
  6. Hockes Brief wird hier zitiert nach: Alfred Döblin: Der deutsche Maskenball. Von Linke Poot. Wissen und verändern! Olten und Freiburg im Breisgau 1972 (Ausgewählte Werke in Einzelbänden, Bd. 14), S. 129–131.Google Scholar
  7. 10.
    Vgl. dazu: Peter Gay: Die Revolte des Sohnes: Jahre des Expressionismus. In: Ders.: Die Republik der Außenseiter. Geist und Kultur in der Weimarer Republik: 1918–1933. [d. i.: Weimar Culture. The Outsiders as Insiders, dt. v. Helmut Lindemann]. Mit einer Einleitung von Karl Dieter Bracher. Frankfurt a. M. 1970, S. 138–157.Google Scholar
  8. 11.
    Hans Georg Brenner: Nachtwachen. Die Aufzeichnungen eines jungen Mannes. Berlin 1940, S. 48.Google Scholar
  9. 12.
    Die Schriftleitung: Einleitung zu dieser Nummer. In: Die Literarische Welt 8 (1932), H. 15/16: Doppelnummer: Junge Dichtung.Google Scholar
  10. 13.
    Hans Rebs: Wir sind Einsame im Ewigen. In: Jugend in Front vor dem Leben. Almanach der jungen Generation auf das Jahr 1933. Herausgegeben von Erich Otto Funk. Mit einem Nachwort von Otto Heuschele. Wiesbaden 1933, S. 28f.Google Scholar
  11. 15.
    Gerhard Adler: Junge Generation über sich selbst. In: Die Literarische Welt 8 (1932), Nr. 8/9, S. 9.Google Scholar
  12. 16.
    Egon Vietta: Martin Heidegger und die Situation der Jugend. In: Die Neue Rundschau 1931, Bd. II, S. 501–511.Google Scholar
  13. 17.
    Werner Schickert: Der Jahrgang 1902 und seine Aufgaben. Bemerkungen zu einer zeitpolitischen Schrift. In: Die Literatur 36 (1933/34), 137–139.Google Scholar
  14. Vgl. auch: Joachim Maass: Junge deutsche Literatur. Versuch einer zusammenfassenden Darstellung [Teil 1]. In: Die Tat 24 (1932/33), S. 794–802, hier S. 800: »Eine wirklich zusammenfassende, große ideelle Bewegung, wie sie die vorhergehende Literaturgeneration im Expressionismus besessen hatte, hat es für die Generation der um 1900 geborenen Autoren nicht gegeben.«Google Scholar
  15. 18.
    Karl A. Kutzbach: Vom Schrifttum der jungen Generation. In: Die Neue Literatur 34 (1933), S. 392–398.Google Scholar
  16. 21.
    Hans Erich Nossack: Jahr und Jahrgang 1901. In: Jahr und Jahrgang 1901. Hamburg 1966, S. 50–92, hier S. 62.Google Scholar
  17. 25.
