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„Die Hauptstadt von Sebastian Bach“

Berliner Bach-Traditionen zwischen Klassik und Romantik
  • Arno Forchert
Chapter

Zusammenfassung

In den Vertrauten Briefen an August Lewald berichtet der junge Heinrich Heine von seiner ersten Begegnung mit Meyerbeer in Berlin. Er habe den Komponisten in Gegenwart einer Gesellschaft angetroffen, zu der auch Adolf Bernhard Marx, der Redakteur der Berliner Allgemeinen musikalischen Zeitung, gehörte, und ihm zu dem großen Erfolg seines Crociato in Egitto gratuliert, einer Oper, die damals überall in Europa gefeiert wurde. Daraufhin habe ihm Meyerbeer, selbst ein Berliner, wehmütig lächelnd geantwortet: „Sie kompromittieren sich, wenn Sie mich armen Italiener hier in Berlin loben, in der Hauptstadt von Sebastian Bach.“ Heines Begegnung mit Meyerbeer fand im Frühjahr 1829 statt, zu der Zeit also, als Mendelssohns Aufführung der Matthäus-Passion, die häufig, ob zu Recht oder Unrecht, als Geburtsstunde der Bach-Renaissance im 19. Jahrhundert betrachtet wird, das Tagesgespräch der gebildeten Kreise Berlins war. Selbst wenn man daran denkt, daß zur gleichen Zeit nicht nur Bach, sondern auch Paganini bei den Berlinern Furore machte, so mochte Meyerbeers Eindruck dennoch nach dem, was dieser Aufführung vorangegangen war und was ihr in einer allerdings relativ kurzen Zeit danach noch folgte, vielleicht verständlich sein; zu fragen wäre aber: War er auch zutreffend? War Berlin auch vorher schon die „Hauptstadt Bachs“, und wenn ja, seit wann und in welchem Sinne?

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1996

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  • Arno Forchert

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