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Der Liberalismus und die Neutralität des Staates

  • Charles E. Larmore
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Zusammenfassung

Im ersten Kapitel des vorliegenden Buches habe ich die Auffassung vertreten, daß die moderne Ethik durch ihre Vernachlässigung der Urteilskraft mit der Komplexität der Phänomene, mit denen sie sich befassen sollte, nicht hat fertig werden können. Wir sollten daher die Bemerkung des Aristoteles ernster nehmen, daß wir in der Ethik unser Verlangen nach einem System jeweils auf das abzustimmen haben, was der Gegenstand hergibt.1

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Anmerkungen

  1. 1.
    Aristoteles: Nikomachische Ethik, a.a.O., Buch 1, Kapitel 3.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. Max Weber: Wirtschaft und Gesellschaft, a.a.O., S. 198, 505, 826.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. Michael Oakeshott: Rationalism in Politics and Other Essays, London 1962, S. 1–36.Google Scholar
  4. 4.
    Meine Sympathie ist also eindeutig eher auf seiten der juridischen als auf seiten der an einem staatsbürgerlichem Humanismus orientierten (neoaristotelischen) Tradition des modernen politischen Denkens. Vgl. zu dieser Unterscheidung J.G.A. Pocock: Virtue, Commerce, and History, Cambridge 1985, S. 37–50.Google Scholar
  5. 5.
    Diese These wird von Brian Barry übersehen, wenn er behauptet, daß politische Neutralität unmöglich ist. Vgl. Brian Barry: Political Argument, London 1965, S. 75–79.Google Scholar
  6. 6.
    vgl. John Rawls: A Theory of Justice, Cambridge, Mass. 1971; dt.: Eine Theorie der Gerechtigkeit, Frankfurt a.M. 1991, S. 96–104.Google Scholar
  7. 7.
    Vgl. die brillante Erörterung dieser gleichzeitigen Zunahme von Individualrechten und staatlicher Macht bei Emile Dürkheim: Leçons de sociologie, Paris 1950, S. 91–99.Google Scholar
  8. 8.
    Vgl. Isaiah Berlin »Two Concepts of Liberty« in: Four Essays on Liberty, a.a.O., S. 118–162. Als typisch für die Kritik an Berlin kann gelten Charles Taylor »What’s Wrong with Negative Liberty« in: Philosophical Papers, Bd. 2, Cambridge 1985, S. 211–229.Google Scholar
  9. 9.
    Die besten Erörterungen der politischen Bedeutung der Öffentlichkeit finden sich bei Hannah Arendt: The Human Condition, Chicago 1958; dt.: Vita activa oder Vom tätigen Leben, Stuttgart 1960 sowie bei Jürgen Habermas: Strukturwandel der Öffentlichkeit, Neuwied und Berlin 1962.Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. Henry Sidgwick: The Methods of Ethics, 7. Aufl., London 1907, S. 395ff.Google Scholar
  11. 11.
    Vgl. Bruce A. Ackerman: Social Justice in the Liberal State, New Haven 1980, S. 11ff. Acker mans vierte und letzte Argumentation besagt: Selbst wenn man zu wissen glaubt, was das gute Leben ist, und selbst wenn man erkannt zu haben meint, daß es anderen aufgezwungen werden darf, kann man nicht sicher sein, ob denn jeweils die richtigen Leute solchen Zwang ausüben. Mir erscheint dieses Argument eher schwach. Denn oft kann man sich dessen in der Tat sicher sein. Und selbst wenn es einem etwas zweifelhaft erschiene, wäre es zumutbar, das Risiko einzugehen. Darüber hinaus könnten gesetzliche Regelungen geschaffen werden, um die Wahrscheinlichkeit eines Machtmißbrauchs zu verringern.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. Ackerman, a.a.O., S. 196. Ackerman scheint sich dieses Umstands bewußt zu sein; denn er hat jüngst die Auffassung vertreten, daß es »ein Kategorienfehler wäre, anzunehmen, es könne eine neutrale Rechtfertigung für die Praxis neutraler Rechtfertigung geben.« Ackerman »What ist Neutral about Neutrality?«, in: Ethics, 93 (January 1993) S. 371–390, hier: S. 387. Mit dieser Auffassung stimme ich nicht überein.Google Scholar
  13. 13.
