Advertisement

Diskussionsbericht

  • Michael Kohlhäufl
Chapter
  • 59 Downloads
Part of the Kleist-Jahrbuch book series (KLJA)

Zusammenfassung

Im Mittelpunkt der Diskussion standen im Hinblick auf eine Charakteristik und die theoretischen Grundlagen von Kleists Orientmotivik der Begriff des »Exzessiven« und der Einfluß der Klimatheorie. Jochen Schmidt schlug »das Exzessive« als Oberbegriff für Kleists Orientalismus vor, und zwar sowohl für das Motiv exube-ranter Sinnenlust als auch für das des Despotismus. Kleist habe sich an einer Traditionslinie orientiert, die sich von Winckelmann und Rousseau herleite und auf dem antiken, antithetischen Grundschema Maß-Maßlosigkeit beruhe. Während bei Winckelmann das Griechische auch das Maßvolle repräsentiere — in Opposition zum Maßlosen des Orientalischen -, setze Rousseau Europa als maßvolle »mittlere Zone« dem Orientalischen und Asiatischen entgegen. In Kleists ›Penthesilea‹ sei eine vergleichbare Konstellation zwischen dem Persisch-Exzessiven der Amazonen und dem durch Odysseus vertretenen Griechischen zu beobachten. Daran anknüpfend wies Barbara Bauer auf die Bedeutung der Klimatheorie hin; für Kleists assoziative Verbindung des Orientalischen mit dem Despotischen habe Montesquieu eine anthropologische Grundlegung geboten. Wenn in der ›Hermannsschlacht‹ der Cheruskerfürst mit einem weisen Derwisch verglichen werde, sei dies Indiz dafür, daß der traditionelle Gegensatz Antike-Barbarei zugunsten einer Überlegenheit des germanischen Nationalcharakters umgekehrt werde. Die Referentin verwies im Zusammenhang der Klimatheorie dezidiert auf ihre Ausführungen über den maßgeblichen Einfluß Wielands, insbesondere auf die Bedeutung des Lehrgedichts ›Die Natur der Dinge‹ für Kleists ›Gebet des Zoroaster‹; gerade bei Wieland zeige sich der Unterschied zwischen dem utopisch konnotierten Fernen Osten, z.B. im ›Golde-nen Spiegels und dem Nahen Osten als von Despotie gekennzeichneten »Kontrastraum«.

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1996

Authors and Affiliations

  • Michael Kohlhäufl

There are no affiliations available

Personalised recommendations