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Poetische Praxis

  • Dirk Kemper
Chapter

Zusammenfassung

Zur Illustration des während Tiecks Schulzeit vorherrschenden geistigen Klimas in Berlin erzählt Köpke folgende Episode über ein Gespräch Ludwigs mit dem Konrektor des Friedrichswerderschen Gymnasiums, Carl Gottlieb Weißer: “Seit einiger Zeit”, klagte er einmal zu Weißer, “fühle ich mich tief in innerster Seele bewegt. […] Wechselnde Gefühle und Leidenschaften stürmen auf mich ein, neue bedeutende Eindrücke machen sich geltend, deren ich vergeblich Herr zu werden suche. Von alle dem fühle ich mich so betäubt, ich bin so unruhevoll, so friedlos! Es war doch eine schöne Einrichtung des Mittelalters, daß man dem verwirrenden Lärm der Welt entfliehen konnte! Man ging in ein Kloster und war von allen Sorgen der Welt befreit. […] Ich wünschte, auch wir hätten unsere Klöster!” […] Mit stummem Erstaunen hatte ihn Weißer angehört. Endlich platzte er heraus: “Tieck, für dieses eine Wort verdienten Sie gehängt zu werden!”892 Was könnte die provokative Kraft, die der Herausgeberfiktion eines der Kunst verschriebenen Klosterbruders inmitten der Berliner Spätaufklärung eignete, anschaulicher werden lassen, als diese Reaktion des aufklärungseifernden Schulmannes noch einige Jahre vor dem Erscheinen der Herzensergießungen?

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1993

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  • Dirk Kemper

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