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Literarische Exerzitien der Selbstdisziplinierung. »Das Tagebuch« im Kontext der Straßburger Prosa-Schriften von J. M. R. Lenz

  • Jörg Schönert
Chapter

Zusammenfassung

Die sozialgeschichtlichen und psychohistorischen Bezugspunkte meiner Überlegungen seien nur angedeutet: Einher mit der Erweiterung von Denk-, Erfahrungs- und Handlungsspielräumen für diejenigen sozialen Gruppen, die im Territorialbereich des einstigen Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation die ökonomischen, die verwaltungs- und bildungspolitischen sowie die kulturellen Entwicklungen zur gesellschaftlichen Modernisierung tragen, gehen herrschaftsstützende Regulierungen und selbstbegrenzende Reflexionen zur Reichweite solcher Aufbrüche und Entgrenzungen1 . Vor allem im Handlungszusammenhang der veränderten, der modernen Arbeitspraxis (in ihrem Übergang von der Manufakturwirtschaft zur Industrialisierung), in der Verwaltung, im Militärdienst werden die Wechselwirkungen von Fremddisziplinierungen und Selbstdisziplinierungen ausgebildet: Die auf ›moderne Okonomie‹ bezogenen Erwartungen von ›Disziplin‹, von kalkulierbarem Verhalten des Einzelnen im Arbeitsprozeß, bilden fundamentale Strukturen der sich modernisierenden Gesellschaft aus; sie reichen mit ihren Wirkungen über das Arbeitsverhalten hinaus bis in die Selbstgestaltung individueller Lebenswelt2; sie führen zur Durchsetzung von ›Sekundärtugenden‹ wie Fleiß, Ordnungsliebe, Pünktlichkeit, vorauseilender Kalkulation und Suspendierung von Genußansprüchen3.

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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1994

Authors and Affiliations

  • Jörg Schönert
    • 1
  1. 1.HamburgDeutschland

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