    Auch wenn der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit bei jedem einzelnen unterschiedlich schmerzhaft erfahren wurden, so galt die bloße Gemeinsamkeit dieser Erlebnisse von Krieg, Hunger und Inflation als Begründung einer eigenständigen Generationsgruppe. In einer Rezension von Helmuth Giese anläßlich von Günther Weisenborns Roman »Die Furie« aus der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre wird diese Ansicht besonders deutlich [Helmuth Giese (Rez.): Günther Weisenborn: Die Furie. In: Das Deutsche Wort [Die Literarische Welt. Neue Folge] 14 (1938), S. 119f., hier S. 119]: »Mit Günther Weisenborn steht eine uns aus vielfachen Gründen interessante Gestalt einer jüngeren deutschen Schriftstellergeneration vor uns, einer Generation von Dreißigjährigen, die durch ihre Jugend in einer chaotischen Zeit früh zur Bewußtheit, zum Zweifel kam, die Begabung, Form, Geschmack besitzt, und der nur eines zu ihrer harmonischen Entwicklung fehlte, der größte Wert der Welt, das Wort, welches die Menschheit am meisten ausspricht und am wenigsten hält: Friede. Über ihrer Jugend aber standen drei andre: Krieg, Hunger, Inflation. Es ist eine Generation, die als sie erwachte, die apokalyptischen Reiter sah.«Google Scholar
  18. Vgl. auch: Joachim Maass: Junge deutsche Literatur. Versuch einer zusammenfassenden Darstellung. [Teil 1]. In: Die Tat 24 (1932/33), S. 794–802, hier S. 799f.: »Als junge Literatur betrachte ich das Gesamtwerk der irgendwie wesentlichen deutschen Autoren, die um 1900 geboren sind. […] Die Begrenzung nach oben vollzog sich, wie ich vermute, instinktiv nach dem Lebensgefühl, das sich mit Krieg, Revolution und Inflation als Kindheits- und Pubertätserlebnis bildete: den Älteren war der Krieg das ausschließlich entscheidende Manneserlebnis, sie erlebten ihn ganz und gar, und ihre Auffassung von Leben und Welt wurde durch ihn bestimmt, gegen dieses Erlebnis mußten die nachfolgenden Geschehnisse […] als geringwertig empfunden werden, während sie für die Gefühlsbildung der eben Erwachsenen mindestens gleichwertige, wenn nicht, als bewußtere Erlebnisse, sogar höherwertige Ereignisse darstellten.«Google Scholar
  19. 26.
    Anton Kaes: Einleitung. In: Weimarer Republik. Manifeste und Dokumente zur deutschen Literatur. 1918–1933, a. a. O., S. XIX-LII, hier S. XLV.Google Scholar
  20. Grundlegend zu dieser Fragestellung: Frank Trommler: Verfall Weimars oder Verfall der Kultur? Zum Krisengefühl der Intelligenz um 1930. In: Weimars Ende. Prognosen u. Diagnosen in der deutschen Literatur und politschen Publizistik. 1930–1933. Hg. v. Thomas Koebner. Frankfurt a. M. 1982, S. 34–53, hier S. 36: Das Thema der Kulturkrise »besaß […] für die Intelligenz geradezu existentielle Bedeutung, insofern sie darin ein Erklärungsmodell für ihre ökonomisch und sozial überaus prekäre Situation ausmachen konnte.«Google Scholar
  21. 30.
    Peter Huchel: Europa neunzehnhunderttraurig. In: Die Literarische Welt 7 (1931), Nr. l,S.3f., hier S.3.Google Scholar
  22. 33.
    Brief von Eugen Gottlob Winkler an W. E. [Walter Erben] vom 26.Okt. 1935. In: Eugen Gottlob Winkler: Briefe. 1932–1936. Hg. v. Walter Warnach. Bad Salzig 1949, S. 189–192, hier S. 191.Google Scholar
  23. 37.
    Egon Vietta hatte bereits 1925 seine erste Italienreise unternommen. Innerhalb seiner Tätigkeit als Redakteur für die Zeitschrift der Deutsch-Italienischen Gesellschaft war er ab 1941 in Italien. 1929/30 hat er ferner eine Reise nach Finnland und Lappland unternommen. 1935 hat er Leo Frobenius auf dessen letzter Reise nach Nordafrika begleitet. Zur Biographie von Egon Vietta vgl.: Manfred Ohl: Biographische Übersichtstafel. In: Ders.: Egon Vietta. Seine Denk- und Erfahrungswelt als ontologischer Vorstellung vom Theater im 20. Jahrhundert. Eine Beschreibung des Nachlasses. Diss. masch. Wien 1969, S. 261–273.Google Scholar
  24. 38.
    Vgl.: Ernst Wilhelm Eschmann: Griechisches Tagebuch. Jena 1936.Google Scholar
  25. 40.
