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»Des wunderlichen Wünsch seltsame Reduktion …«

Christian Ernst Wünsch, Kleists unzeitgemäßer Zeitgenosse
  • Christoph Meinel
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Part of the Kleist-Jahrbuch book series (KLJA)

Zusammenfassung

Daß Bilder und Beispiele aus der Naturwissenschaft im Werk von Kleist eine gewisse Rolle spielen, ist bekannt. Für die Forschung ergeben sich daraus zwei Fragen: die nach der poetischen Funktion der naturkundlichen Stichworte1 und die nach der Herkunft der fachwissenschaftlichen Kenntnisse. Letztere richtet sich an die Wissenschaftsgeschichte, und von dieser her soll hier einer Spur nachgegangen werden, die zu Kleists erstem akademischen Lehrer führt, dem Frankfurter Physik-und Mathematikprofessor Christian Ernst Wünsch (1744–1828). Sein Einfluß auf Kleist ist in der Forschung unterschiedlich gewichtet worden; doch rangiert sein Name immerhin an recht prominenter Stelle unter den spärlichen Selbstzeugnissen zum Bildungsgang des jungen Kleist, und Wünschs ›Kosmologische Unterhaltungen‹ sind das einzige Buch, das dieser in den Briefen aus der Studienzeit ausdrücklich erwähnt.

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Notizen

  1. 1.
    Vgl. die überzogene These von Herminio Schmidt, Heinrich von Kleist. Naturwissenschaft als Dichtungsprinzip, Bern und Stuttgart 1978.Google Scholar
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  3. 2.
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