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Vergessen, Gedächtnis und Erinnerung im Kontext von Hölderlins Sophokles-Anmerkungen

  • Helmut Hühn
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Zusammenfassung

Schon ein erster Blick auf das kleine Corpus der uns erhaltenen theoretischen Schriften des späten Hölderlin zeigt, wie wichtig dem Dichter die Reflexion der griechischen Tragödie geworden ist. Im Spiegel der neueren Forschung ergibt sich folgende Werkchronologie:

1803 werden die Sophokles-Anmerkungen datiert, in denen Hölderlin im Kontext einer Strukturanalyse und einer Interpretation des Oedipus der Tyrann und der Antigonae auch eine spekulative Theorie des Tragischen selbst gibt. Die Anmerkungen erscheinen zusammen mit der Übersetzung der beiden Sophokleischen Trauerspiele bei Friedrich Wilmans in Frankfurt am Main zur Ostermesse 1804.

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Notizen

  1. 1.
    Peter Szondi: Versuch über das Tragische, in: Schriften I, hg. J. Bollack u.a. (Ff/M 1978) 162f.Google Scholar
  2. 2.
    Zum wichtigen Problemkomplex ›Textvorlage‹ vgl. Friedrich Beißner: Hölderlins Übersetzungen aus dem Griechischen (Stuttgart 1933, 21961) 65–69;Google Scholar
  3. Michael Knaupp: Zu Hölderlins Übersetzungsvorlagen, in: Le pauvre Holterling 8 (1988) 17–19;Google Scholar
  4. Klaus Nickau: Hölderlins Sophokles-Übersetzung. II: Die Frage nach dem Original, in: HJb 26 (1988/89) 270–72;Google Scholar
  5. Jochen Schmidt: Kommentar, in: Friedrich Hölderlin. Sämtliche Werke und Briefe 2 (Ff/M 1994) 1322–1326.Google Scholar
  6. Zum Teil berechtigte Kritik an den Übersetzungs-Editionen der FHA übt Jochen Schmidt: »Eigenhändig aber verblutete er«. Zur Problematik moderner Übersetzungs-Editionen am Beispiel der Frankfurter Hölderlin-Ausgabe, in: Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft 39 (1995) 230–249, bes. 238ff (FHA Bd. 16).Google Scholar
  7. Die zitierte Versangabe von Hölderlins Übersetzung entspricht der FHA, sie stimmt nicht mit derjenigen der StA überein. In rechteckigen Klammern wird die moderne Verszählung des Sophokles-Textes (ich richte mich hier nach der Editio Oxoniensis von A.C. Pearson: Sophoclis Fabulae (Oxford 71955)) zur besseren Orientierung nachgetragen. Als deutsche Übersetzung wird wiederholt zum Vergleich herangezogen: Sophokles: König Ödipus. Hg. und übertragen von Wolfgang Schadewaldt. Mit einem Nachwort, drei Aufsätzen, Wirkungsgeschichte und Literaturnachweisen (Ff/M 1973) [=KÖ].Google Scholar
  8. 3.
    Wilhelm Böhm: Hölderlin Bd. II (Halle 1930) 547;Google Scholar
  9. Günther Zuntz: Über Hölderlins Pindar-Übersetzung, Diss. (Marburg 1928) 62f. 94–98;Google Scholar
  10. Markus Fink: Pindarfragmente. Neun Hölderlin-Deutungen (Tübingen 1982) 129f.CrossRefGoogle Scholar
  11. 4.
    Albrecht Seifert: Die Asyle, in: Jenseits des Idealismus. Hölderlins letzte Homburger Jahre (1804–1806), hg. Ch. Jamme, O. Pöggeler (Bonn 1988) 174.Google Scholar
  12. 5.
    Vgl. hierzu das Kapitel »Recht« in Erich Thummer: Die Religiosität Pindars (Innsbruck 1957) 109–121.Google Scholar
  13. 9.
    Vgl. Friedrich Seebaß: Hölderlins Sophocles-Übertragungen im zeitgenössischen Urteil, in: Philologus 77 (1921) 413–421.Google Scholar
  14. 10.