    Vgl.: Werner Helwig: Die Ätna-Ballade. Berlin 1934. — Ders.: Raubfischer in Hellas. Roman. Leipzig 1939- Ders.: Im Dickicht des Pelion. Leipzig 1941.Google Scholar
  26. 42.
    Marie Luise Kaschnitz: Liebe beginnt [1933]. Hier zitiert nach: Gesammelte Werke. Herausgegeben von Christian Büttrich und Norbert Miller. Bd. 1: Die frühe Prosa. Frankfurt a. M. 1981, S. 7–180.Google Scholar
  27. 44.
    Wolfgang Koeppen: Eine unglückliche Liebe [1934]. Hier zitiert nach: Gesammelte Werke in sechs Bänden. Herausgegeben von Marcel Reich-Ranicki in Zusammenarbeit mit Dagmar von Briel und Hans-Ulrich Treichel. Bd. 1: Romane I. Frankfurt a. M. 1986, S. 7–158.Google Scholar
  28. 45.
    Vgl. dazu: Alfred Estermann: Wolfgang Koeppen. Eine Bibliographie. In: Wolfgang Koeppen. Herausgegeben von Eckart Oehlenschäger. Frankfurt a. M. 1987, S. 385–470, bes. S. 397–408.Google Scholar
  29. 46.
    Hans Georg Brenner: Fahrt über den See. Berlin 1934.Google Scholar
  30. 48.
    Hans Georg Brenner: Worte an die Alten… In: Die Neue Bücherschau 4 (1926), S. 200. — Ders.: Alfred Döblins Werk und die Zeit. In: Die Neue Bücherschau 5 (1927), S. 20–24. — Ders.: Die Situation der Filmkritik. In: Ebd., S. 189f. — Ders. (Rez.): W. St. Reymont: Die Empörung. In: Ebd., S. 195f. — Ders.: Die Romantiker des Übergangs. Notizen über Ilja Ehrenburg. In: Ebd., S. 274–276. — Ders.: Zwei neue Amerikaner. In: Die Neue Bücherschau 6 (1928), S. 50f. — Der Malik-Verlag. In: Ebd., S. 44f. — Ders.: Der Neger klagt Europa an! In: Ebd., S. 135–138. — Ders.: Der Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger. In: Ebd., S. 140–142. — Ders.: Filmchronik II. Von Chaplin bis Pudowkin. Amerika gestern und heute. In: Ebd., S. 202–205. — Ders.: Gustav Kiepenheuer Verlag. In: Ebd., S. 251f. — »Die Filmkrisis« — und kein Ende. In: Ebd., S. 308–310. — Ders.: Herz auf Taille. In: Ebd., S. 49f. — Ders.: Romanliteratur Herbst 1928. In: Ebd., S. 645–649. — Ders.: Hier wird eine neue Zeitschrift gegründet. In: Die Neue Bücherschau 7 (1929), S. 299f. — Ders.: Die Internationale der Spießer. In: Ebd., S. 456.Google Scholar
  31. 53.
    Zum Bruno Cassirer Verlag vgl.: Heinz Sarkowski: Bruno Cassirer. Ein deutscher Verlag 1898–1938. Mit 12 Abbildungen. In: Imprimatur, ein Jahrbuch für Bücherfreunde. NF. 7 (1972), S. 107–131.Google Scholar
  32. Georg Brühl: Die Cassirers. Streiter für den Impressionismus. Leipzig 1991. Die voluminöse Familiengeschichte von Georg Brühl ist zumindest in den Ausführungen über Bruno Cassirer [Ebd., S. 229–245] durchsetzt von z. T. sinnentstellenden Druckfehlern, so etwa »Wiesalla« statt J. Wiessalla [S. 242], »Hans von Jugo« statt Hans von Hugo Verlag [S. 244], so daß im folgenden lediglich auf Sarkowskis Studie bezug genommen wird.Google Scholar
  33. 56.
