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Eine Französin deutet den »Hofmeister«. Die Oper »Le Précepteur« (1990) von Michèle Reverdy

  • Peter Petersen
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Zusammenfassung

Am Anfang steht das Wort, am Ende die Musik. So einfach läßt sich die Genese eines Musiktheaterwerkes beschreiben, das den Namen Oper verdient. Stünde am Ende das Werk nicht als Musik da, so hätten wir es mit Genres zu tun, in denen Musik wohl vorkommt, aber nicht die Hauptsache ist, also etwa in Sing- und Songspielen, Divertissements, Melodramen, Moritaten, Lehrstücken, Vaudevilles, Operetten, Musicals, Shows, Caba-rets, Handlungsballetten und Tanztheatern, ganz zu schweigen von Stumm-und Tonfilmen. Eine Oper liegt vor, wenn Sprache, Handlung und Bild in Musik überführt werden, und zwar auf eine so radikale Weise, daß nur der eine Chance hat, das Werk zu verstehen, der primär die Ohren aufsperrt. Opern muß man hören, und erst in zweiter Linie sollte man sie sehen und ihren Text verstehen. Operntheater beruht auf einer doppelten Fiktion: beispielsweise ist der Selbstmord im Teich (»Hofmeister« IV, 4) ein Bühnen-ereignis, das auf Wirklichkeit verweist; die Melismen, die die Selbstmörde-rin singt, und die Sextolen, in denen das Wasser des Teiches zu Klang wird (»Précepteur« 16. Sz.), sind ein Operngeschehen, das auf Wirklichkeit verweist, die ihrerseits bereits fiktiv ist, nämlich die als Musik imaginierte Welt.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1994

Authors and Affiliations

  • Peter Petersen
    • 1
  1. 1.HamburgDeutschland

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