    Ich habe nur den plausibelsten Teil der Argumentation von Habermas skizziert. (Er behauptet darüber hinaus, ohne daß dies plausibel wäre, die Verpflichtung auf eine ideale Verständigungssituation liege einfach im Gebrauch der Sprache.) Vgl. zum Begriff der idealen Sprechsituation Habermas: Vorstudien und Ergänzungen zur Theorie des kommunikativen Handelns, Frankfurt a.M. 1984, insbes. S. 104–126.Google Scholar
  14. 14.
    Vgl. zur Konsensustheorie der Wahrheit Habermas »Wahrheitstheorien«, in: Vorstudien und Ergänzungen zur Theorie des kommunikativen Handelns, a.a.O., S. 127–183.Google Scholar
  15. 15.
    Vgl. beispielsweise Jürgen Habermas und Niklas Luhmann: Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie — Was leistet die Systemforschung?, Frankfurt a.M. 1971, S. 115; Habermas: Vorstudien und Ergänzungen zur Theorie des kommunikativen Handelns, a.a.O., S. 122f. und Habermas: Theorie und Praxis, Frankfurt a.M. 1971, S. 25.Google Scholar
  16. 16.
    Vgl. etwa Steven Lukes »Of Gods and Demons: Habermas and Practical Reason«, in: J.B. Thompson und D. Held (hg.): Habermas: Critical Debates, Cambridge, Mass. 1982, S. 139f. sowie Raymond Geuss: The Idea of a Critical Theory, Cambridge 1981, S. 66f.Google Scholar
  17. 17.
    Vgl. Habermas: Theorie des kommunikativen Handelns, Frankfurt a.M. 1981, Bd. 2, S. 589: »Erst unter dem Situationsdruck eines auf uns zukommenden Problems werden relevante Bestandteile eines solchen Hintergrundwissens aus dem Modus der fraglosen Vertrautheit herausgerissen und als etwas der Vergewisserung Bedürftiges zu Bewußtsein gebracht…Auch in solchen Situationen wird nur ein kleiner Ausschnitt des Hintergrundwissens ungewiß, aus seiner Einschließung in komplexe Überlieferungen, solidarische Beziehungen und Kompetenzen herausgelöst. Das Hintergrundwissen wird, wenn ein objektiver Anlaß gegeben ist, uns über eine problematisch gewordene Situation zu verständigen, nur Stück für Stück in explizites Wissen transformiert.« Vgl. ferner Habermas »Replik auf Einwände«, in: Vorstudien und Ergänzungen zur Theorie des kommunikativen Handelns, a.a.O., S. 475–570, hier: S. 528f.Google Scholar
  18. 18.
    Auch Dworkin bringt die Idee der Neutralität mit der des gegenseitigen Respekts in Verbindung, ohne allerdings zu fragen, warum »die Regierung sie [die Bürger] nicht gleich behandelt, wenn sie eine Konzeption des guten Lebens einer anderen vorzieht.« Ronald Dworkin »Liberalism«, in: Stuart Hampshire (hg.): Public and Private Morality, Princeton 1978, S. 127. Und gerade das versuche ich mit meiner neutralen Rechtfertigung politischer Neutralität zu erklären.Google Scholar
  19. 19.
    Vgl. zu dieser Unterscheidung Ronald Dworkin: Taking Rights Seriously, Cambridge, Mass. 1978, S. 180, 272f.Google Scholar
  20. 20.
    Vgl. David Hume: An Inquiry Concerning The Principles of Morals, L.A. Selby-Bigge (hg.), Oxford 1902, Section 5 (Part 2), footnote 8 sowie Section 9 (Part 1) und David Hume: A Treatise of Human Nature, L.A. Selby-Bigge (hg.), Oxford 1965, S. 582f.Google Scholar
  21. 21.
    Vgl. zur Erörterung des Zusammenhangs von Theorien des Mitgefühls und des Utilitarismus Rawls: A Theory of Justice, a.a.O., S. 183–192; dt. Eine Theorie der Gerechtigkeit, a.a.O., S. 211–215.Google Scholar
  22. 22.
    Die Beziehung zwischen diesen zwei Begriffen von Respekt hat sehr viel weniger Aufmerksamkeit erfahren, als sie verdient. Vgl. zwei der meinen ähnliche (wenn auch nicht mit ihr identische) Darstellungen bei Stephen L. Darwall »Two Kinds of Respect«, in: Ethics 88, 1 (October 1977) S. 36–49 und bei Ernst Tugendhat: Probleme der Ethik, Stuttgart 1984, S. 135ff.Google Scholar
  23. 23.
    Zum Zusammenhang zwischen dem Respekt vor Personen und dem gegenseitigen Respekt vgl. Bernard Williams: Problems of the Self, Cambridge 1973, S. 234ff.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1994

Authors and Affiliations

  • Charles E. Larmore

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