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Wandlungen des Bildungsbegriffs

  • Rolf Selbmann
Part of the Sammlung Metzler book series (SAME)

Zusammenfassung

Der Begriff »Bildung« ist ein unübersetzbares Wort, die Sache nicht. Speicherung, Systematisierung und Weitergabe kultureller Identität wirken zweifellos als anthropologische Grundkonstanten zur Abgrenzung einer Kulturgemeinschaft gegen Fremdes und als Medium kollektiver Selbstfindung. Griech. »paideia«, lat. »humanitas«, differenzierte die eigene Sozialgemeinschaft gegenüber den Barbaren durch Sprachverfugung, Schriftgebrauch und gemeinsame Geschichte. Das christliche Mittelalter füllte die Denkform neu, indem es eine eigene Begrifflichkeit entwickelte. »Bildung« (ahd. bildunga, mhd. bildunge) umschrieb ursprünglich eine Wertaura, die »Bild«, »Abbild« und »Ebenbild« (imago) bedeutete, aber auch »Nachbildung« (imitatio), »Gestalt« (forma) und »Gestaltung« (formatio). Immer stand eine vorbildhaft gemeinte Gottesbildlichkeit, nach der der Mensch ausgeprägt werden sollte, im Zentrum. Im Rahmen der spätmittelalterlichen Mystik wurde Bildung zum Schlüsselbegriff einer Imago-Dei-Theorie im Umkreis Meister Eckharts. In seiner leicht abgewandelten Bedeutung als »transformatio« zielte der Begriff auf die Wiedergewinnung des verlorenen paradiesischen Unschuldszustands, meinte also sowohl Umgestaltung des mit der Erbsünde belasteten Menschen als auch »Überbildung«, Neueinprägung des göttlichen Bildes.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1994

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  • Rolf Selbmann

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