Advertisement

Dissoziation und Integration

Über Joachim Raffs »Macbeth«
  • Matthias Wiegandt
Chapter

Zusammenfassung

In einer seiner letzten Kompositionen schickte er einen späten Gruß ans »Vaterländle«1, welches er selbst nur vorübergehend besucht hatte: Joachim Raffs op. 215 nennt sich Von der schwäbischen Alb und enthält zwei Charakterstücke für Klavier, »Olga’s Ruhe am Wasserfall bei Urach. Etüde« und »In der Karlshöhle bei Erpfingen. Gnomentanz«.2 Ein Kreis schloß sich damit allerdings nicht ganz, denn Raffs Lebensweg begann und endete nicht etwa in schwäbischen Gefilden. Am 27. Mai 1822 im beschaulichen Lachen am Zürichsee geboren, starb er während der Nacht vom 24. zum 25. Juni 1882 in Frankfurt. Sein Vater Franz Josef freilich stammte aus Wiesenstetten im württembergischen Schwarz waldkreis. Der Ort gehört zum Oberamt Horb und ist Schauplatz von Auerbachs bekannter Dorfgeschichte »Der Tolpatsch«. Dort lebte in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts der Weber und Bauer Anton Raff, geb. 1763, verheiratet mit der um ein Jahr jüngeren Helene Lobmiller, ein geachteter, aber keineswegs begüteter Mann.3 Zu den neun Kindern des Ehepaares zählte auch Raffs musikbegeisterter Vater Franz Josef, der selbst Klarinette und Violine spielte. 1789 geboren, hätte er wie sein älterer Bruder Opfer der napoleonischen Rekrutierungen werden können, als diese immer weiter nach Osten vordrangen. Nie hat die Familie mehr von ihm [Michael] gehört, noch erfahren, wo er seinen Tod gefunden. Nun fürchtete Franz Josef ein ähnliches Los; er entschloß sich zur Flucht in die Schweiz.4

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1.
    Helene Raff, Joachim Raff. Ein Lebensbild, Regensburg 1925, S. 236.Google Scholar
  2. 10.
    Vgl. Albert Schäfer, Chronologisch-systematisches Verzeichnis der Werke Joachim Raff’s mit Einschluß der verloren gegangenen, unveröffentlichten und nachgelassenen Kompositionen dieses Meisters, Wiesbaden 1888 (Reprint Tutzing 1974).Google Scholar
  3. 13.
    Theodor Müller-Reuter, Lexikon der deutschen Konzertliteratur, Band I, Leipzig 1909, S.401.Google Scholar
  4. 16.
    Hans von Bülow, Briefe. VI. Band. Meiningen. 1880–86, Leipzig 1907, S. 306.Google Scholar
  5. 19.
    Vgl. E. Douglas Bomberger, Edward MacDowell, Arthur P. Schmidt, and the Shakespeare Overtures of Joachim Raff: A Case Study in Nineteenth-Century Music Publishing, in: Notes 54 (1997), S. 11–26.CrossRefGoogle Scholar
  6. Vgl. hierzu James Deaville, A »Daily Diary of the Weimar Dream«: Joachim Raff’s Unpublished Letters to Doris Genast, J852–1856, in: Liszt and his world: proceedings of the International Liszt Conference held at Virginia Polytechnic Institute and State University, 20–23 May 1993 (= Analecta Lisztiana 7), hrsg. von Michael Saffle, New York 1998, S. 181–216.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1999

Authors and Affiliations

  • Matthias Wiegandt

There are no affiliations available

Personalised recommendations