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“Ein wunderbares Gefühl. Ich erinnere mich.” Zur melancholischen Befindlichkeit erschöpfter Rebellen

  • Michael Kämper van den Boogaart
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Zusammenfassung

Nachdem die kleine Studienreise in die Gründe der Melancholie absolviert ist, darf nun noch einmal gefragt werden, ob sich die Erschöpfung, die aus den intellektuellen Diskursen der siebziger Jahre nach außen tritt, auf eine kollektive Befindlichkeit zurückführen läßt, für die der Begriff des Melancholischen taugt. Bei solcher Nachfrage kann es nicht darum gehen, ins Innere aller Subjekte der Zeit Einlaß zu suchen und das Bewußtseinsprofil einer gesamten Gesellschaft zu zeichnen. Vielmehr interessieren die besonderen Erfahrungsweisen, die das Umfeld von Produktion und Rezeption der im folgenden zu interpretierenden Erzählprosa bilden und die in mannigfaltiger Weise mit dem fast magischen Datum 1968 korrelieren. Mithin bleibt unsere Rede von einer kollektiven Befindlichkeit flüchtig. Denkbar wäre zwar, das Konstrukt eines biographischen Profils vorzulegen, das dem uns interessierenden Autorenkreis gemeinsam wäre und gerade noch jene Schärfe aufwiese, mit dem sich eine Rasterfahndung begnügte. Doch vorab zu konzedieren ist, daß über die jüngere Autorengeneration hinaus auch in den Werken der Älteren zur selben Zeit ein Ton eingezogener Emphase einkehrt. Als Beispiele seien nur Max Frischs Montauk (Frisch 1975), Martin Walser Jenseits der Liebe (Walser 1976) und Günter Grass’ Tagebuch einer Schnecke (Grass 1972) erwähnt. Auch die exklusive Rede von einer linken Melancholie, so zum Beispiel Michael Schneider, mag bereits fahrlässig sein.

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1992

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  • Michael Kämper van den Boogaart

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