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Umnachtung durch das Licht

Zu Kleists Amphitryon
  • Peter Michelsen
Chapter
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Part of the Kleist-Jahrbuch book series (KLJA)

Zusammenfassung

Der Mythos der Geburt des Herakles läßt — wie der der Geburt Christi — die neugierige oder gar skeptische Frage nach der Rolle der beiden Erzeuger nicht zu. Erst die Blickrichtung auf das Zeugungsgeschehen selbst führte über eine zuerst tragische und tragikomische Behandlung des Stoffes zur Betonung der Personenverwechslung, die — sobald man den Gott nurmehr als Spielfigur und nicht mehr als numinoses Wesen empfand — zur Quelle der Komik werden konnte. In diesem Sinne hatte Molière in seiner Gesellschaftskomödie einerseits die Götter ihrer religiösen Funktionen beraubt — sie haben sich an die Schicklichkeit zu halten, »garder le décorum de la divinité« — und andererseits die Gestalt der Alkmene in den Hintergrund gedrängt, um Probleme einer Identitätskrise gar nicht erst aufkommen zu lassen. Kleist macht beide Vorgänge rückgängig und geht über die Rückgängigmachung noch hinaus. Der Stoff erlaubt ihm, eine ihn seit der ›Familie Schroffenstein‹ bedrängende Frage in verschärfter Radikalität zu stellen: die Frage nach der Gewißheit des Gegebenen; er bezieht sie hier sogar auf das scheinbar ganz unzweifelhaft im Selbstbewußtsein gegebene eigene Ich.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1996

Authors and Affiliations

  • Peter Michelsen

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