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»Wilhelm Meisters Lehrjahre« — Muster der Gattung?

  • Rolf Selbmann
Part of the Sammlung Metzler book series (SAME)

Zusammenfassung

Die ersten verständnisvollen und für die Wirkungsgeschichte so folgereichen Leser haben, zum Teil vor der Vollendung eingeweiht, Goethes 1796 erschienenen Roman sogleich auf das Bildungsroman-Paradigma festgenagelt. Die Zitate und Kommentare Friedrich Schillers, Friedrich Christian Körners, Wilhelm von Humboldts und Friedrich Schlegels sind bekannt und brauchen hier nicht wiederholt zu werden. Auffällig sind freilich die Irritationen, die alle, auch die wohlwollendsten dieser Leser empfunden haben. Gingen sie von ganz unterschiedlichen Vorverständnissen aus — dem Aufklärungsroman, dem erfolgreichen Werther oder der eigenen Ästhetik (wie im Fall Schillers) — sie alle haben am Wilhelm Meister Unverständliches wahrgenommen, das Goethe entweder mit seinem bekannten Diktum über seinen »realistischen Tic« (An Schiller, 9.7.1796) oder mit seinem Rückzug auf das Inkalkulable seiner Produktionsweise abwehrte. Schiller hat, nach der Lektüre nicht nur »befriedigt«, sondern zugleich auch »beunruhigt« (An Goethe, 28.6.1796), eine Verschärfung der Programmatik des Romans verlangt und wiederholt insistiert, die philosophische Begründung der Bildungsgeschichte des Helden deutlicher herauszuarbeiten. Seine »neue Art der Kritik, nach der genetischen Methode« (An Goethe, 16.10.1795) galt der Modellierung der dem Helden funktional zugeordneten Figuren, vor allem aber der Bläße der Titelgestalt.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1994

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  • Rolf Selbmann

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