    Wilhelm Dilthey: Das Erlebnis und die Dichtung. Lessing, Goethe, Novalis, Hölderlin (1905), hg. R. Rosenberg (Leipzig 1988) 373: »In den Anmerkungen liegt die Poetik seiner besseren Zeiten als ein Trümmerhaufen vor uns. Es reizt in sie ganz einzudringen, doch ermüdet und enttäuscht steht man davon ab, in Sinnlosem einem verborgenen Tiefsinn nachzugehen. Seine Unfähigkeit einen logischen Zusammenhang festzuhalten ist augenscheinlich.« Vgl. 352.Google Scholar
  15. 11.
    Norbert von Hellingrath: Vorrede zu Bd. V der Historisch-Kritischen Ausgabe (1913), zitiert nach: Hölderlin-Vermächtnis, eingeleitet von Ludwig von Pigenot (München 21944) 115.Google Scholar
  16. 12.
    die Arbeiten von Albrecht von Blumenthal: Aischylos (Stuttgart 1924) 71–74Google Scholar
  17. Ernst Emmert: Hölderlin und die griechische Tragödie, Diss. (Freiburg 1928)Google Scholar
  18. Hans Schrader: Hölderlins Deutung des Ödipus und der Antigone (Bonn 1933) akzentuieren wichtige Details von Hölderlins Argumentation, ohne sie jedoch als ein Ganzes wahrzunehmen und ihre »Architektur« aufklären zu können.Google Scholar
  19. 13.
    Meta Corssen: Die Tragödie als Begegnung zwischen Gott und Mensch. Hölderlins Sophokles-Deutung, in: HJb 3 (1948/49) 139–187;Google Scholar
  20. Karl Reinhardt: Hölderlin und Sophokles (1951), in: Tradition und Geist. Gesammelte Essays zur Dichtung, hg. C. Becker (Göttingen 1960) 381–397;Google Scholar
  21. Wolfgang Schadewaldt: Einführung, in: Sophokles: Tragödien. Deutsch von Friedrich Hölderlin, hg. u. eingeleitet W. Schadewaldt (Ff/M 1957) 7–95;Google Scholar
  22. Wolfgang Binder: Hölderlin und Sophokles, in: HJb 16 (1969/70) 19–37, hier zitiert nach dem Abdruck in: Friedrich Hölderlin. Studien von Wolfgang Binder, hg. E. Binder und K. Weimar (Ff/M 1987) 178–200.Google Scholar
  23. Wichtige Arbeiten zum Thema: Beda Allemann: Hölderlin und Heidegger (Zürich 21956) bes. 27–50;Google Scholar
  24. Robin B. Harrison: Hölderlin and Greek Literature (Oxford 1975) 160–219, 226ff;Google Scholar
  25. Bernhard Böschenstein: »Die Nacht des Meers«. Zu Hölderlins Übersetzungen des ersten Stasimons der Antigone, in: »Frucht des Gewitters«. Hölderlins Dionysos als Gott der Revolution (Ff/M 1989) 37–53 (zuerst 1979);Google Scholar
  26. George Steiner: Antigones (Oxford 1984) bes. 66–106;Google Scholar
  27. Tilman Heisterhagen: Ganzheit — Einheit — Differenz. Systematische Rekonstruktion im Blick auf das Spätwerk Hölderlins, mss. Staatsexamensarbeit (Göttingen 1986) 76–121;Google Scholar
  28. Klaus Düsing: Die Theorie der Tragödie bei Hölderlin und Hegel, in: Jenseits des Idealismus. Hölderlins letzte Homburger Jahre (1804–1806), hg. Ch. Jamme, O. Pöggeler (Bonn 1988) 55–82;Google Scholar
  29. Fred Lönker: Hölderlins Sophoklesübersetzung III: »Unendliche Deutung«, in: HJb 26 (1988/89) 287–268;Google Scholar
  30. Wolfgang Binder: Hölderlin und Sophokles. Eine Vorlesung von W. Binder gehalten im Sommersemester 1984 an der Universität Zürich, hg. U. Hölscher (Tübingen 1992) [=VL];Google Scholar
  31. Schmidt: Tragödie und Tragödientheorie. Hölderlins Sophokles-Deutung, in: HJb (1994/95) 64–82;Google Scholar
  32. Bernhard Böschenstein: Hölderlins ›Oedipus‹ — Hölderlins ›Antigonä‹, in: G. Kurz, V. Lawitschka, J. Wertheimer (Hg.): Hölderlin und die Moderne. Eine Bestandsaufnahme (Tübingen 1995) 224–239;Google Scholar
  33. weitere Literatur in den Fußnoten des Kapitels. 14 Jeremy Adler versucht den Aufbau der Anmerkungen und damit die Folge der Abschnitte unter den Oberbegriffen »Form«, »Content«, »Conclusion« zu fassen, in: On tragedy: »Notes on the Oedipus« and »Notes on the Antigone«. Friedrich Hölderlin. Translated with an introduction by Jeremy Adler, in: Comparative Criticism 5 (1983) 214;Google Scholar
  34. 17.
