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Heinrich von Kleist im Kontext romantischer Ästhetik

  • Friedrich Strack
Chapter
Part of the Kleist-Jahrbuch book series (KLJA)

Zusammenfassung

Im seinem Aufsatz »Ironischer Idealismus« (1976) hat Wolfgang Binder Heinrich von Kleist eine »unwillige Zeitgenossenschaft« attestiert.1 »Unwillig« nennt Binder Kleists Beziehung zu seinen Mitstreitern und Konkurrenten, weil sein Werk »im Zeichen eines idealistischen Denkens« stehe, zu dem er selbst »kein Zutrauen« mehr fassen könne. Gleichwohl sei Kleist genötigt, die »Kategorien [dieses Denkens] samt der dazugehörigen Sprache zu verwenden, weil ihm andere nicht zur Verfügung« stünden.2

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Notizen

  1. 1.
    Wolfgang Binder, Ironischer Idealismus. Kleists unwillige Zeitgenossenschaft. In: W.B., Aufschlüsse. Studien zur deutschen Literatur. Zum 60. Geburtstag von Wolfgang Binder […] hg. von Rolf Tarot, Zürich und München 1976, S. 311–329.Google Scholar
  2. 5.
    So der Titel seines »Aufsatzes« von 1799. Vgl. Sembdner II, S. 301–315. Hier und im folgenden werden Kleists Werke zitiert nach: Helmut Sembdner (Hg.), Heinrich von Kleist. Sämtliche Werke und Briefe, 2 Bde., Zweite, vermehrte und auf Grund der Erstdrucke und Handschriften völlig revidierte Auflage, München 1961. Zitatnachweise im Text (Bd., S.).Google Scholar
  3. 6.
    Dazu insbesondere: Ernst Cassirer, Heinrich von Kleist und die kantische Philosophie. In: ders., Idee und Gestalt, Berlin 1921; — Ludwig Muth, Kleist und Kant. Versuch einer neuen Interpretation, Köln 1954 (= Kantstudien. 68. Ergänzungsheft);Google Scholar
  4. -Johannes Hoffmeister, Beitrag zur sogenannten Kantkrise Heinrich von Kleists. In: DVjs 33, 1959, S. 574–587.CrossRefGoogle Scholar
  5. 10.
    Zu den vielfältigen und verschiedenartigen Annäherungsversuchen an die Romantik vgl. insbesondere: Eudo C. Mason, Deutsche und englische Romantik, Göttingen 1959;Google Scholar
  6. — Arthur Henkel, Was ist eigentlich romantisch? In: ders., Der Zeiten Bildersaal. Studien und Vorträge, Stuttgart 1983, S. 93–106.CrossRefGoogle Scholar
  7. (Erstdruck in: Festschrift für Richard Alewyn. Hg. von Herbert Singer und Benno von Wiese, Köln und Graz 1967, S. 282–308);Google Scholar
  8. — Gerhart Hoffmeister, Deutsche und europäische Romantik, Stuttgart 1978;CrossRefGoogle Scholar
  9. — Richard Brinkmann (Hg.), Romantik in Deutschland. Ein interdisziplinäres Symposium, Stuttgart 1978Google Scholar
  10. (= DVjs Sonderband) Ernst Ribbat (Hg.), Romantik. Ein literaturwissenschaftliches Studienbuch, Frankfurt 1979;Google Scholar
  11. — Helmut Schanze (Hg.), Romantik-Handbuch, Stuttgart 1994;Google Scholar
  12. — Gerhard Neumann (Hg.), Romantisches Erzählen, Würzburg 1995.Google Scholar
  13. 12.
    Erich Ruprecht, Der Aufbruch der romantischen Bewegung, München 1948, S. 9 ff.Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. dazu: Helmut Sembdner (Hg.), Heinrich von Kleists Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen. Vom Herausgeber überarbeitete und erweiterte Ausgabe, München 1969.Google Scholar
  15. 18.
    Ernst Kayka, Kleist und die Romantik, Berlin 1906, S. 155.Google Scholar
  16. 20.
    Walter Müller-Seidel, Kleists Weg zur Dichtung. In: Die deutsche Romantik, hg. von Hans Steffen, Göttingen 1967, S. 112–133.Google Scholar
  17. 23.
    Jochen Schmidt, Heinrich von Kleist. Studien zu seiner poetischen Verfahrensweise, Tübingen 1974, S. 212 ff.CrossRefGoogle Scholar
  18. 25.
    Wolfgang Wittkowski, ›Die Heilige Cäcilie‹ und ›Der Zweikampf‹ Kleists Legenden und die romantische Ironie. In: Colloquia Germanica, 1972, S. 17–58. Eine neue Interpretation der ›Heiligen Cäcilie‹, die allerdings die romantische Zeitgenossenschaft Kleists wenig betrifft, hat Gerhard Neumann vorgelegt: Eselsgeschrei und Sphärenklang. Zeichensystem der Musik und Legitimation der Legende in Kleists Novelle ›Die Heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik‹. In: ders. (Hg.), Heinrich von Kleist. Kriegsfall — Rechtsfall — Sündenfall, Freiburg 1994, S. 365–389.Google Scholar