    S.[amuel] Fischer: An Bruno Cassirer. In: Vom Beruf des Verlegers. Eine Festschrift zum Sechzigsten Geburtstag von Bruno Cassirer. 12. Dez. 1932. Privatdruck. O. O., o. J., S. 36f., hier, S. 37: »In letzter Zeit gilt ihre verlegerische Arbeit besonders der jungen deutschen Romanliteratur, so daß ich Sie hier nicht nur als Kollegen und Freund, sondern auch als ›gefährlichen Konkurrenten‹ begrüßen muß.«Google Scholar
  34. 57.
    Wolfgang Koeppen: Ein Beginn und schon das Ende. In: Hans Daiber: Wie ich anfing… 24 Autoren sprechen von ihren Anfängen. Düsseldorf 1979, S. 111–121, hier S. 120.Google Scholar
  35. 58.
    Zur autobiographischen Fundierung von »Liebe beginnt« vgl.: Dagmar von Gersdorff: Marie Luise Kaschnitz. Eine Biographie. Frankfurt a. M., Leipzig 1992, S. 69–78.Google Scholar
  36. 62.
    Vgl. dazu: Anita Baus: Standortbestimmung als Prozeß. Eine Untersuchung zur Prosa von Marie Luise Kaschnitz. Bonn 1974 (Abhandlungen zur Kunst-, Musik- und Literaturwissenschaft, Bd. 129), S. 204.Google Scholar
  37. 79.
    Vgl.: Inge Stephan: Liebe als zeitliche Bestimmung? Frauenbild und mythische Strukturen in den beiden frühen Romanen »Liebe beginnt« und »Elissa« von Marie Luise Kaschnitz. In: Marie Luise Kaschnitz. Herausgegeben von Uwe Schweikert. Frankfurt a. M. 1984, S. 119–150, bes. S. 122.Google Scholar
  38. 83.
    Edith Lisa Falkenhof: Marie Luise Kaschnitz’ literarisches Debut: der Roman »Liebe beginnt«. Univ. Diss. Hannover 1987.Google Scholar
  39. 85.
    Zur Publikationsgeschichte vgl. Theodor Eduard Dohle: Marie Luise Kaschnitz im Dritten Reich und in der Nachkriegszeit. Ein Beitrag zu den Publikations- und Wertungsbedingungen der nicht-nationalsozialistischen Autorin. Univ. Diss. München 1989, hier bes. S. 78 Anm. 3.Google Scholar
  40. 91.
    Koeppen: Eine unglückliche Liebe, a. a. O., S. 116. Gizela Nowiaka [Wolfgang Koeppens Roman: Eine unglückliche Liebe. In: Germanica Wratislaviensia H. 45 (1981), S. 101–128] liest Koeppens Roman als Schlüsselroman zur deutschsprachigen Emigration in die Schweiz. Eine solche Interpretation bleibt m. E., auch wenn sie Parallelen aufzeigen kann, nicht bloß an der Oberfläche des Textes stehen, sondern verkennt die starke Stilisierung von Orten, Personen und Handlungen. Erst wenn man den Roman und damit auch das Exil in Zürich nicht wie Gizela Nowiaka als zwar verschlüsselte, doch authentische Beschreibung, sondern wie Dietrich Erlach als Ausdruck der existentiellen Not des Protagonisten sieht, kann man einen Zugang zur Vielschichtigkeit des Textes gewinnen: »Er gibt kein Bild seiner Zeit, sondern ein Bild seiner Existenz; wir erleben nicht den Untergang der Weimarer Republik, sondern Not und Pein eines Aussenseiterdaseins.«Google Scholar
  41. [Dietrich Erlach: Wolfgang Koeppen als zeitkritischer Erzähler. Uppsalla 1973 (Acta Universitatis Upsaliensis. Studia Germanistica Upsaliensia, Bd. 11), S. 30]Google Scholar
  42. 109.