    Rémi Brague: Ein rätselhaftes Zitat über Aristoteles in Hölderlins ›Anmerkungen über Oedipus‹, in: H.-J. Gawoll, Ch. Jamme (Hg.): Idealismus mit Folgen. Die Epochenschwelle um 1800 in Kunst und Geisteswissenschaften. FS zum 65. Geburtstag von O. Pöggeler (München 1994) 72.Google Scholar
  35. 18.
    Schmidt, a.O. (2) 1390f weist auf: Johann Georg Hamann: Kreuzzüge des Philologen, in: Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe Bd. 2, hg. J. Nadler (Wien 1950) 188. Hamann erörtert insbesondere die Robinetsche These vom »Gleichgewichte des Bösen und Guten in der Natur. — Man muß sich ihren Schöpfer als einen Autor ohne Namen vorstellen, um dies sein Buch mit desto mehr Einsicht und Geschmack auslegen zu können«, a.O. 189.Google Scholar
  36. 19.
    Vgl. Friedrich Hölderlin: Sämtliche Werke Bd. 5, hg. von Norbert von Hellingrath, seit 1916 von F. Seebaß und L. v. Pigenot (Berlin 21923) 359;Google Scholar
  37. François Fédier (Hg.): Hölderlin: Remarques sur Oedipe / Remarques sur Antigone, ins Französische übersetzt und mit Anmerkungen versehen von F. Fédier (Paris 1965) 164f;Google Scholar
  38. Jochen Schmidt: Hölderlins später Widerruf in den Oden »Chiron«, »Blödigkeit« und »Ganymed« (Tübingen 1978) 144f, Anm. 45.Google Scholar
  39. 21.
    Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Grundlinien der Philosophie des Rechts, in: Werke in zwanzig Bänden (Theorie Werkausgabe), Redaktion E. Moldenhauer und Κ. M. Michel (Ff/M 1975) 7, 26.Google Scholar
  40. 28.
    Vgl. Anke Bennholdt-Thomsen, die eine Krisis des Naturbegriffs beim späten Hölderlin postuliert: Die Bedeutung der Titanen in Hölderlins Spätwerk, in: HJb 25 (1986/87) 226–254;Google Scholar
  41. 39.
    Vgl. Christian Meier: Die politische Kunst der Tragödie (München 1988).Google Scholar
  42. 40.
    Martin Luther: Vorlesung über den Römerbrief (1915–16), Corollarium ad Röm. 3,5, in: Werke. Kritische Gesamtausgabe Bd. 56 (Weimar 1938) 234;Google Scholar
  43. vgl. dazu die Betrachtung von Carl Heinz Ratschow: Von den Wandlungen Gottes, in: Von den Wandlungen Gottes. Beiträge zur systematischen Theologie. Zum 75. Geburtstag hg. C. Keller-Wentorf und M. Repp (Berlin, New York 1986) 117–139.CrossRefGoogle Scholar
  44. 47.
    Heraklit: Fr. Β 93, in: Fragmente. Griechisch und deutsch, hg. B. Snell (München 1965) 30f: ‘O άναξ, ου τò μαντεϊόν έστι το έν Δελφοΐς, ούτε λέγει ούτε κρύπτει άλλα σημαίνει.Google Scholar
  45. 51.
    So Hans Frey: Deutsche Sophoklesübersetzungen. Grenzen und Möglichkeiten des Übersetzens am Beispiel der Tragödie König Ödipus von Sophokles (Winterthur 1964) 165.Google Scholar
  46. 52.
