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Stilideale und Gattungspoetik nach 1848

  • Helmuth Widhammer
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Zusammenfassung

So sehr die Realisten Wert legten auf die einer Dichtung zugrundeliegende »Auffassung vom Leben«, kann J. Schmidt doch schreiben : »Die Gesinnung an sich macht weder den Dichter noch den Politiker; an dieser unglücklichen Verblendung haben wir lange zu tragen gehabt.« (Grenzboten 1857, II, 5) Besonders der literarische Vormärz ließ es, da bei ihm die »Gesinnung« das Primäre war, am Ethos der Form fehlen. Das »liederliche« Formgefühl und die lose Praxis der formalen Gestaltung der Restaurationszeit generell wird schärfster Kritik unterzogen. An Rötschers stark klassizistisch orientierten »Jahrbüchern für dramatische Kunst und Literatur« loben die »Grenzboten« schon 1847 die strengen formalen Maßstäbe der Kritik (1847, IV, S. 55 ff). Angesichts des Formenpluralismus der Restaurationsliteratur schreibt wiederum Schmidt wenige Jahre später: »Uns thut es noth, aus der unübersehbaren Fülle, deren wir gar nicht mehr Herr werden können, zur Einfachheit und Natur wieder zurückzukehren […]« (Grenzb. 1851, II, S. 207)

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Literatur

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  • Helmuth Widhammer

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