  19. 29.
    So formuliert prägnant: Ingrid Strohschneider-Kohrs, Zur Poetik der deutschen Romantik II: Die romantische Ironie. In: Die deutsche Romantik (wie Anm. 20), S. 87. -Vgl. weiterhin die große Monographie von Strohschneider-Kohrs: Die romantische Ironie in Theorie und Gestaltungen, Tübingen 1960, wo allerdings die Prägnanz des romantischen Ironiebegriffs durch eine (zu) breite Anwendung verlorengeht. — Zusammenfassend vgl. weiterhin: Helmut Prang, Die romantische Ironie, Darmstadt 1972.Google Scholar
  20. 31.
    Bettina Schulte, Unmittelbarkeit und Vermittlung im Werk Heinrich von Kleists, Göttingen/Zürich 1988.Google Scholar
  21. 35.
    Vgl. Hans Joachim Kreutzer, Traum und Cherub. Über Kleists ›Käthchen von Heil-bronn‹. Vortrag am 10. Oktober 1995 in der Stadtbücherei Heilbronn, Heilbronn 1995, S. 15 ff.Google Scholar
  22. 43.
    Thomas Mann spricht von einem »romantischen und sittlich nicht einwandfreien geheimen Liebeskult«, sogar von einem »permanenten seelischen Ehebruch« Elvires. — Vgl. Thomas Mann, Heinrich von Kleist und seine Erzählungen (1954). In: ders., Gesammelte Werke in dreizehn Bänden, Bd. 9: Reden und Aufsätze, Frankfurt/M. 1960, S. 835.Google Scholar
  23. 44.
    Einige von »Kleists erzählerische[n] Repliken auf Goethes › Wilhelm Meister‹« hat Anthony Stephens jüngst in seinem gleichnamigen Aufsatz aufgedeckt (in: Gerhard Neumann [Hg.], Romantisches Erzählen, Würzburg 1995, S. 207–217). Überzeugend deutet Stephens Kleists ›Findling‹ als experimentelle »Versuchsanordnung«, in der das traditionelle Muster des Bildungsromans (insbesondere des ›Wilhelm Meisten) destruiert werde. Leider geht der Verfasser in diesem Zusammenhang nicht auf die parodistische Bearbeitung der religiösen »Bild«-Thematik ein, die im sechsten Buch des ›Wilhelm Meister‹ breit entfaltet wird. Von ihr her ist Kleists Verhältnis zu Goethe (auch über Katharina Mommsen hinaus) neu zu bestimmen.Google Scholar
  24. 56.
    Allerdings wird die ›Wiener Zeitung‹ auch im ›Museum‹ als Quelle genannt, jedoch ganz am Ende. Kleist hat also nichts fingiert, sondern nur eine Umstellung vorgenommen. Vollständig lautet die Quellenangabe im ›Museum des Wundervollen oder Magazin des Außerordentlichen in der Natur, der Kunst und im Menschenleben‹: »Wiener Zeitung vom 30. July 1803, aus der Preßburger Zeitung aus einem Briefe aus Oedenburg vom 20. July 1803.« — Vgl. Helmut Sembdner, Die Berliner Abendblätter Heinrich von Kleists, ihre Quellen und ihre Redaktion, Berlin 1939, S. 251. — An der erweiterten Angabe des ›Museums‹ wird deutlich, daß es sich wohl um die Beglaubigung der Beglaubigung einer Beglaubigung handelt, — ein beliebtes Verfahren zur Fiktion einer Quelle im Zeitalter der Romantik. (Vgl. Achim von Arnims Reisebericht des Taurinius gegen Ende der ›Isabella von Ägypten‹). Indem Kleist eine Zeitungsquelle auswählt (mit Datum), wird sogleich Authentizität suggeriert.Google Scholar
  25. 63.
    Vgl. Heinrich Aretz, Heinrich von Kleist als Journalist. Untersuchungen zum ›Phöbus‹, zur ›Germania‹ und den ›Berliner Abendblättern‹, Stuttgart 1983, S. 190 ff., insbesondere S. 281.Google Scholar
  26. 65.
    Regina Ogorek, Adam Müllers Gegensatzphilosophie und die Rechtsausschweifungen des Michael Kohlhaas. In: Kleist-Jahrbuch 1988/89, S. 106.Google Scholar
  27. 70.
    Daß der ›Phöbus‹ selbst nach dem »gegensätzischen« Prinzip komponiert ist, hat Ernst Osterkamp eindrucksvoll herausgearbeitet. Vgl. ders., Das Geschäft der Vereinigung. Über den Zusammenhang von bildender Kunst und Poesie im ›Phöbus‹. In: Kleist-Jahrbuch 1990, S. 51–70.Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1996

Authors and Affiliations

  • Friedrich Strack

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