    So auch Martin Heidegger: Hölderlins Hymne »Der Ister«. Freiburger Vorlesung SS 1942, hg. W. Biemel, in: Gesamtausgabe, II. Abt., Bd. 53 (Ff/M 1984) 144.Google Scholar
  47. 55.
    Zu Hölderlins Übersetzung der Verse vgl. Horst Turk: Hölderlins Sophoklesübersetzung. I: Das Beispiel Hölderlins, in: HJb 26 (1988/89) 248–268.Google Scholar
  48. 57.
    Vgl. Bernd Seidensticker: Beziehungen zwischen den beiden Oidipusdramen des Sophokles, in: Hermes 100 (1972) 255ff.Google Scholar
  49. 58.
    Sophokles: Antigone, hg. und übertragen von Wolfgang Schadewaldt, mit einem Aufsatz, Wirkungsgeschichte und Illustrationen (Ff/M 1974) 12.Google Scholar
  50. 59.
    Vittorio Hösle: Die Vollendung der Tragödie im Spätwerk des Sophokles. Ästhetisch-historische Bemerkungen zur Struktur der attischen Tragödie (Stuttgart-Bad Cannstatt 1984) 90.Google Scholar
  51. 65.
    Sabine Doering: Aber was ist diß? Formen und Funktionen der Frage in Hölderlins dichterischem Werk (Göttingen 1992) 324f, vgl. auch Anm. 38.Google Scholar
  52. 67.
    Die Zuschreibung des von Wilhelm Waiblinger überlieferten Textes In lieblicher Bläue … zum Œuvre Hölderlins ist nicht unumstritten, vgl. die neueren Arbeiten von Renate Böschenstein: Hölderlins Oedipus-Gedicht, in: HJb 27 (1990/91) 131–151 und Doering, a.O. 163–176, die die alleinige Autorschaft Hölderlins bezweifelt und den Text Waiblinger zuordnet. Die Ödipus-Betrachtungen im Text stammen, wenn auch möglicherweise nicht streng wortwörtlich, so doch zweifelsohne von Hölderlin.Google Scholar
  53. 69.
    Klaus Heinrich: Arbeiten mit Ödipus: Begriff der Verdrängung in der Religionswissenschaft. Dahlemer Vorlesungen Bd. 3, hg. H.-A. Kücken (Basel, Ff/M 1993) 154 erinnert daranGoogle Scholar
  54. daß Max Horkheimer und Theodor W. Adorno in ihrem Werk: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente (Ff/M 1979) nicht zuletzt Ödipus zum Modell nehmen, wenn sie das Umschlagen von Aufklärung mit dem Begriff des »Verblendungszusammenhangs« kennzeichnen.Google Scholar
  55. 70.
    Emil Staiger: Gipfel der Zeit. Studien zur Weltliteratur (Zürich, München 1979) 21 f.Google Scholar
  56. 73.
    Vgl. auch J. C. Kamerbeek: The Plays of Sophocles. Commentaries IV: The Oedipus Tyrannus (Leiden 1967) 24.Google Scholar
  57. 75.
    Zur Wirksamkeit der Auffassung, wonach die Tragödie ein Schicksalsdrama sei, vgl. Eric R. Dodds: On Misunderstanding the Oedipus Rex, in: Greece and Rome 13 (1966) 37–49;CrossRefGoogle Scholar
  58. 77.
    Vgl. auch Allster Cameron: The Identity of Oedipus the King. Five Essays (New York, London 1968) 17f;Google Scholar
  59. Helen F. North: Sophrosyne. Self-knowledge and Self-restraint in Greek Literature (Ithaca 1966) 64.Google Scholar
  60. 78.
    Jan Patočka: Exkurs über die attische Tragödie, in: Kunst und Zeit. Kulturphilosophische Schriften, hg. K. Nolten u. I. Srubar (Stuttgart 1987) 104.Google Scholar
  61. 81.
