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»Ein kleiner Stoß und denn erst geht mein Leben an!« Sterben und Tod in den Werken von Lenz

  • Hans-Gerd Winter
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Zusammenfassung

Die Aufklärung gilt im allgemeinen Verständnis als die Epoche, in der sich der Grundgedanke durchsetzt, die autonome Vernunft sei der allgemeingültige Wertmaßstab für alle menschlichen Werke, Tätigkeiten und Lebensverhältnisse. Für die Zielsetzung der Aufklärer, den Menschen zum Herrn seiner inneren und der äußeren Natur zu machen und ihn im Diesseits »Glückseligkeit« finden zu lassen, ist der Tod eine schwer erträgliche Provokation; denn dieser ist eine nicht weg zu diskutierende Grenze jeder Vernunftautonomie. Der Tod vollzieht nach Kant das »Ich bin nicht«, welches das seiner selbst bewußte Subjekt nicht einmal denken könne.1 Die deutsche Aufklärung hat, soweit sie in der Tradition des Leibniz-Wolffschen Rationalismus steht, der Todesgewißheit die Verheißung auf eine Unsterblichkeit der menschlichen Seele entgegengesetzt — für den tugendhaft Vernünftigen das weltliche Pendant zum ewigen Leben, das die Kirche den Frommen verspricht. Der Tod wird aus dieser Sicht zu einem bloßen Durchgangsstadium, bei dem sich die Seele vom allmählich zerfallenden Körper löse.2 Alte platonische Ideen prägen diese Vorstellung mit.

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Notizen

  1. 1.
    Immanuel Kant: Anthropologie in pragmatischer Hinsicht. In: Werke (Akademieausg.). Nachdr. Berlin 1968. Bd. 7, S. 166f.Google Scholar
  2. 3.
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  3. 5.
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    Heinz Dwenger: Der Lyriker Lenz. Diss. phil. (Masch.) Hamburg 1961. S. 155.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1994

Authors and Affiliations

  • Hans-Gerd Winter
    • 1
  1. 1.HamburgDeutschland

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