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Zwischen Kritik und Affirmation. Militärphantasien und Geschlechterdisziplinierung bei J. M. R. Lenz

  • W. Daniel Wilson
Chapter

Zusammenfassung

Über die letzten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts schrieb ein Zeitgenosse: »Nach der Anstellung im Staatsdienste strebte fast alles in Deutschland, was auf Bildung Anspruch machte […]«.2 Natürlich hatten die jungen Männer meist keine Wahl als den Staatsdienst: Berufsaussichten waren schlecht (auch für freie Schriftsteller), und Deutschland war ein Land unzähliger Höfe, an denen gut ausgebildete Männer hoch im Kurs standen. Aber es waren auch positive politische Motive da, die eine politisch interessierte Intelligenz zur Versorgung im staatlichen Bereich trieben. Die Basis einer Massenbewegung >von unten< fehlte weitgehend, und der Einfluß auf einen potentiell aufgeklärten Fürsten schien die einzige Möglichkeit, die Gesellschaft zu verändern. Die Aussicht, zum »Fürstenknecht« zu werden und zum Zweck einer recht ungewissen Reformtätigkeit das absolutistische System letztlich zu befestigen, bedrückte gewiß die meisten >Gelehrten<, aber viele nahmen diese widerspruchsvolle Situation trotzdem in Kauf. Also in der Zopfzeit sozusagen schon der lange Marsch durch die Institutionen. Dabei ist ein breites Spektrum an Möglichkeiten festzuhalten, wenn man im weiteren Sinne von der »Teilnahme am Staat« sprechen will.3 Das eine Extrem ist die Teilnahme im engsten Sinne, in der staatlichen Verwaltung bzw. den politischen Beratungsinstanzen. Aber andere, weniger offizielle Möglichkeiten wurden anvisiert, besonders von Schriftstellern.

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Notizen

  1. 2.
    Ernst Brandes: Betrachtungen über den Zeitgeist in Deutschland in den letzten Decennien des vorigen Jahrhunderts. Hannover 1808, S. 167.Google Scholar
  2. 3.
    Rudolf Vierhaus: Politisches Bewußtsein in Deutschland vor 1789. Der Staat 6 (1967), S. 175–96, Zit. S. 179.Google Scholar
  3. 4.
    Jürgen Habermas: Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft. Darmstadt 1962.Google Scholar
  4. 5.
    Vgl. Helmuth Kiesel: »Bei Hof, bei Höll«. Untersuchungen zur literarischen Hofkritik von Sebastian Brandt bis Friedrich Schiller. Tübingen 1979.CrossRefGoogle Scholar
  5. 14.
    Vgl. Hans Mayer: Lenz oder die Alternative. In: J. M. R. Lenz: Werke und Schriften. Hg. von Britta Titel, Hellmut Haug. Stuttgart 1967, Bd. 2, S. 795–827.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1994

Authors and Affiliations

  • W. Daniel Wilson
    • 1
  1. 1.BerkeleyUSA

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