    Georg Picht: Wissen des Nichtwissens und Anamnesis. Der Übergang von Sokrates zu Platon, in: Wahrheit, Vernunft, Verantwortung. Philosophische Studien (Stuttgart 1969) 97, Hervorhebung H.H.;Google Scholar
  62. zur ursprünglichen Bedeutung des delphischen Spruches vgl. Wolfgang Schadewaldt: Der Gott von Delphi und die Humanitätsidee, in: Hellas und Hesperien Bd. 1 (Zürich, Stuttgart 21970) 676fGoogle Scholar
  63. »›Erkenne dich!‹ nämlich: erkenne dich, Mensch, als Sterblichen, in deiner Sterblichkeit: thnetón ónta« und Walter Burkert: Griechische Religion der archaischen und klassischen Periode (Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1977) 232: »erkenne, daß du kein Gott bist«.Google Scholar
  64. 83.
    Hans Diller: Göttliches und menschliches Wissen bei Sophokles, in: Gottheit und Mensch in der Tragödie des Sophokles. Vorträge von H. Diller, W. Schadewaldt u. A. Lesky (Darmstadt 1963) 1–28;Google Scholar
  65. Bernard W.M. Knox: Oedipus at Thebes (New Haven 1957) 116ffGoogle Scholar
  66. Simon Goldhill: Reading Greek Tragedy (Cambridge University Press 1986) 209 haben unterstrichen, daß Sophokles sich mit dem Vokabular, das er zur Darstellung der Wahrheitssuche im König Ödipus verwendet, als genauer Kenner der philosophischen Auseinandersetzungen seiner Zeit erweist.CrossRefGoogle Scholar
  67. 96.
    So der unter dem Namen des Homer überlieferte Apollon-Hymnos, Verse 131f, in: Homerische Hymnen. Griechisch und deutsch, hg. A. Weiher (München, Zürich 51986) 40.Google Scholar
  68. 97.
    von Hölderlins Zeitgenossen übersetzt Christian Graf zu Stolberg: Oedipus in Theben (1787), in: Christian und Friedrich Leopold Grafen zu Stolberg: Gesammelte Werke Bd. 13 (Hamburg 1823, ND Hildesheim, New York 1974) 157Google Scholar
  69. den Vers: »und im Staube / Liegt die Religion!«, Karl Wilhelm Ferdinand Solger: König Oedipus, in: Des Sophokles Tragödien. Erster Theil (Berlin 1808) 46 überträgt: »Hin sinket die Gottheit!«Google Scholar
  70. 98.
    Uvo Hölscher hat in dem klärenden Aufsatz: Wie soll ich noch tanzen?, in: Sprachen der Lyrik. FS für Hugo Friedrich zum 70. Geb., hg. E. Köhler (Ff/M 1975) 376–393, zit. 392, mit Bezug auf das zweite Stasimon entwickelt: »Die Verborgenheit der Götter ist der geschichtliche Augenblick der Sophokleischen Tragödie.«Google Scholar
  71. 99.
    Friedrich Wilhelm Joseph Schelling: Philosophie der Kunst (1802/03), in: Sämmtliche Werke I/5, hg. K. F. A. Schelling (Stuttgart, Augsburg 1859) 709.Google Scholar
  72. 103.
    Vgl. Wolfgang Schadewaldt: Zum zweiten Stasimon des König Ödipus, in: Hellas und Hesperien Bd. 1 (Zürich, Stuttgart 21970) 476–483.Google Scholar
  73. 106.
    Jacqueline de Romilly: Time in Greek Tragedy (Cornell University Press Ithaca, New York 1968) 89;Google Scholar
  74. 107.
    Vgl. Albrecht Seifert: Untersuchungen zu Hölderlins Pindar-Rezeption (München 1982) 283ff.Google Scholar
  75. 111.
    August Wilhelm Schlegel: Vorlesungen über dramatische Kunst und Literatur. 1. Teil, in: Kritische Schriften und Briefe V, hg. E. Lohner (Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1966) 92f.Google Scholar
  76. 112.
    vgl. Heisterhagen, a.O. (13) 118, und Jochen Schmidt, der mit Blick auf Antigonae, Verse 905f [875], zu dem Ergebnis kommt, ›Zorn‹ meine hier »die Katastrophe einer völligen Bewußtseinsleere«: Der Begriff des Zorns in Hölderlins Spätwerk, in: HJb 15 (1967/68) 155.Google Scholar
  77. 119.
    Vgl. Gerd Kremer: Strukturanalyse des Oidipus Tyrannos, Diss. (Tübingen 1963) 58.Google Scholar
  78. 125.
