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Ichsuche pp 112-174 | Cite as

Die Tagebuchprosa von Marie Luise Kaschnitz in der Tradition des Genres

  • Helga Vetter
Chapter

Zusammenfassung

Die Entwicklung des Individuums in der bürgerlichen Gesellschaft, die ihm das Erstreben einer Identität nahelegt, hat selbstverständlich auch Auswirkungen auf die literarische Produktion. Solange der einzelne mehr vom Wir- als vom Ich-Empfinden beherrscht ist, kann auch die Literatur nicht subjektiv geprägt sein. Tägliche Aufzeichnungen beziehen sich in der vor-bürgerlichen Kultur auf äußere Geschehnisse. “Die Notiz der ‘Chronik’ herrschte vor. Doch kam es schon im Hellenismus vereinzelt zu subjektiven Wertungen und eigenen Betrachtungen. Am Ausgang der Antike erfolgte dann der erste breite Durchbruch der Subjektivität. Im Mittelalter mehrten sich ‘Seelengeschichten’ und ‘Konfessionen’, und seit der Renaissance wurden Ephemerides, Diaria, Journals, Diaries, Dnevniki, Tagebücher zu immer genaueren Spiegelungen der intimen, unteilbaren, souveränen Individualität.”1 Die Konstituierung des Ich-ßewußtseins geht einher mit der Komplizierung der modernen Welt und zieht veränderte literarische Formen nach sich.

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Endnoten

  1. 1.
    Hocke, Gustav René: Das europäische Tagebuch. Wiesbaden 1963, S. 16.Google Scholar
  2. 3.
    Jurgensen, Manfred: Das fiktionale Ich. Untersuchungen zum Tagebuch. Bern, München 1979, S. 16.Google Scholar
  3. 4.
    Kaschnitz, Marie Luise: Unveröff. Privattagebücher 1937.Google Scholar
  4. 90.
    Kaschnitz, Marie Luise: Unveröff. Privattagebücher 1937.Google Scholar
  5. 91.
    Kaschnitz, Marie Luise: Unveröff. Privattagebücher 1938.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1994

Authors and Affiliations

  • Helga Vetter

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