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Grundzüge der realistischen Literaturkritik

  • Helmuth Widhammer
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Zusammenfassung

In der neueren Literatur zur Theorie des Realismus, besonders bei Eisele, wird mehrfach auf das »Fortwirken« der Hegeischen Philosophie auch nach 1848 hingewiesen. Kinder hat jedoch im »Grenzboten«-Abschnitt seiner Arbeit zurecht auf die Verkümmerung Hegelscher Theoreme bei den Realisten aufmerksam gemacht. Der generelle Trend der Zeit ist theoriefeindlich und praxisfreundlich; Hegel und gerade die in demokratisch-sozialistische Gedankengänge ausmündende Philosophie der Linkshegelianer (Ruge, Marx, Feuerbach) waren keine zuverlässigen Führer im Kampf des nachmärzlichen Bürgertums um den Aufstieg der Klasse und der Nation. Den rapiden Rückgang des philosophischen Interesses beschreibt 1853 der ehemalige Linkshegelianer Bruno Bauer:

»Die Katastrophe der Metaphysik ist unleugbar. Es sind jetzt zwölf Jahre her, daß die philosophische Literatur als für immer geschlossen und beendigt angesehen werden kann. Die Universitäten, die früher jeden Gebildeten in die Kämpfe ihrer Entwicklung hineinzogen, reizen die Aufmerksamkeit nicht mehr und sind nur noch eine Vereinigung von Vorbereitungsseminaren für einen praktischen Lebensberuf. Sie haben noch ihre philosophischen Lehrer, aber auch nicht einen, der auch nur einen einzigen Gedanken hervorgebracht hätte.« (In: Löwith, Die Hegeische Linke, S. 100 f.)

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Literatur

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  • Helmuth Widhammer

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