    Zur Bedeutung der Grenze und Reise für Koeppens Gesamtwerk kanonisiert: Reinhard Döhl: Wolfgang Koeppen. In: Deutsche Literatur der Gegenwart. Hg. v. Dietrich Weber. 2 Bde. 3. überarbeitete Auflage Stuttgart 1976 (Kröner Taschen-Ausgabe, Bd. 382/83). Hier: Bd. 1, S. 110–137. Döhl nennt sie »Schlüsselworte, die sich leicht herauslösen und zu einem Modell möglicher Geschichten zusammenfügen lassen. Es sind dies die Worte ›Reisen‹, ›Grenze‹ […] und das pessimistische Resümee: ›es hatte sich nichts geänderte‹« [Ebd., S. 113].Google Scholar
  43. Weitere wichtige Studien zur Bedeutung des Reisens für Wolfgang Koeppen und der Reise in seinen Werken: Manfred Koch: Wolfgang Koeppen. Literatur zwischen Konfrontation und Resignation. Stuttgart u. a. 1978 (Sprache und Literatur, Bd. 88), bes. S. 27–30Google Scholar
  44. Hermann Schlösser: Reiseformen des Geschriebenen. Selbsterfahrung und Weltdarstellung in Reisebüchern Wolfgang Koeppens, Rolf Dieter Brinkmanns und Hubert Fichtes. Wien 1987 (Literatur und Leben. Neue Folge, Bd. 34).Google Scholar
  45. 151.
    Kurt Kersten: Die Angeglichenen. In: Die Sammlung 2 (1935), S. 384–386.Google Scholar
  46. 155.
    Helmut Koopmann: Der klassisch-moderne Roman in Deutschland: Thomas Mann, Alfred Döblin, Hermann Broch. Stuttgart u. a. 1983 (Sprache und Literatur, Bd. 113], S. 146.Google Scholar
  47. 156.
    Manfred Frank: Die unendliche Fahrt. Ein Motiv und sein Text. Frankfurt a. M. 1979.Google Scholar
  48. 161.
    Ludwig Klages: Der Geist als Widersacher der Seele. 3 Bde. Leipzig 1929–32.Google Scholar
  49. 163.
    Max Scheler: Gesammelte Werke. Bd. 10: Schriften aus dem Nachlaß. Bd. 1: Zur Ethik und Erkenntnislehre. Hg. v. Maria Scheler. Bern, München 1957, S. 356: »Der Mensch ist, ehe er ein ens cogitans ist oder ein ens volens, ein ens amans.«Google Scholar
  50. 166.
    Erstmals in: K. Jaspers: Psychologie der Weltanschauungen. Berlin 1919, S. 229–280.CrossRefGoogle Scholar
  51. 174.
    Anonym: Vorwort. In: Heimat. Die deutsche Landschaft in Erzählungen deutscher Dichter. Berlin 1934, S. 5.Google Scholar
  52. 175.
    Helmut Cron: Tragik einer Generation. In: Hilfe Nr. 24 (15.12.1934). Zitiert nach: Das Deutsche Wort [d. i.: Die Literarische Welt. N. F.] 11 (1935), Nr. 1, S. 4L, hier S. 5: »Wir ›gebildeten Dreißiger‹ zählen nicht mehr recht mit. […] Jetzt sind wir für die Jungen plötzlich zu alt. Eine geistig ziemlich unbekümmerte Jugend hat uns überrascht. Eingeklemmt sitzen wir fest zwischen einer arrivierten oder resignierten oder problemlos tätigen Altersschicht, zwischen den entweder ihre Rente in friedlicher Abgeschiedenheit verzehrenden Alten und einer mit mehr Selbstbewußtsein als geistiger Fragelust ausgestatteten Jugend. Wohin wir gehen, schlagen die Türen vor uns zu. Viele von uns sind einsam geworden…«Google Scholar
  53. 176.
    Karl Rauch: Schluß mit junger Generation. Leipzig 1933.Google Scholar
  54. 179.
