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Ideologie pp 7-41 | Cite as

Was ist Ideologie?

  • Terry Eagleton
Chapter

Zusammenfassung

Es gibt bis heute noch keine angemessene Definition des Begriffs Ideologie und auch dieses Buch wird daran nichts ändern. Die Ursache hierfür ist weniger ein Mangel an Intelligenz bei den mit dieser Fragestellung befaßten Wissenschaftler, als vielmehr der Umstand, daß der Begriff >Ideologie< eine ganze Reihe von Bedeutungen trägt, die sich zum Teil gegenseitig ausschließen. Der Versuch, diese Bedeutungsfülle durch eine einzige umfassende Definition auszudrücken, erweist sich — wenn es denn überhaupt möglich wäre — als wenig hilfreich. Man könnte das Wort >Ideologie< als einen Text bezeichnen, der aus vielen verschiedenen begrifflichen Fäden gewoben ist und von divergierenden Traditionslinien durchzogen wird. Es erscheint deshalb sinnvoll, diese Traditionslinien auf Nützliches und Überflüssiges zu befragen und sie nicht gewaltsam in ein umfassendes theoretisches Konzept zusammenzupressen. Die folgende Liste von Ideologiedefinitionen ist zufällig und soll nur einige der gegenwärtig zirkulierenden Begriffsbestimmungen aufzeigen:
  1. a)

    prozeßhafte Produktion von Bedeutungen, Zeichen und Werten im gesellschaftlichen Leben

     
  2. b)

    Korpus von Ideen, die für eine bestimmte soziale Gruppe oder Klasse charakteristisch sind

     
  3. c)

    Vorstellungen, die dazu beitragen, eine herrschende politische Macht zu legitimieren

     
  4. d)

    falsche Vorstellungen, die dazu beitragen, eine herrschende politische Macht zu legitimieren

     
  5. e)

    systematisch verzerrte Kommunikation

     
  6. f)

    etwas, was dem Subjekt erlaubt, Stellung zu beziehen

     
  7. g)

    gesellschaftlich motivierte Denkweisen

     
  8. h)

    Identitätsdenken

     
  9. i)

    sozial notwendige Illusion

     
  10. j)

    Zusammentreffen von Macht und Diskurs

     
  11. k)

    Medium, in dem gesellschaftlich handelnde Personen eine sinnvolle Welt gestalten

     
  12. l)

    handlungsorientierter Komplex von Überzeugungen

     
  13. m)

    Vermischung sprachlicher und phänomenaler Wirklichkeit

     
  14. n)

    semiotische Schließung

     
  15. o)

    Medium, innerhalb dessen Einzelne ihre Beziehungen als soziale Struktur erleben

     
  16. p)

    Vorgang, durch den gesellschaftliches Leben in naturgegebene Wirklichkeit verwandelt wird[2]

     

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Notizen

  1. 3.
    Emile Durkheim, Die Regeln der soziologischen Methode, Neuwied 1965, p.142.Google Scholar
  2. 6.
    Alvin Gouldner, The Dialectics of Ideology and Technology, London 1976, p. 4.CrossRefGoogle Scholar
  3. 33.
    Tony Skillen, >Discourse Fever<, in R. Edgley und P. Osborne, eds., Radical Philosophy Reader, London 1985, p. 332.Google Scholar
  4. 34.
    Peter Sloterdijk, Kritik der zynischen Vernunft, Frankfurt/a.M. 1983, Kap. 1.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1993

Authors and Affiliations

  • Terry Eagleton

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