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Die Passion pp 97-99 | Cite as

Von der Kirche zur Schaubühne: Die Anfänge des protestantischen Passionsoratoriums

  • Kurt von Fischer
Chapter

Zusammenfassung

Den entscheidenden Bruch mit der liturgischen Passion brachte ein rasch schulemachendes Passionslibretto, das 1704 von Reinhard Keiser vertont und ein Jahr später in Hamburg zur Vesperzeit am Montag und Mittwoch der Karwoche erstmals aufgeführt worden ist: Der blutige und sterbende Heiland. Der Text stammt vom Hamburger Dichter Christian Friedrich Hunold, bekannt unter dem Pseudonym Menantes. Die Aufführung auf einer Schaubühne in der Kirche erweckte den Protest der kirchlichen Behörden; das Werk hätte »die Zuhörer und Zuschauer mehr geärgert, als erbaut«; obwohl der Autor, wie er im Vorwort bemerkt, »gemeinet, dieses Leiden [Jesu] […] bey dieser heiligen Zeit nachdrücklicher vorzustellen, wenn man es durchaus in Versen und sonder [d.h. ohne] Evangelisten gleich wie die Italiänische so genannte Oratorien abfaßte«. Es handelt sich bei diesem Werk um das erste große deutsche Passionsoratorium, in welchem, wie es im Vorwort heißt, die Evangelistenpartie ganz aufgegeben ist und auch Choräle fehlen. Der Bibeltext erscheint bloß noch als eine Art von Erläuterung für den Leser oder als szenische Anmerkung, z.B. »Jesu schweigt«. Textlich besteht dieses Passionsoratorium aus einem Wechsel von Rezitativen, Arien und Duetten, die verschiedenen, im Evangelientext nicht vorkommenden Personen (Tochter Zion, Gläubige Seele) in den Mund gelegt sind. So heißt es z.B. in einem Duett zwischen Jesus und der Tochter Zion:
  • Aus dem Schlagen ins Gesichte

  • fallen lauter Lebensfrüchte,

  • die der Seele Freude seyn.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1997

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  • Kurt von Fischer

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