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Obszöne Töne: Aretinos geschwänzte Sonette

  • Carolin Fischer
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Zusammenfassung

Heute ist Pietro Aretino als Verfasser der Ragionamenti bekannt. Berühmt wurde er zu Lebzeiten (1492–1556) vor allem durch seine bissigen Satiren und durch weit über tausend veröffentlichte Briefe. Die Nachwelt jedoch verband seinen Namen jahrhundertelang mit einem Opusculum, von dem Guillaume Apollinaire noch zu Beginn unseres Jahrhunderts nicht mit Sicherheit zu sagen wußte, ob il flagello dei principi es jemals hatte drucken lassen.1 Die Rede ist von den Sonetti lussuriosi. Lange Zeit glaubten Biographen und Interpreten, daß die sechzehn Gedichte einen Skandal am päpstlichen Hof ausgelöst hatten und vielleicht sogar Motiv des am 28. Juli 1525 von Achille della Volta auf den Verfasser verübten Mordanschlags waren. Dies ist aber höchst ungewiß und eher unwahrscheinlich. Sicher ist hingegen, daß Aretino, kaum daß er genesen war, Rom endgültig verließ, wo im Jahr zuvor Marcantonio Raimondis Stiche, denen die Sonette als sprachliche Illustration dienen, für einen aufsehenerregenden Eklat gesorgt hatten.

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Notizen

  1. 1.
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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1994

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  • Carolin Fischer

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