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Die Passion pp 23-26 | Cite as

Von der lehrhaften zur mitleidsvollen Passion: Von der doctrina zur compassio

  • Kurt von Fischer
Chapter

Zusammenfassung

Im späten 12. und besonders dann im 13./14. Jahrhundert haben das lehrhafte Passionsverständnis und mit ihm die bildhafte Darstellung der Leidensgeschichte Jesu entscheidende Wandlungen erfahren: Wandlungen, die im Sinne expressiver Steigerungen auch im Vortrag des Passionsgesanges zum Ausdruck gekommen sind und damit den alten lehrhaften Ton augustinischer Prägung überhöht haben. Musikalisch gehören hier hin die Aufteilung der Lektion auf mehrere Vortragende und, spätestens vom zweiten Drittel des 15. Jahrhunderts an, die Mehrstimmigkeit. Wie nicht anders zu erwarten, sind die Gründe für die sich durchaus im Rahmen der Liturgie bewegenden Veränderungen in der zeitgenössischen Theologie und Frömmigkeitsgeschichte zu suchen: in der um die Mitte des 12. Jahrhunderts begründeten Kreuzestheologie des großen Kirchenlehrers Bernhard von Clairvaux, dessen Anschauungen wiederum in engem Zusammenhang mit den damaligen politischen Ereignissen zu sehen sind. Der von 1147 bis 1149 dauernde zweite Kreuzzug, der von Bernhard im Auftrage des damaligen Papstes nachdrücklich propagiert worden war, endete mit einer Katastrophe für das christliche Abendland; die bisherige Ecclesia triumphans wurde zur Ecclesia passiva, zur leidenden Kirche, und damit der Pantokrator Christus zum Schmerzensmann am Kreuz. Die Konsequenz, die sich für Bernhard daraus ergab: eine Leidensmystik, eine Versenkung in das Leiden und in das Blut Jesu, und damit auch eine neue Dimension des menschlichen Leidens schaffend.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1997

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  • Kurt von Fischer

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