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Gor΄kijs Prometheismus und sein geistiges Umfeld

  • Hans Günther
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Zusammenfassung

Seine Vorstellung vom Heroischen hat Gor΄kijs am prägnantesten in einer Notiz aus den 20er Jahren Über den Helden und die Menge zusammengefaßt. In Absetzung vom offenen oder versteckten Aristokratismus Carlyles, Michajlovskijs u.a. formuliert Gor΄kijs seine Ansicht, die hier ausführlich wiedergegeben werden soll: »Für mich ist jede Menge eine Ansammlung von Heldenkandidaten. Für die Menge ist es völlig gleichgültig, wer der Held ist: Max Linder, Jack the Ripper, Mussolini, ein Boxer oder ein Zauberer, ein Politiker oder ein Pilot, — jeder einzelne aus der Menge will sich an der Stelle oder in der Lage eines dieser Leute sehen, die es fertiggebracht haben, aus dem dichten Dunkel des alltäglichen Lebens herauszuspringen. Der Held ist so etwas wie ein irrlichterndes Flämmchen über dem zähen Sumpf des Alltäglichen, er ist ein Magnet, der eine Anziehungskraft auf alle und jeden ausübt, der nicht nur ein passiver Zuschauer der Ereignisse sein will, auf alle, in denen eine wenn auch noch so schwache Hoffnung auf die Möglichkeit eines anderen Lebens brennt oder glimmt. Daher ist jeder Held ein soziales Phänomen, dessen pädagogische Bedeutung äußerst wichtig ist. Ein Held sein zu wollen heißt mehr Mensch sein zu wollen, als man ist. Eigentlich ist jeder Mensch in seiner Sphäre schon ein Held, wenn man nur aufmerksam in das dunkle Dickicht dieser Sphäre hineinschaut.

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Anmerkungen

  1. 2.
    N. K. Michajlovskij, »Geroi i tolpa«. In: Ders., Soč., Bd. 6, 2. Aufl. SPb. 1894, S. 282.Google Scholar
  2. 5.
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  4. 10.
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    Vgl. H. Blumenberg, Arbeit am Mythos, Frankfurt 1979, 5. Teil: »Der Titan in seinem Jahrhundert«.Google Scholar
  10. 27.
    Vgl. F.W.J.V.Schelling, Philosophie der Mythologie, Bd. 1, Darmstadt 1957, S. 482.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1993

Authors and Affiliations

  • Hans Günther

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