    Christian Jenssen: Karl Benno von Mechow. In: Kölnische Zeitung. Beilage: Die Literatur 1 (5 .Jan. 1936).Google Scholar
  55. H. W. Keim: Friedrich Griese. In: Kölnische Zeitung. Beilage: Die Literatur 4 (26.Jan.1936).Google Scholar
  56. Oskar Jancke: Josef Weinheber. In: Kölnische Zeitung 85/86 (13. Febr.1936).Google Scholar
  57. Karl Rauch: Paul Alverdes. In: Kölnische Zeitung. Beilage: Die Literatur 10 (8.Mrz.l936).Google Scholar
  58. Christian Jensen: Johannes Linke. In: Kölnische Zeitung 163/64 (29.Mrz.1936).Google Scholar
  59. Hanns Arens: Ulrich Sander. In: Kölnische Zeitung 198/99 (19. Apr. 1936).Google Scholar
  60. H.[einz] Küpper: Josef Magnus Wehner. In: Kölnische Zeitung 237 (10. Mai 1936).Google Scholar
  61. Christian Jenssen: Hans Schwarz. In: Kölnische Zeitung. Beilage: Die Literatur 23 (7.Jun.l936).Google Scholar
  62. Heinz Küpper: Georg Britting. In: Kölnische Zeitung 335/36 (5.Juli 1936).Google Scholar
  63. H. W. Keim: Karl Heinrich Waggerl. In: Kölnische Zeitung 361/62 (19Juli 1936).Google Scholar
  64. K. Rauch: Friedrich Bischoff. In: Kölnische Zeitung 387/88 (2.Aug.l936).Google Scholar
  65. Christian Jenssen: Edwin Erich Dwinger. In: Kölnische Zeitung 426/27 (23.Aug. 1936).Google Scholar
  66. Walther G. Oschilewski: Anton Dörfler. In: Kölnische Zeitung. Beilage: Die Literatur 47 (22.11.1936).Google Scholar
  67. Karl Rauch: Martin Raschke. In: Kölnische Zeitung. Beilage: Die Literatur 38 (20.Sept.1936).Google Scholar
  68. H. W. Keim: Josefa Berens-Totenohl. In: Kölnische Zeitung. Beilage: Die Literatur 41 (11.10.1936).Google Scholar
  69. Hanns Arens: Ludwig Tügel. In: Kölnische Zeitung. Beilage: Die Literatur 45 (8.Nov.l936).Google Scholar
  70. Heinz Küpper: Joachim von der Goltz. In: Kölnische Zeitung. Beilage: Die Literatur 9 (28.Febr. 1937). — Ders.: Josef Martin Bauer. In: Kölnische Zeitung. Beilage: Die Literatur 13 (28.Mrz.1937).Google Scholar
  71. Karl Rauch: Paula Ludwig. In: Kölnische Zeitung. Beilage: Die Literatur 19 (9.Mai 1938).Google Scholar
  72. Heinz Küpper: Eduard Lachmann. In: Kölnische Zeitung. Beilage: Die Literatur 32 (8.Aug.1937).Google Scholar
  73. 180.
