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Die Passion pp 35-39 | Cite as

Die erste Summa passionis

  • Kurt von Fischer
Chapter

Zusammenfassung

Chronologisch folgt zu Beginn des 16. Jahrhunderts das für die Zukunft wegweisende Modell der aus kurzgefaßten Texten aller vier Evangelisten zusammengestellten Summa passionis, eines für Karwochenfeiern außerhalb der Messe bestimmten Werkes, auf das hier etwas näher einzugehen ist. Weit herum bekannt, besonders auch im protestantischen Raum, wurde diese mehrstimmig durchkomponierte, motettenhafte Passion vor allem dadurch, daß sie in vierstimmiger Fassung im Jahre 1538 unter dem Namen des berühmten Jacobus Obrecht im Druck bei Georg Rhaw im lutherischen Wittenberg erschien und von da aus nicht nur weiterverbreitet, sondern auch weiterentwickelt wurde. Nun gibt es aber ältere handschriftliche Quellen, welche eindeutig zeigen, daß diese Passion nicht von Obrecht, sondern von einem französischen, in Paris und vorübergehend auch in Ferrara wirkenden Komponisten namens Antoine de Longueval stammt, der dieses Werk, wie Rainer Heyink gezeigt hat, für eine Karwochenfeier des für seine Musikkultur berühmten Hofes des Ercole d’Este I. in Ferrara schrieb. In ihrer ganzen Anlage entspricht diese Passion dem damals von Ercole gepflegten Frömmigkeitsstil, der sich in einem besonderen Interesse an geistlich zeremonieller Musik äußerte und in Verbindung mit den engen Beziehungen des Fürsten zum Dominikaner-Orden und insbesondere zu dessen berühmtem Ordensbruder Savonarola, dem Sittenprediger und Kritiker der damaligen römischen Kurie, zu sehen ist.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1997

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  • Kurt von Fischer

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