    Vgl. Wolfgang Schadewaldt: Die griechische Tragödie. Tübinger Vorlesungen Band 4, unter Mitwirkung von M. Schadewaldt hg. I. Schudoma (Ff/M 1991) 278ff.Google Scholar
  79. 131.
    vgl. auch den Art. ›geheuer‹, in: Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache (Berlin, New York 221989) 252.Google Scholar
  80. 134.
    Hans Jonas: Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation (Ff/M 1984) 18.Google Scholar
  81. Neben Jonas, a. O. 17, folgen dem Hölderlinschen Ubersetzungsvorschlag Emil Staiger: Sophokles: Tragödien. Deutsch von E. Staiger (Zürich 31962) 232Google Scholar
  82. Bertolt Brecht, in: Antigone: Sophokles, Euripides, Racine, Hölderlin, Hasenclever, Cocteau, Anouilh, Brecht, hg. J. Schondorff. Mit einem Vorwort von K. Kerényi (München, Wien 1966) 355 und Schadewaldt, a. O. (58) 23. Martin Heidegger zieht mit Karl Reinhardt den Ausdruck »unheimlich« vor: Brief an K. Jaspers vom 1.7.1935 [=Nr. 120], in: Briefwechsel: 1920–1963 / M. Heidegger;Google Scholar
  83. 138.
    Friedrich Schiller: Vom Erhabenen, in: Schillers Werke. Nationalausgabe, Bd. 20: Philosophische Schriften, unter Mitwirkung von H. Koopmann hg. B. v. Wiese (Weimar 1962) 177. Der Aufsatz entfaltet sehr eindrücklich den Kantisch-Schillerschen Horizont des Begriffes der »Naturmacht«, den Hölderlin transformiert.Google Scholar
  84. 139.
    Roland Reuß: »…/ Die eigene Rede des andern«. Hölderlins Andenken und Mnemosyne (Ff/M 1990) 592.Google Scholar
  85. 141.
    Friedrich Wilhelm Joseph Schelling: Philosophische Briefe über Dogmatismus und Kriticismus (1795), in: Werke 3, hg. H. Buchner, W. G. Jacobs u. A. Pieper (Stuttgart 1982) 108, Anm. A.Google Scholar
  86. 146.
    Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Bd. 1 (Leipzig 1854) 1310.Google Scholar
  87. 147.
    Johann Christoph Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der Oberdeutschen, Bd. 2: F-L (Wien 1811) 53.Google Scholar
  88. 148.
    Uwe Beyer: Mythologie und Vernunft. Vier philosophische Studien zu Hölderlin (Tübingen 1993) 108;CrossRefGoogle Scholar
  89. 157.
    vgl. Hermann Fränkel: ΕΦΗΜΕΡΟΣ als Kennwort der menschlichen Natur, in: Wege und Formen frühgriechischen Denkens, hg. F. Tietze (München 1955) 34f.Google Scholar
  90. 161.
    Aischylos: Sieben gegen Theben, Verse 779ff. Die zitierte Übersetzung stammt von Wolfgang Schadewaldt: Griechisches Theater. Aischylos, Sophokles, Aristophanes, Menander, deutsch von W. Schadewaldt (Ff/M 1983) 90. Die Scholien der Brubachiana erklären zu Vers 1208 [1183]: άπορήσας γαρ ξίφους, εαυτόν έτύφλωσεν.Google Scholar
  91. 162.
    vgl. Martin Heidegger: Einführung in die Metaphysik (Tübingen 1953) 81 im Anschluß an die Sophokles-Interpretation von Karl Reinhardt: »Schritt für Schritt muß er (sc. Ödipus) dabei sich selbst in die Unverborgenheit stellen, die er am Ende nur so erträgt, daß er sich selbst die Augen aussticht, d. h. sich aus allem Licht herausstellt, verhüllende Nacht um sich schlagen läßt und als ein Geblendeter dann schreit, alle Türen aufzureißen, damit dem Volk ein solcher offenbar werde, der er ist.«Google Scholar
  92. 164.
    Bernd Seidensticker: Die Wahl des Todes bei Sophokles, in: Sophocle. Entretiens sur l’ antiquité classique XXIX (Genf 1983) 110f.Google Scholar
  93. 166.
