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Persien im märkischen Sand

Kleists Bild vom Orient
  • Sabine Doering
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Part of the Kleist-Jahrbuch book series (KLJA)

Zusammenfassung

»lm Orient müssen wir das Höchste Romantische suchen«. Diese Überzeugung Friedrich Schlegels, die er in seinem ›Gespräch über die Poesie‹ formulierte,1 markiert im Jahr 1800 einen der Höhepunkte deutscher Orientbegeisterung. Zwei Jahre später ging Schlegel nach Paris, um dort, im Zentrum der europäischen Orient-Forschung, neben dem Persischen vor allem Sanskrit zu erlernen. 1808, im Jahr seiner Konversion, veröffentlichte er die Studie ›Über die Sprache und Weisheit der Indien, die neben Goethes › West-östlichem Divan‹ zu den bekanntesten Werken dieser Epoche über den Orient gehört.2 Im selben Jahr erschienen im ›Phöbus‹ »Fragmente« aus Kleists romantischstem Drama, dem ›Käthchen von Heilbronn‹. Die zeitliche Nähe zu Schlegels orientalischen Studien scheint durch eine inhaltliche Nachbarschaft ergänzt zu werden: Gleich zu Beginn rühmt der alte Friedeborn Käthchens Schönheit und beteuert, daß ihr das ganze Morgenland huldigen könnte (I, S. 433);3 am Anfang des 2. Aktes vergleicht Graf Wetter vom Strahl in seinem überschwenglichen Dialog das junge Mädchen mit der »Braut eines Perserkönigs« (I, S. 454). Bei allen Differenzen stimmen der Vater Käthchens und der Graf also darin überein, daß sie zur Beschreibung ihrer Anziehungskraft auf vorgeprägte Bilder von orientalischer Schönheit zurückgreifen.

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Notizen

  1. 5.
    Die Bedeutung der Indienreisen für die Frühe Neuzeit untersucht umfassend die Habilitationsschrift von Gita Dharampal-Frick, Indien im Spiegel deutscher Quellen der Frühen Neuzeit (1500–1750). Studien zu einer interkulturellen Konstellation, Tübingen 1994.CrossRefGoogle Scholar
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    Andrea Fuchs-Sumiyoshi, Orientalismus in der deutschen Literatur. Untersuchungen zu Werken des 19. und 20. Jahrhunderts, von Goethes ›West-östlichem Divan‹ bis Thomas Manns ›Joseph‹-Tetralogie, Hildesheim 1984, S. 5.Google Scholar
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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1996

Authors and Affiliations

  • Sabine Doering

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