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Querelles pp 86-94 | Cite as

»Himmlisch weiche softies …«

Zur Veränderung des Androgyniekonzeptes in den performativen Künsten seit den siebziger Jahren am Beispiel des Softybandes von Klaus vom Bruch
  • Barbara Lange

Zusammenfassung

»Himmlisch weiche softies aus der Tüchertasche, nimm ’ doch softies jeden Tag«. Zum Bild einer schwebenden Papiertücherpackung, die durch einen Himmel mit aufgeplustert weißen Kumuluswölkchen gleitet, singt eine leicht verschnupft klingende Frauenstimme diesen Werbetrailer. Der Ausschnitt aus einem Werbefilm, der 1980 in der ARD gesendet wurde, ist die titelgebende Sequenz des im gleichen Jahr produzierten, 19minütigen Softybandes,1 mit dem der Videokünstler Klaus vom Bruch alte und neue Stereotypien von Männlichkeit im Hinblick auf eine Selbstverortung der eigenen Identität problematisiert: Zwischen die Bilder des vom Fernsehmonitor abgefilmten Zeichentrickfilms der animierten Papiertücherpackung sind Filmaufnahmen aus den dreißiger Jahren montiert, die eine kurze Sequenz lang einen Piloten der Legion Condor in seinem Flugzeug zeigen, wie auch die Bilder einer Videoaufzeichnung, bei der der Künstler wie vor einem Spiegel vor der Kamera posiert. Durch den sogenannten fliegenden Schnitt,2 den vom Bruch hierbei praktizierte, ist der Wechselrhythmus tendenziell unregelmäßig, wenngleich der sich wiederholende Soundtrack wie die durch ihre längere Dauer dominanteren softie-Werbebilder sich in ihrer, die Geduld der Rezipierenden strapazierenden Monotonie akzentuierend in den Vordergrund schieben. Die filmischen Möglichkeiten werden nicht zur Erzeugung von Illusionen eingesetzt, vielmehr, um diese zu demontieren.

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Anmerkungen

  1. 3.
    Vgl. hierzu auch Holsten, Sigmar: Das Softieband. In: Klaus vom Bruch. 10 in Köln. Ausstellungskatalog Köln, Kölnischer Kunstverein 1981, o. P. Hier auch drei signifikante Videostills aus dem Soflyband.Google Scholar
  2. Schade, Sigrid / Wenk, Silke: Inszenierung des Sehens: Kunst, Geschichte und Geschlechterdifferenz. In: Hadumod Bußmann, Renate Hof (Hg.): Genus. Zur Geschlechterdifferenz in den Kulturwissenschaften. Stuttgart 1995, S. 340–407; hier S. 361 und S. 364.Google Scholar
  3. Vgl. Thistlewood, David: Herbert Read ’s Aesthetic Theorizing 1914–1952: An Interpretation of The Philosophy of Modern Man. In: Art History, Jg. 2, Nr. 3, 1979, S. 339–354;Google Scholar
  4. Klemm, Ulrich: Herbert Read — Versuch einer politischen Ortsbestimmung. In: Herbert Read. Kunst, Kultur und Anarchie. Politische Essays wider den Zeitgeist. Ausgewählt und eingeleitet von Ulrich Klemm. Grafenau-Döffingen 1991, S. 5–15.Google Scholar
  5. Vgl. Lange, Barbara: Vom Nutzen und Nachteil utopischen Denkens: Konzepte des Androgynen bei Gislind Nabakowski und Caroline Tisdall. In: Kritische Berichte, Jg. 26, Nr. 3, 1998, S. 23–33.Google Scholar
  6. 17.
    Vgl. für die USA: Norma Broude / Mary D. Garrad.(Hg.): The Power of Feminist Art: The American Movement of the 1970s, History and Impact. New York 1994. Eine Aufarbeitung der Geschichte feministischer Kunst in Europa oder speziell in Deutschland für diese Zeit fehlt bislang.Google Scholar
  7. 21.
    Vgl. beispielhaft Nabakowski, Gislind: Neue Tendenzen. In: heute Kunst, Heft 9, 1975, S. 6–8;Google Scholar
  8. sowie Schumacher, Inge: Man hat uns annektiert. Gespräch mit Gislind Nabakowski. In: Arbeitsgruppe Frauen in der Kunst (Hg): Künstlerinnen international 1877–1977, Ausstellungskatalog Berlin, Schloß Charlottenburg 1977, S. 89–99.Google Scholar
  9. 23.
    Vgl. Garber, Marjorie: Verhüllte Interessen. Transvestismus und kulturelle Angst. Frankfurt/ M. 1993, S. 24–26.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1999

Authors and Affiliations

  • Barbara Lange

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