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Lieder

  • Joachim Bumke
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Zusammenfassung

Wolfram nimmt auch als Liederdichter einen bedeutenden Platz in der Literaturgeschichte ein. Wir kennen neun Lieder von ihm. Die Mehrzahl davon gehört zur Gattung Tagelied, die bis dahin im deutschen Minnesang eine sehr bescheidene Rolle gespielt hatte und erst durch Wolfram ihre ausgeprägte Form erhielt. Tagelieder besingen den Trennungsschmerz der Liebenden beim Anbruch des Tages. Dieses Thema ist zu allen Zeiten Iyrisch behandelt worden, im alten Ägypten, in China, im klassischen Griechenland, im europäischen Mittelalter und in vielen modernen Literaturen. Die Geschichte des mittelalterlichen Tagelieds ist in wichtigen Punkten unklar. Es gab offenbar eine volkstümliche Tradition, der das älteste deutsche Tagelied (Slâfest du, vriedel ziere?, MF 39, 18) zugerechnet wird, das unter dem Namen Dietmars von Eist überliefert ist. Das höfische Tagelied entstand im 12. Jh. in Südfrankreich. Das früheste Zeugnis für die Rezeption der provenzalischen ›Alba‹ in Deutschland ist das Tagelied Heinrichs von Morungen (Owê, sol aber mir iemer mê geliuhten dur die naht, MF 143, 22). Aber erst Wolfram hat der neuen Form die Bahn gebrochen. Seine Abhängigkeit von provenzalischen Mustern ist jedoch schwer zu beurteilen, weil es nur wenige ›Alben‹ gibt, die sicher ins 12. Jh. datiert werden können.

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Literatur

Text und Übersetzung

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  • Joachim Bumke

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