    Einen guten Überblick über die bisherigen Kommentare zur Stelle gibt: Jean Bollack: L’Oedipe roi de Sophocle. Le texte et ses interprétations, Bd. III (Lille 1990) 867–874.Google Scholar
  94. 179.
    Vgl. Charles Segal: Tragedy and Civilization. An Interpretation of Sophocles (Cambridge, Massachusetts, London 1981) 207ff;Google Scholar
  95. 181.
    Vgl. Kurt Latte: Schuld und Sünde in der griechischen Religion, in: Kleine Schriften zu Religion, Recht, Literatur und Sprache der Griechen und Römer, hg. O. Gigon, W. Buchwald, W. Kunkel (München 1968) 19.Google Scholar
  96. 184.
    Vgl. Friedrich Nietzsche: Zur Genealogie der Moral (1887), in: Werke. Kritische Gesamtausgabe VI/2, hg. G. Colli, M. Montinari (Berlin, New York 1968) 311: »›Man brennt Etwas ein, damit es im Gedächtniss bleibt: nur was nicht aufhört, weh zu thun, bleibt im Gedächtniss‹ — das ist ein Hauptsatz aus der allerältesten (leider auch allerlängsten) Psychologie auf Erden.«Google Scholar
  97. 189.
    Sigmund Freud: Die Traumdeutung, in: Gesammelte Werke II/III, hg. A. Freud u.a. (London 1948) 268.Google Scholar
  98. 191.
    vgl. auch Eva Kocziszky: »Wenn einer in den Spiegel siehet… «. Hölderlin und das Oedipus-Drama, in: Recherches Germaniques 25 (1995) 147–155.Google Scholar
  99. 198.
    Zum Begriff vgl. Anke Bennholdt-Thomsen: Auf der Suche nach dem Erinnerungsort, in: Celan-Jahrbuch 2 (1988) 7–28.Google Scholar
  100. 199.
    Michele Simondon: La mémoire et l’oubli dans la pensée grecque jusqu’à la fin du Ve siècle avant J.-C. (Paris 1982) 200, Anm. 22;Google Scholar
  101. 202.
    Walter Bröcker: Zu Hölderlins Ödipus-Deutung, in: Martin Heidegger zum siebzigsten Geburtstag. 26. September 1959, Festschrift hg. G. Neske (Tübingen 1959) 23. Bröcker geht auch später von der falschen These aus, für Hölderlin sei Gott und Zeit in der Tragödie des König Ödipus identisch, vgl.: Der Gott des Sophokles (Ff/M 1971) 29.Google Scholar
  102. 203.
    Gerhard Kurz: Poetik und Geschichtsphilosophie der Tragödie bei Hölderlin, in: Text & Kontext 5.2 (1977) 24: »Eine … ruinöse Dialektik der Unmittelbarkeit kommt in Gang, wenn die Differenzen zwischen Natur und Kunst in Begierde nach Unmittelbarkeit aufgehoben werden«.Google Scholar
  103. 213.
    Zu Aristoteles’ Begriff der ›Peripetie‹ vgl. Bernd Seidensticker: Peripetie und tragische Dialektik, in: Antike Dramentheorien und ihre Rezeption, hg. B. Zimmermann (Stuttgart 1992) bes. 242–253.Google Scholar
  104. 214.
    Vgl. Anaximander: Fr. Β 1, in: H. Diels/W. Kranz (Hg.): Die Fragmente der Vorsokratiker, griechisch und deutsch (Berlin 81956) I, 89, der den Prozeß des Entstehens und Vergehens in der Zeit als eine tragisch zu nennende, notwendige Reaktionsform von Ungerechtigkeit und Buße perspektiviert.Google Scholar
  105. 216.
    Vgl. zum Begriff der ›Kosmologie‹ Th.C.W. Oudemans/A.P.M.H. Lardinois: Tragic Ambiguity. Anthropology, Philosophy and Sophocles’ Antigone (Leiden, New York, Kopenhagen, Köln 1987) bes. 29ff. 201–203.Google Scholar
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    Helmut Bachmaier: Hölderlins Erinnerungsbegriff in der Homburger Zeit, in: Homburg vor der Höhe in der deutschen Geistesgeschichte, hg. Ch. Jamme, O. Pöggeler (Stuttgart 1981) 154f;Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1997

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  • Helmut Hühn

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