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Diskussionsbericht

  • Peter Michelsen
  • Peter Philipp Riedl
Chapter
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Part of the Kleist-Jahrbuch book series (KLJA)

Zusammenfassung

Die Diskussion wurde wesentlich bestimmt von der Frage nach der Göttlichkeit Jupiters, dem Lustspiel-Charakter des ›Amphitryon‹ sowie von den Bezügen des Stückes zu den philosophischen Diskursen um 1800, insbesondere dem deutschen Idealismus. Auf eine Frage von Hans-Jochen Marquardt, ob es sich bei ›Amphi-tryon‹ um eine Zurücknahme oder um eine Ehrenrettung der Aufklärung handele, erwidert Michelsen, daß Kleist das Identitätsproblem in einer Weise radikalisiere, die so im Aufklärungsjahrhundert nicht möglich gewesen wäre. Jochen Schmidt stellte daraufhin die Frage, ob Jupiter als Gott im frühen 19. Jahrhundert überhaupt noch ernst genommen werden konnte. Plautus habe Jupiter noch als Gott wahrnehmen können. Bei Molière sei Jupiter bereits eine Metapher des »Roi soleil«. In den zwanziger und dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts, so Schmidt weiter, sei der ›Amphitryon‹ wegen des Götterproblems auf breite Ablehnung gestoßen; Schmidt zitiert in diesem Zusammenhang Alfred Kerr, der mit Blick auf Kleists Drama gesagt habe, zu dieser Liebe führe für ihn kein Fahrstuhl. Ähnlich ablehnend habe sich Gottfried Benn geäußert. »Dahinter stand die Überlegung: Kein Gott kommt«, betont Schmidt. Um 1800 habe sich das bereits ganz ähnlich verhalten. »Gibt es denn einen Gott, der einen Menschen in seiner Identität irremachen kann?« spitzt Schmidt seine Frage zu. Müsse man nicht vielmehr den Gott als Metapher für irgend etwas anderes lesen? Michelsen entgegnet mit dem Hinweis auf die zahlreichen christlichen Anspielungen im Drama. Entscheidend sei freilich die Kleist außerordentlich bedrängende Frage nach der Wirklichkeit des Gegebenen. Erst dadurch, daß der Gott als Gott vorgestellt werde, gerate der Mensch tatsächlich in seine Identitätskrise. Eine »reine Spielfigur« könne das nicht leisten. Demgegenüber zweifelt auch Gerhard Kurz an der Göttlichkeit Jupiters: »Dieser Gott hat keine Macht mehr.«

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1996

Authors and Affiliations

  • Peter Michelsen
  • Peter Philipp Riedl

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