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Das soziale, politische und kulturelle Umfeld der Schule — Konflikte mit Nachbarn und Behörden

  • Hertha Luise Busemann
  • Michael Daxner
  • Werner Fölling
Chapter

Zusammenfassung

An anderer Stelle wurde bereits dargestellt, wie Lotte Kaliski Anfang 1932 beim Sport-Club Charlottenburg vorsprach und nach Räumlichkeiten für die von ihr geplante private Waldschule fragte; wie sie überraschend schnell eine positive Antwort bekam, weil der Club in einer tiefgehenden finanziellen und personellen Krise steckte; wie die Schule tagsüber Clubräume und weitere Anlagen (Gymnastikhalle, Stadiontribüne, Höhensonne) benutzen durfte und wie der Clubvorstand nach Eröffnung der Schule eine freundliche Notiz in die Clubzeitschrift setzte, in der die Clubmitglieder gebeten wurden, »durch Ruhe und entsprechendes Verhalten auf die Interessen der Waldschule während der Schulstunden gebührende Rücksicht nehmen zu wollen«.

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Anmerkungen

  1. 11).
    Purim wird nach dem jüdischen Kalender am 14. und 15. Adar gefeiert. 1934 war das der 1. und 2. März. Der erste Festtag ist ein Fastentag; der eigentliche Freudentag mit Umzügen, Verkleidungen, ritualisierten Spielen usw. ist der zweite Festtag. Vgl. Friedrich Thieberger (Hg.): Jüdisches Fest. Jüdischer Brauch, 1979, S. 364–380.Google Scholar
  2. 13).
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  3. 15).
    Hans Buchheim: Die SS — das Herrschaftsinstrument, 1965, S. 75.Google Scholar
  4. 19).
    Martin Broszat: Vorwort, in: ders. und andere (Hg.): Bayern in der NS-Zeit, Bd. 1, 1977, S. 11–19, hier S. 11 f.. Ders.: Resistenz und Widerstand. Eine Zwischenbilanz des Forschungsprojekts, in: Bayern in der NS-Zeit, Bd. 4, 1981, S. 691–709, hier S. 692.Google Scholar
  5. 20).
    Arnold Paucker (Hg.): Die Juden im Nationalsozialistischen Deutschland, 1986; der Beitrag von Hajo Bernett S. 223–237, der Beitrag von Joseph Walk S. 239–247, das Zitat S. 241.Google Scholar
  6. 21).
    Nachtrag: Während der Drucklegung stoße ich auf folgenden Zusammenhang, der die Resistenz des Bezirksschulrats Spanier in Wilmersdorf noch schärfer beleuchtet. Am 25. April 1933 erging das »Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen« sowie die erste Verordnung zur Durchführung dieses Gesetzes, wonach bei der Neuaufnahme von Schülern in allen Schulen mit Ausnahme der Pflichtschulen die Zahl der »Nichtarier« ihren Anteil an der Gesamtbevölkerung des Reiches nicht übersteigen sollte; die Durchführungsverordnung legte diesen Anteil auf 1,5 v.H. fest. Dieses Gesetz wurde auch auf die Privatschulen angewandt. Soweit es sich bei den Privatschulen um jüdische Privatschulen handelte, ergab sich daraus eine sehr restriktive Situation, über die ein Regierungs-rat im Reichserziehungsministerium 1937 folgendes schrieb: »Bei dem über das Volksschulziel hinausführenden Schulen für jüdische Schüler war es zunächst fraglich, ob ihr Weiterbestehen mit den Bestimmungen des Überfüllungsgesetzes vereinbar war. Die Neuaufnahme von Schülern wurde an diesen Schulen deshalb in den Schuljahren 1933 und 1934 vorübergehend gesperrt«. (Kurt Klamroth: Die Auswirkungen der nationalsozialistischen Rassenpolitik auf das Schulwesen, in: Deutsches Schul-Verwaltungs-Archiv, N. F., Bd. 34, 1937, S. 89–104, hier S. 99.) Nun ist es quellenmäßig erwiesen, daß die Waldschule Kaliski von rund 50 Schülern im Schuljahr 1933/34 auf 80–90 Schüler im Schuljahr 1934/35 expandierte, Spanier hat mithin auch nach dem Konflikt um die Feier des Purimfestes 1934, bei dem er die »Rassentrennung« an der Waldschule Kaliski durchführen mußte, vermieden, die Schule verwaltungsmäßig als jüdische Schule zu klassifizieren und auf die betreffende Liste zu setzen. Sonst hätte er ihr zu Ostern 1934 keine Neuaufnahmen genehmigen dürfen.Google Scholar

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland 1992

Authors and Affiliations

  • Hertha Luise Busemann
  • Michael Daxner
  • Werner Fölling

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