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Lenz, Aristophanes, Bachtin und ›die verkehrte Welt‹

  • Helga Stipa Madland
Chapter

Zusammenfassung

Auch nachdem zweihundert Jahre vergangen sind, haben sich Literaturhistoriker noch nicht darüber geeinigt, ob Lenz nun Tragödien, Komödien oder Tragikomödien geschrieben hat. Dieser Dissens liegt zum Teil in Lenz’ eigener Unsicherheit begründet, wie er seine Dramen nennen solle, eine Haltung, die sein (und des Sturm und Drang) Experimentieren mit der konventionellen Dramenstruktur reflektiert. Aber auch Lenz’ Vielseitigkeit ist verantwortlich dafür, daß sich die Forschung widerspricht: die Tatsache, daß, wie John Guthrie kürzlich nochmals betont hat, Lenz sowohl vom bürgerlichen Melodrama, der neulateinischen Komödie als auch von der Comedia dell’arte wie auch von Shakespeare, der sächsischen Typenkomödie und von Puppenspielen Anleihen nimmt.2 Man mag Lenz’ Technik als die eines dramatischen Bastlers (bricoleur) bezeichnen, dessen Originalgenie in der Fähigkeit wohnt, vorhandene Elemente zu kombinieren und sie in neue Strukturen zu überführen. Guthrie interessiert sich für Lenz als Komödiendichter und kommt zu dem Schluß, daß »parody holds the key to this new style of comedy«.3 Guthries Schlußfolgerung ist in vieler Hinsicht plausibel. Sicherlich gibt es starke parodistische Elemente in Lenz’ Hauptdramen, insofern es sich bei ihnen in vieler Hinsicht um kritische und spöttische Imitationen des bürgerlichen Trauerspiels handelt.

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Notizen

  1. 5.
    Bachtin, M. M.: Rabelais and his World. Übersetzt von Helene Iswolsky. Bloomington 1984, S. 18.Google Scholar
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Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1994

Authors and Affiliations

  • Helga Stipa Madland
    • 1
  1. 1.OklahomaUSA

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