    Versuche der Neubelebung der Generationsdebatte nach 1945 hatten im günstigsten Fall wie die als Präsent gedachte Buchreihe »Jahr und Jahrgang« für die Jahrgänge 1896–1918 [15 Bde. Hamburg 1966–68] nostalgischen Charakter. Im Kontext der Restaurationsepoche der Adenauerära muß man das Festhalten an der Generationserfahrung auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, wie er sich z. B. in den Selbstporträts der Literaturzeitschrift »Welt und Wort« äußert, kritisch sehen. Ludwig Marcuse hat 1952 in seinem Artikel »Zum fünfzigsten Geburtstag des Jahrgangs 1902« [In: Der Monat 5 (1952), H. 49, S. 98 f.] zurecht diese Einstellung der Autoren als typisch deutsche Erscheinung erkannt, wenn sich die inzwischen älteren Herren immer noch wie schmollende Heranwachsende gebärdeten, die ihren Eltern die Schuld an der deutschen Misere geben würden, anstatt selbst aktiv mit ihrer schriftstellerischen Tätigkeit in das Zeitgeschehen einzugreifen: »Das spezifisch Deutsche aber scheint mir zu sein, daß sich auch der Fünfzigjährige noch immer über die bösen Erwachsenen beschwert. […] Der Jahrgang 1902 sollte […] im Bunde mit den Zweiundneunzigern und den Zwölfern, die alten Besessenheiten lassen, seine Privatmiseren unter uns gehabt haben und lesen. Ich schlage als erstes Thema vor: Carl von Ossietzky.« [Ebd., S. 99]. Auch Rolf Hochhuth macht im Vorwort zu der Anthologie »Fazit« [Rolf Hochhuth: Vorwort. In: Fazit. Erzähler einer Generation. Hg. v. Herbert Reinoß. München, Wien 1972, S. 7–19] Anfang der Siebziger Jahre äußere Einflüsse, in diesem Fall die gesellschaftlichen Umbrüche der Sechziger Jahre für das Desinteresse des Publikums an den nun schon ziemlich betagten Autoren der ›jungen Generation‹ verantwortlich.Google Scholar
  74. 181.
    Christian O. Frenzel: Junge Generation und Dichtung. Zur 5. Berliner Dichterwoche. In: Berliner Tageblatt 199 (27. Apr. 1936).Google Scholar
  75. 182.
    Max Frisch: Jürg Reinhart [1934]. In: Ders.: Gesammelte Werke in zeitlicher Folge. Jubiläumsausgabe in sieben Bänden. Bd. 1: 1931–1944. Frankfurt a. M. 1986, S. 225–385, hier S. 297.Google Scholar
  76. 183.
    Heinrich Goertz: Johannes Geisterseher. Roman. Berlin 1942.Google Scholar
  77. 184.
    Geno[veva] Hartlaub: Die Entführung. Eine Geschichte aus Neapel. Wien 1941.Google Scholar
  78. 187.
    Max Frisch: Antwort aus der Stille: Eine Erzählung aus den Bergen. Stuttgart, Berlin 1937.Google Scholar
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    Ernst Schnabel: Nachtwind. Roman. Hamburg 1942.Google Scholar
  80. 190.
    Die Eisschollenmetaphorik findet sich auch bei: Ilse Schreiber: Eine Sterngeschichte. In: Das Reich (1. Dez. 1940).Google Scholar
  81. 192.
    Dolf Sternberger: Verwandlungen einer Allegorie. In: Die Neue Rundschau 46 (1935), Bd. 2, S. 184–201, hier S. 186. Sternberger verfolgt diesen Bildbereich zurück bis ins 19. Jahrhundert und versucht aus dieser Untersuchung heraus, das Thema des Schiffbruchs auch im Kontext der Existenzphilosophie als »Trostbilder« [Ebd., S. 185] zu deuten. Aus einer Analyse des gründerzeitlichen Genrebildes mit Lotsen-, Seerettungs- und Schiffbruchsdarstellungen gewinnt er eine Vorstellung der Epoche. Das Spannungsverhält- nis zwischen der aufgewühlten See und dem sicheren Standpunkt des Beobachters im Trockenen sieht er als Ausdruck des inhärenten Widerspruchs der Epoche zwischen dem Wunsch nach bürgerlicher Solidität und dem Expansionsdrang [Ebd., S. 195 f.]. Er nimmt in diesem Essay vieles von dem vorweg, was etwa Hans Blumenberg in seinem Buch »Schiffbruch mit Zuschauer als Paradigma einer Daseinsmetapher« [Frankfurt a. M. 1979] oder Manfred Frank in »Die unendliche Fahrt. Ein Motiv und sein Text« [Frankfurt a. M. 1979] herausgearbeitet haben.Google Scholar
  82. 194.
    Egon Vietta: Martin Heidegger und die Situation der Jugend. In: Die Neue Rundschau 42 (1931), Bd. II, S. 501–511.Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1995

Authors and Affiliations

  • Johannes Graf

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