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Die Lieder

  • Gesine Lübben
Chapter

Zusammenfassung

Mit dem Herbstlied führte Steinmar auf spektakuläre Art und Weise einen neuen Typ in den Minnesang ein. Die Reaktionen seiner Sängerkollegen, teils in Form polemischer Kritik, teils in Form von Nachahmung, aber auch die in einem Fall sogar wörtliche Präsenz des Liedes in spätmittelalterlichen Jahreszeitenspielen belegen dies. So ist es nicht verwunderlich, daß der Illuminator von Handschrift C (in diesem Fall der Grundstockmaler) den Auftrag erhielt, eine am Herbstlied orientierte Miniatur zu entwerfen. Ebenso wenig verwunderlich ist, daß Steinmar von der germanistischen Forschung vor allem wegen des Herbstliedes aus der Masse der eher geringgeschätzten Minnesänger des 13. Jahrhunderts herausgehoben und zum Gegenstand einiger Untersuchungen wurde. Alle Arbeiten sprechen dem Herbstlied aufgrund seiner thematisch neuen und kontrastiven Anlage in bezug auf die Gattung Minnesang einen Sonderstatus zu. Als besonders radikales und über diesen hinausgehendes Beispiel der Gegensang-Tradition98 sprenge es nicht nur die Konvention, sondern zerstöre ihre Grundlage — das Dienst-Modell der Hohen Minne — indem ein “abstraktes und unerreichbares Ziel (die Liebe der Dame) durch ein jederzeit erreichbares ersetzt (wird): Fressen und Saufen.”99

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Notizen

  1. 98.
    vgl. Diether Krywalski, Untersuchung zu Leben und literaturgeschichtlicher Stellung des Minnesängers Steinmar, München 1966.Google Scholar
  2. 107.
    Eckehard Simon, Literary Affinities of Steinmar’s Herbstlied and the songs of Colin Muset, in: MLN 84, 1969, S. 375–386.Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1994

Authors and Affiliations

  • Gesine Lübben

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