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Querelles pp 72-85 | Cite as

»Fräulein Rosa malt fast wie ein Mann«

Rosa Bonheur und die Schwierigkeit, als Künstlerin androgyn zu sein
  • Mechthild Fend

Zusammenfassung

Von Rosa Bonheur (1822-1899), der erfolgreichsten französischen Künstlerin des 19. Jahrhunderts, ist immer wieder gesagt worden, sie sei in ihrem Leben einem androgynen Ideal gefolgt. Schon zu Lebzeiten war Sie nicht nur für ihre Gemälde berühmt, sondern auch wegen ihrer Unkonventionalität: Sie trug häufig Männerkleidung, rauchte und liebte die Jagd. Eine bürgerliche Ehe lehnte sie für sich ab und führte gemeinsam mit ihren jeweiligen Lebensgefährtinnen ein unabhängiges Leben. In Magnus Hirschfelds Jahrbuch flir sexuelle Zwischenstufen wird sie im Jahre 1900, kurz nach ihrem Tod, mit dem Abdruck einer Photographie geehrt und in der Bildunterschrift als »seelisch und körperlich ausgeprochener Typ einer sexuellen Zwischenstufe« charakterisiert.2 Die Frage allerdings, ob sich Bonheur auch in ihrem professionellen Selbstverständnis auf ein Ideal der Androgynie bezog, ist bislang noch nicht gestellt worden und das, obwohl gerade in literarischen und kunstkritischen Texten des französischen 19. Jahrhunderts die Idee einer mann-weiblichen Künstlerpersönlichkeit formuliert wurde. Diese Konstruktion vom Künstler als Androgyn soll hier zunächst betrachtet werden, und zwar als ein spezifisches Phänomen der Moderne, das mit der veränderten sozialen Position des Künstlers in der bürgerlichen Gesellschaft in Zusammenhang steht.

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Anmerkungen

  1. 1.
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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1999

Authors and Affiliations

  • Mechthild Fend

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