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Die Passion pp 33-35 | Cite as

Frühe Beispiele mehrstimmiger Passionen aus Deutschland, England, Italien und Spanien

  • Kurt von Fischer
Chapter

Zusammenfassung

Mit der Aufteilung des Passionsrezitativs auf verschiedene Vortragende ergibt sich, zumindest potentiell, die Möglichkeit mehrstimmigen Gesangs, bei welchem die verschiedenen Sänger sich zu simultanem Musizieren zusammenfinden. Wenn auch schriftlich festgehaltene vielstimmige Passionsabschnitte erst seit dem zweiten Drittel des 15. Jahrhunderts nachzuweisen sind, so ist es doch durchaus möglich, daß schon Jahrzehnte früher eine nicht notierte oder nicht erhaltene, nach gewissen Regeln improvisierte Mehrstimmigkeit einfachster Art zur Anwendung gekommen sein könnte, in welcher sich die drei liturgischen Sänger bei den Turbae-Abschnitten zur Dreistimmigkeit vereinigten. Solchem Vortrag kamen besonders auf deutschem Gebiet die im Quint-Quart-Abstand f — c′ — f′ stehenden Rezitationstöne entgegen. Einen Hinweis auf solche Praktiken gibt ein um 1450 verfaßter Traktat aus der Pfarrkirche von Füssen, in welchem beschrieben und mit Notenbeispielen gezeigt wird, wie die Turbae der Juden, und offenbar nur die der Juden, vorzutragen sind; hier heißt es: »Etwas zögere ich, ob dieser Gesang dem allmächtigen Gott und Erlöser sehr wohlgefällig sei, weil er zur Erinnerung an die ungläubigen, falschen, üblen, schlechten, schrecklichen Juden gemacht ist, die so geschrien haben in der heiligsten Passion; nämlich einer tief, einer hoch, ein anderer in der Mitte […] Auch wisset, daß wenn Jesus oder ein Apostel, Pilatus, Kaiphas oder die Magd des Hannas sprechen, was man kurzweg als Einzahl bezeichnet, dann ist stets mit einer Stimme vorzutragen.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1997

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  • Kurt von Fischer

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